Die erste bittere Entscheidung für die Bürger nach der Wahl steht an: Die Gesellschafter befinden über eine Preissteigerung für den MVV.
Seit 1999 sind die Fahrpreise für S-Bahn, U-Bahn, Bus und Tram um mehr als 35 Prozent gestiegen. Der obligatorische Aufschlag heuer im Sommer fiel zunächst aus, weil - je nach politischer Interpretation - man nicht vor den Bundestagswahlen beziehungsweise mitten in der Wirtschaftskrise Zumutungen bekanntgeben wollte. Ein halbes Jahr verspätet und wenige Tage nach der Wahl kommt nun der Preissprung: Im Durchschnitt sollen die MVV-Tickets knapp fünf Prozent teurer werden. Die "Aktion Münchner Fahrgäste" kritisiert die Tariferhöhung.
Im Dezember werden die MVV-Marken in München teurer - wohl um fünf Prozent. (© Foto: ahed)
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Die Gesellschafter des Münchner Verkehrsverbundes - die Stadt, der Freistaat und die Landkreise - kommen an diesem Freitag zusammen, um die genaue Prozentzahl bekannt zu geben.
Dass der Aufschlag, der im Dezember wirksam wird, nahe an die fünf Prozent-Grenzehinreicht, darauf haben die verantwortlichen Akteure die Fahrgäste in den vergangenen Wochen und Monaten bereits vorsichtig vorbereitet. Schon nach den Streiks im Nahverkehr mit Lohnsteigerungen von 3,1 Prozent für die Fahrer stöhnte der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft, Herbert König, laut auf und orakelte über rote Geschäftszahlen fürs Jahr 2010.
Ohne eine deutliche Fahrpreiserhöhung werde der von den Gewerkschaften erzwungene Lohnaufschlag nicht zu bezahlen sein. Und es gibt offenbar noch viele andere gewichtige Gründe für die Teuerung.
In den vergangenen drei Jahren waren es steigende Energie- und Treibstoffkosten, mit denen der MVV die Erhöhungen von 3,9 Prozent (im Jahr 2006), 3,1 Prozent (2007) und 3,8 Prozent (2008) rechtfertigte. Nun ist zumindest der Diesel für die Busse wieder deutlich billiger geworden, die gesunkenen Kosten könnten die Tarifsteigerungen bei den Fahrerlöhnen aber nicht ausgleichen, teilt die MVG auf Anfrage mit. "Davon sind wir leider Lichtjahre entfernt."
Mal war es der Ausbau des Streckennetzes, mal waren es Taktverdichtungen, steigende Betriebskosten oder gekürzte Zuschüsse des Freistaats, mal neue Trambahnen, Tarifumstellungen oder es war die Erweiterung des Nachtlinien-Angebots - dem MVV gingen die Begründungen für die seit Mitte der achtziger Jahre verlässlich gefassten Preiserhöhungen nicht aus.
Steigende Fahrgastzahlen und somit höhere Erlöse aus dem Ticketverkauf für S-Bahn & Co konnten die Aufschläge jedenfalls nicht verhindern. Die MVG rechtfertigte sich außerdem mit Investitionen in das Münchner U-Bahn-, Bus- und Trambahnnetz. In den Neubau der Schwabinger Tram flossen zuletzt weitere 15 Millionen Euro, 30 Millionen steckte die MVG heuer in die Sanierung der Betonhülle im Stachus-Untergeschoss, weitere 20 Millionen verschlangen diverse Gleiserneuerungen. Die rund 350 Millionen Euro, die die MVG aus Fahrscheinen vom MVV bekommt, schmelzen so schnell dahin. Zweifellos handelt es sich um notwendige Investitionen.
Auf Unverständnis könnte nun aber die Ankündigung der MVG stoßen, den Ankauf von 14 U-Bahn-Zügen mit einem geschätzten Volumen von deutlich mehr als 100 Millionen Euro um zwei Jahre vorzuziehen. Warum muss ausgerechnet in Zeiten knapper Kassen so viel Geld ausgegeben werden? Die MVG verteidigt sich, sie müsse alte Züge ohnehin ersetzen und hoffe derzeit auf besonders günstige Preise: "Die vorgezogene Beschaffung der U-Bahnwagen erfolgt nur, wenn dies wirtschaftlicher ist. Das ist der Fall, wenn die Kapitalkosten abzüglich einer eventuellen Förderung durch den Freistaat niedriger sind als der steigende Unterhalt für die dann über 40-jährigen Altfahrzeuge."
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Autos stinken. Richtig. Das Leute wieder verstärkt fahren, weil es ihnen wirtschaftlicher un bequemer erscheint, ist zu bedauern. Richtig.
Aber eine Frage: Haben Sie ein Festzelt auf der Wiesen besucht? Waren Sie letztlich in einem Raucherclub? Der Gestank dort ist weit heftiger, die Feinstaub-Konzentration höher als am Stachus und die Schädlichkeit noch wesentlich heftiger.
Eine Beispielrechnung anhand einer Studie aus Mailand, die ergeben hat, dass eine Zigarette so viel lungengängigen Feinstaub freisetzt wie ein moderner Dieselmotor in 100 Minuten Leerlauf, hat ergeben, dass bei einem 27%igen Raucheranteil in München und geschätzten 12 Zigaretten pro Tag alleine durch das Rauchen so viel lungengängiger Feinstaub freigesetzt wird, wie alle in München zugelassen Diesel PKW in knapp 70 Stunden Leerlauf erzeugen würden.
Aber zurück zum Thema: Gegen die Preiserhöhungen beim MVV werden keine Wehklagen und auch keine Beschwerden helfen. Da hilft nur ein Boykott und ein Umstieg - wenns kein Auto sein soll - auf den Drahtesel oder eben der Kauf guter Schuhe.
Ich bevorzuge das Fahrrad.
@bajuwar52: Ein ziemlich unreflektierter und hasserfüllter Kommentar. Ich bin gespannt, ob Sie in 4 Jahren über Schwarz-Gelb besser schreiben - ich hege allerdings Zweifel daran.
@Fetzolina: Das kommt auf die Strecke an... von Giesing zum Marienplatz ists ohne Auto sicher sinnvoller. Aber morgens den Ring entlang von einer Seite auf die andere da ist das Auto nunmal auch mit Stau gute 30 min schneller.
Und ja ich fahre gerne Auto. Und wenns mal Elektroautos gibt fahr ich die auch gerne. Beim MVV ist man verloren sobald man 1x umsteigen muß.
...dass solche Leute wie Carmor dadurch in ihrer Meinung, dass Auto fahren besser ist, bestätigt werden.
Autos stinken. Soviel steht mal fest. Und schneller ist man damit nicht. Wenn ich mit dem Auto zur Arbeit fahren würde, würde ich täglich im Stau stehen. Die U-Bahn ist unkompliziert ud schnell. Und nein, verprügelt wurde ich auch noch nicht. Es sitzen auch (meistens) keine Leute in der Bahn, die stinken.
Eins steht fest: der ÖPNV ist besser als ein eigenes Auto. Und wahrscheinlich noch immer preisgünstiger. Obwohl ich die Preiserhöhungen natürlich nicht billige.
Höhere Preise, weniger Leistung - danke MVV, danke Herr Oberbürgermeister!
Die Wähler haben am Sonntag der SPD einen Denkzettel verpasst, weitere werden folgen!
Man kann nun darüber philosophieren, ob ein Unternehmen des ÖPNV sinnvollerweise gewinnorientiert agieren können sollte oder nicht. Das möchte an dieser Stelle den Lesern ersparen, sie vielmehr zum stillen Nachdenken darüber anregen.
Über die Preiserhöhungen selbst kann man aber nicht mehr philosophieren, sondern man sollte sie zum Gegenstand von Protesten und Beschwerden machen - und zwar nicht nur gegenüber dem MVV, sondern vor allem gegenüber der zuständigen Politik.
So kann es m.E. nicht angehen, dass der MVV gefühlte andertalb Jahre den U-Bahn-Verkehr beeinträachtigt, um an der Münchner-Freiheit zwei gemauerte Verschläge einzurichten und die Wände mit neongelbem Plastik zu beplanken - dabei möglicherweise 7stellige Beträge zu verbraten.
Es kann auch nicht sein, dass man nahezu ein Jahr an einer Prunkbrücke für eine Trambahn-Linie baut.
Oder dass man schick designte Züge einkauft, die aber vom Platzangebot her die alten Klapperwagen bei weitem hinter sich lassen und damit insb. für ältere Menschen keinen Vorteil bieten.
Auch kann es nicht sein, dass die bei permanenten Preissteigerungen die Servicequalität sinkt. Es spricht für sich, dass man 0180er Nummern anrufen muss und die zuweilen bereits am späten Nachmittag nur noch eine Bandansage bieten. Es kann nicht sein, dass in einer Großstadt wie münchen ab 01:00 Uhr fast nichts mehr geht und Sicherheitspersonal mit der Lupe gesucht werden muss.
Letztlich - und das ist für mich der eigentlich gravierende Punkt - kann es nicht sein, dass von den ganzen (erheblichen) Preissteigerungen die Angestellten so gut wie nichts spüren, sondern zum Teil noch durch Outsourcing von Busfahrten an Subunternehmer Dumping-Löhne zustande kommen oder mit Bussen gefahren wird, die kaputte Stoßdämpfer und beschädigte Windschutzscheiben haben - und das über Wochen hinweg.
Ich für meinen Teil bin vor Monaten aufs Fahrrad umgestiegen und bereue es nicht. Der MVV sieht nur noch im Notfall von mir Geld und kann mich als Geldkuh in Zukunft abschreiben. So nicht, lieber MVV!
Paging