Dreimal in der Woche können die Männer auch direkt ins Dreimühlenviertel zur Beratungsstelle Marikas kommen. Die Stricher finden dort eine eigene Wohnung für sich: drei Zimmer, Küche, Bad.
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Von halb sieben morgens bis vierzehn Uhr stehen ihnen dort sechs Schlafplätze zur Verfügung, Hochbetten, von der Bundeswehr aussortiert. Nach dem Essen stehen Wäschewaschen, Internet, Kicker- oder Brettspiele für nachmittags auf dem Programm - und bei Bedarf Gespräche mit den Sozialpädagogen.
"Teilweise bringen wir denen hier ganz grundlegende Dinge bei", sagt Carmen Jörg, die Marikas seit vier Jahren leitet. Wie man ein Kondom richtig benutzt, zum Beispiel, und dass man sich dadurch vor Aids und Geschlechtskrankheiten schützen kann. Die Sozialpädagogin wirkt wie eine Frau, die viel gesehen und erlebt hat. Wenn die 43-Jährige von den Strichern, den "Jungs", erzählt, klingt ihre Stimme hart.
Sie beschönigt nichts, redet frei über Sexpraktiken und die Probleme, die man als Frau bei der Arbeit mit männlichen Prostituierten hat: keinen Respekt, Scham, Unverständnis. "Die meisten Jungs, die wir hier kennenlernen, sind Familienväter zwischen 20 und 25 Jahren", sagt Jörg. Von den Gagen der Callboys, die auch für Besuche im Museum, der Oper oder Vernissagen bezahlt werden, können sie nur träumen.
"Es gibt Jungs, die machen's für zehn, andere für 100 Euro." Einige der Stricher bezahlen mit ihrem Körper nur für ein warmes Essen, für eine Nacht mit Decke über dem Kopf - oder für ein Handy. Das Einzige, was man definitiv sagen kann: "Je größer die Not, desto niedriger der Preis."
Bei den Freiern handelt es sich laut Carmen Jörg größtenteils um ältere, alleinstehende Männer, die keinen Partner finden. In der Schwulenszene kommt es immer noch mehr als in heterosexuellen Beziehungen auf Schönheit und Jugend an: ein Grund, warum vor allem die blutjungen Stricher so begehrt sind.
Einige wenige Freier würden aber auch in heterosexuellen Partnerschaften leben und sich nicht trauen, ihre Homosexualität offen auszuleben - und sich dann im Internet oder in Szenekneipen einen Stricher suchen.
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Die neueste Antwort
Ein ernsthafter Beitrag im münchen extra, wo es sonst überwiegend um Partyberichte, Clubs und Bars geht?
Selten, aber gerne gelesen.
Hallo Frau Roth,
mich hat dieser Artikel auch sehr berührt. Man lebt jahrelang in München und bekommt diesen Teil der Szene gar nicht so richtig mit. Es ist immer "woanders - aber nicht hier". Doch wie man sieht - sind wir überall davon betroffen. Wir können nur hoffen, dass die Marikas weiterhin gute Arbeit leistet.
Nochmal ein großes Lob an die Autorin - Frau Roth.
Viele Grüße aus München,
Eine echte Überraschung im München-Teil von SZ Online, wo es ja hauptsächlich um Feiern, Clubs, Promis und andere Spaßthemen geht, die einen großen Teil der Wirklichkeit ausblenden.
Ich habe mir daraufhin die Webseite von Marikas (www.marikas.de) angesehen.
Sehr interessant, dass es eine solche Organisation gibt, die sich in München um Stricher und Mädchen/Jungen kümmert, die auf (potentieller) Anbieterseite mit Prostitution in Kontakt kommen. Da hätte ich eher an Berlin, Hamburg, Frankfurt gedacht - dort wird es wohl Ähnliches geben.
Jedenfalls alles Gute für die Marikas-Mitarbeiter/innen! Die Arbeit ist bestimmt nicht einfach, aber es muss auch ein befriedigendes Gefühl sein, ohne bürokratischen Aufwand etwas für Menschen erreichen zu können.
Beste Wünsche
Kai Hamann
eine komplette Einkommenssteuererklärung und kassiert ohne moralische Vorwürfe Steuern.Ergo ist Prostitution ein ehrenwertes Gewerbe und ist staatstragend.Da bin ich mir bei manchem der Politikers nicht so sicher, ob da alles an Nebeneinkünften angegeben wird.