Von Christian Rost

Die erste bittere Entscheidung für die Bürger nach der Wahl steht an: Die Gesellschafter befinden über eine Preissteigerung für den MVV.

Seit 1999 sind die Fahrpreise für S-Bahn, U-Bahn, Bus und Tram um mehr als 35 Prozent gestiegen. Der obligatorische Aufschlag heuer im Sommer fiel zunächst aus, weil - je nach politischer Interpretation - man nicht vor den Bundestagswahlen beziehungsweise mitten in der Wirtschaftskrise Zumutungen bekanntgeben wollte. Ein halbes Jahr verspätet und wenige Tage nach der Wahl kommt nun der Preissprung: Im Durchschnitt sollen die MVV-Tickets knapp fünf Prozent teurer werden. Die "Aktion Münchner Fahrgäste" kritisiert die Tariferhöhung.

MVV Preise

Im Dezember werden die MVV-Marken in München teurer - wohl um fünf Prozent. (© Foto: ahed)

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Die Gesellschafter des Münchner Verkehrsverbundes - die Stadt, der Freistaat und die Landkreise - kommen an diesem Freitag zusammen, um die genaue Prozentzahl bekannt zu geben.

Dass der Aufschlag, der im Dezember wirksam wird, nahe an die fünf Prozent-Grenzehinreicht, darauf haben die verantwortlichen Akteure die Fahrgäste in den vergangenen Wochen und Monaten bereits vorsichtig vorbereitet. Schon nach den Streiks im Nahverkehr mit Lohnsteigerungen von 3,1 Prozent für die Fahrer stöhnte der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft, Herbert König, laut auf und orakelte über rote Geschäftszahlen fürs Jahr 2010.

Ohne eine deutliche Fahrpreiserhöhung werde der von den Gewerkschaften erzwungene Lohnaufschlag nicht zu bezahlen sein. Und es gibt offenbar noch viele andere gewichtige Gründe für die Teuerung.

In den vergangenen drei Jahren waren es steigende Energie- und Treibstoffkosten, mit denen der MVV die Erhöhungen von 3,9 Prozent (im Jahr 2006), 3,1 Prozent (2007) und 3,8 Prozent (2008) rechtfertigte. Nun ist zumindest der Diesel für die Busse wieder deutlich billiger geworden, die gesunkenen Kosten könnten die Tarifsteigerungen bei den Fahrerlöhnen aber nicht ausgleichen, teilt die MVG auf Anfrage mit. "Davon sind wir leider Lichtjahre entfernt."

Mal war es der Ausbau des Streckennetzes, mal waren es Taktverdichtungen, steigende Betriebskosten oder gekürzte Zuschüsse des Freistaats, mal neue Trambahnen, Tarifumstellungen oder es war die Erweiterung des Nachtlinien-Angebots - dem MVV gingen die Begründungen für die seit Mitte der achtziger Jahre verlässlich gefassten Preiserhöhungen nicht aus.

Steigende Fahrgastzahlen und somit höhere Erlöse aus dem Ticketverkauf für S-Bahn & Co konnten die Aufschläge jedenfalls nicht verhindern. Die MVG rechtfertigte sich außerdem mit Investitionen in das Münchner U-Bahn-, Bus- und Trambahnnetz. In den Neubau der Schwabinger Tram flossen zuletzt weitere 15 Millionen Euro, 30 Millionen steckte die MVG heuer in die Sanierung der Betonhülle im Stachus-Untergeschoss, weitere 20 Millionen verschlangen diverse Gleiserneuerungen. Die rund 350 Millionen Euro, die die MVG aus Fahrscheinen vom MVV bekommt, schmelzen so schnell dahin. Zweifellos handelt es sich um notwendige Investitionen.

Auf Unverständnis könnte nun aber die Ankündigung der MVG stoßen, den Ankauf von 14 U-Bahn-Zügen mit einem geschätzten Volumen von deutlich mehr als 100 Millionen Euro um zwei Jahre vorzuziehen. Warum muss ausgerechnet in Zeiten knapper Kassen so viel Geld ausgegeben werden? Die MVG verteidigt sich, sie müsse alte Züge ohnehin ersetzen und hoffe derzeit auf besonders günstige Preise: "Die vorgezogene Beschaffung der U-Bahnwagen erfolgt nur, wenn dies wirtschaftlicher ist. Das ist der Fall, wenn die Kapitalkosten abzüglich einer eventuellen Förderung durch den Freistaat niedriger sind als der steigende Unterhalt für die dann über 40-jährigen Altfahrzeuge."

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  1. Sie lesen jetzt MVV-Tickets werden deutlich teurer
  2. "Es ist nicht mehr hinnehmbar"
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