Polizei Mann in Tarnanzug löst Großeinsatz in München aus

Auf dem Weg zu einem Kostümspiel steigen drei Männer in einen Linienbus. Dummerweise sind sie dabei als Kämpfer verkleidet - und gut ausgerüstet.

Von Philipp Crone

Abenteuer, das wollten die drei jungen Männer erleben am Samstagvormittag. Allerdings nicht so eines wie das, was ihnen dann widerfuhr, als die Polizei den Bus stürmte, in dem sie sich befanden.

Drei Münchner, ein 22-jähriger Schreiner und ein 21-jähriger und 22-jähriger Elektriker warteten am Samstagvormittag gegen 11.30 Uhr auf den Bus von Feldmoching nach Pasing, dort wollten sie in einem Jugendzentrum an einem Cosplay-Treffen teilnehmen. Cosplay ist eine Art Kostümspiel, bei dem man sich nach Comic- oder Filmfiguren verkleidet. Nur blöd, dass einer der drei weithin sichtbar eine Softair-Waffe als Teil seiner Verkleidung trug. Der Schreiner hatte zudem Tarnkleidung an, eine Munitionsweste umgeschnallt und am Bein ein Waffenholster, als er an der Lerchenauer Straße mit den beiden anderen auf den Bus wartete.

15 Streifenwagen und sämtliche Busfahrer alarmiert

Anwohner beobachteten den 22-Jährigen und alarmierten die Polizei, dass ein bewaffneter Mann in einen Linienbus gestiegen sei. Daraufhin machten sich insgesamt 15 Streifenwagen auf den Weg, um nach dem Mann zu suchen. Die Suche dauerte eine Stunde. Nachdem auch die Münchner Verkehrsbetriebe eine Durchsage an alle Busfahrer gemacht hatte, meldete ein Fahrer der Linie 173, dass eine Person bei ihm im Bus sitzt, auf die die Beschreibung passt.

Sechs Streifenwagen mit insgesamt 20 Beamten fuhren daraufhin in die Josef-Frankl-Straße in Feldmoching, hielten den Wagen dort an und stürmten in den Bus, in dem neben den drei jungen Männern nur wenige weitere Fahrgäste saßen.

"Die Männer waren sehr kooperativ", sagte am Sonntag Polizeisprecher Sven Müller. Sie bekamen sofort alle drei Handschellen angelegt, wurden aus dem Bus geführt und durchsucht. Dabei wurden in einem Koffer, den die Männer bei sich hatten, drei weitere Softair-Waffen gefunden. Diese Waffen funktionieren mit Druckluft und werden üblicherweise bei Rollenspielen im freien Gelände verwendet. Zudem hatten die drei Männer zwei Einhandmesser bei sich. Die Softair-Waffen und Messer wurden beschlagnahmt.

Da es verboten ist, die Messer mit sich zu führen, wurden die drei Männer wegen einer Ordnungswidrigkeit nach dem Waffengesetz angezeigt und ihre Personalien aufgenommen. Dabei gaben sie an, dass sie vorhatten, zu einem Cosplay-Treffen nach Pasing zu fahren. Anschließend wurden sie von der Polizei wieder entlassen.

Ob sie danach noch zum Cosplay-Treff fuhren, ist nicht bekannt. Wenn, dann allerdings nicht als Kämpfer-Comicfigur, sondern höchstens als mitgenommene und entwaffnete Gefangene.