Italienisches Restaurant Lehel "Porta Capuana" Neapel so nah

Nicht nur dank der Fototapete fühlt man sich im Porta Capuana wie in Neapel. Die gehobene Küche bringt einem auch kulinarisch Italien näher.

Von Camilla Cotta

"Der Wucherer wenn seinen Himmel baut, feilscht um den Blumenstrauß seiner Braut", so steht es, nicht ganz reimsicher, in Gipslettern auf dem schmucken Eckhaus an der Thierschstraße 14. Darunter ist ein strenger Mann mit Bart und Geldsack in der Hand abgebildet. Der Erbauer fand offenbar längst vor der Finanzkrise, dass Geld und Gier nicht ohne Risiko für den Charakter sind.

Eine lange Theke empfängt den Gast. Ziegelmauern und die warmen Rottöne machen das Restaurant behaglich.

(Foto: Foto: Rumpf)

Im dekorationsverliebten Jugendstil ließ man solche Einsichten auf der Fassade verewigen. Geschätzte 100 Jahre später hängt daneben das Schild des Restaurants Porta Capuna, womit man in der Renaissance gelandet wäre. So heißt nämlich ein Stadttor in Neapel, von dem wiederum ein Gemälde Rudolf von Alts in der Neuen Pinakothek hängt.

Doch zurück ins Lehel. Ein großer Bar-Restaurantbereich mit langer Theke empfängt den Gast im Porta Capuana, Ziegelmauern und warme Rottöne wirken so schick wie behaglich. Den hinteren Teil schmückt eine Fototapete. Nicht erschrecken! Die Nachtaufnahme der Piazza del Plebiscito in Neapel mit ihren stolzen Kolonnaden ist eine stimmungsvolle Zierde. Sorgsam weiß eingedeckte Tische signalisieren, dass es hier um gehobene italienische Gastronomie geht.

Eine lauwarme Vorspeise bestätigte diesen Eindruck: frittierte und marinierte alici, Sardellen also, mit einem "Polenta Crouton", einem Maisgrieß-Plätzchen, und Balsamico-Essig. Die zarten Fischchen gingen eine köstliche Verbindung ein mit der dunklen Essigsoße, die abgerundet war mit leicht süße Zwiebeln. Gut gefiel uns auch ein gebratenes Bullencarpaccio mit frittiertem Gemüse und Olivenpesto, das den kräftigen Geschmack der mürben, feingeschnittenen Fleischscheiben würzig begleitete.

Parmesan-Cannolo mit Avocado-Mousse und grünem Spargel als Vorspeise, das klang interessant. Cannoli kennen wir als sizilianische Süßspeisen aus frittierten Teighülsen, mit Ricottacreme gefüllt. Hier war diese Hülse aus angeschmolzenem Parmesankäse geformt, der einen schönen Kontrast zur aromatischen, hellgrünen Avocado-Creme und dem Spargel bildete. Leider war das Käse-Cannolo etwas von der Feuchte der Mousse durchweicht, weswegen es eine teilweise gummiartige Konsistenz hatte.

Fingerhütchenpasta und Quadratnudeln

Ditalini heißt Fingerhütchen, und mit ihnen sind wir bei der Pasta angekommen. Es handelt sich um kurze Röhrennudeln, die mit Zucchiniblüten, Speck und Schafskäse-Ricotta kombiniert waren. Der leicht suppige, vom Frischkäse sämige Sugo ließ das feine Gemüse gut zur Geltung kommen, ein mildes und doch aromatisches Gericht. Nicht alltäglich und doch nicht exaltiert war die Mischung von Quadratnudeln mit Kürbis, Jakobsmuscheln und Basilikum-Pesto.

Die Süße des Kürbis mit dem Parfum des Basilikum und der Meeresgeschmack der Jakobsmuscheln, das war elegant komponiert. Schade nur, dass das ausgelöste Muschelfleisch zu fest geworden war. Mafaldine sind Bandnudeln mit gewellten Rändern. Im Porta Capuana gab es sie mit Spargelspitzen und würzigem Scamorza-Käse, das war eine handfeste Sache. Bei den Orecchiete, ohrförmigen Nudeln, mit Kaninchenleber, grünen Erbsen und schwarzem Trüffel, verband sich Leichtes, Frisches ganz selbstverständlich mit Erdigem. Die Nudelgerichte werden übrigens serviert in Tellern groß wie kleine Gästewaschbecken.

Wir fühlten uns hier bestens betreut, der Service war sehr zuvorkommend und aufmerksam, ohne einen Hauch von Aufdringlichkeit. Und wie frisch und von welcher Qualität die Zutaten sind, die Küchenchef Bruno Luongo verwendet, zeigten exemplarisch Thunfisch-Filets mit frittierten Zucchiniblüten. Der Fisch war schlichtweg perfekt, mit nussigen Sesamkörnchen angebraten, gerade so, dass das exzellente Fleisch einen halben Zentimeter tief gar und im Inneren dunkelrosa schimmerte. Die Zucchiniblüten waren in zartem Teig knusprig gebacken und ein Genuss für sich.

Wie gut die Küche mit Fisch umzugehen weiß, bewies auch ihre "Gegrillte Fischvariation", zu der es Gemüse und knusprige Kartoffelscheiben gab. Je ein Filet vom Seeteufel, vom Kabeljau, vom Saibling und vom Thunfisch waren nicht nur eine üppige Portion, sondern jedes auf seine spezifische Art delikat und saftig, ob mit krosser Haut oder ohne. Sehr gelungen war auch ein ausgelöstes Kaninchen mit frischen Pfifferlingen und Polenta, reichlich Frühlingszwiebeln und einer kräftigen, dunklen Bratensauce mit einem Hauch von Kümmel.

Die Weinkarte ist umfänglich, rund 250 Weine sind da zu finden, und man kann sich getrost der Beratung des Sommeliers anvertrauen. Carlo Franchi kann als Referenz zum Beispiel die Garibaldi-Bar anführen. Weißweine fangen bei 25 Euro pro Flasche an, die günstigsten Roten bei 30 Euro. Offene Weine sind ab 3,90 Euro (0,1l) im Angebot.

Vorspeisen kosten 12 bis 30 Euro, Pastagerichte 12 Euro, Fleisch- und Fischgänge 21 bis 24 Euro. Ein siebengängiges Degustationsmenü kommt auf 42 Euro. Mittags gibt es seit kurzem auch zwei günstige Menüs, für 12, 50 Euro Vorspeise und Pasta, für 19,50 Euro Pasta und Hauptgang. Wenn es warm ist, sitzt man auf dem kleinen Platz draußen wie auf einer Insel und kann außer dem Essen auch die charmante Jugendstilschönheit des Lehel genießen.

Porta Capuna, Thierschstraße 14, Telefon 63 89 30 41. www.porta-capuana.com. Geöffnet Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 und 18 bis 24 Uhr, Samstag 18 bis 24 Uhr. Sonntag Ruhetag.