Polizei Mann bricht am Münchner Hauptbahnhof zusammen - mit 6,52 Promille

Rund um den Hauptbahnhof herrscht Alkoholverbot - was den 61-jährigen Mann aber nicht vom Trinken abgehalten hat.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Schon mehr als drei Promille Alkohol im Blut können tödlich sein - wie überlebt man so einen Wert? Der 61-Jährige sagte den Polizisten, er habe nur "eine Mass" getrunken.

Eine Streife der Bundespolizei ist im Hauptbahnhof auf einen am Boden liegenden und offenbar völlg orientierungslosen Mann gestoßen. Der 61-Jährige war am Dienstagnachmittag zusammengebrochen - den Grund dafür konnten die Beamten schnell herausfinden. Der Mann hatte 6,52 Promille Alkohol.

Die Polizisten nahmen den Mann zunächst mit auf die Wache, an Weiterreisen war nicht zu denken. Er erzählte den Beamten noch, dass er lediglich "eine Mass" getrunken habe. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde der 61-Jährige zum Ausnüchtern in eine Klinik gebracht.

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Womit sich der Mann aus Zwickau so stark betrunken hat, ist nicht bekannt. Es war aber definitv mehr als eine Mass Bier - und er hatte definitiv Glück. Denn schon mehr als drei Promille Alkohol im Blut können tödlich sein.

6,52 Promille dürfte der Mann also nur überlebt haben, weil er öfter trinkt. Um scheinbar unversehrt und problemlos mit solch einer hohen Menge Alkohol im Blut durch den Tag zu kommen, muss man täglich literweise trinken, sagt etwa der Oberarzt des Kompetenzzentrums Sucht des Isar-Amper-Klinikums München-Ost Vitali Livak. Und das nicht nur vorübergehend, sondern kontinuierlich, über Jahre hinweg.

Livak weiß von Amts wegen Bescheid über den Konsum von Alkohol und wie er auf Menschen wirkt. Jemand, der bisweilen ein paar Gläschen Wein oder einige Halbe Bier trinkt, habe bei spätestens 2,5 Promille einen "schweren Rausch". Dieser sei begleitet von "Bewusstseinsstörungen" und "Desorientiertheit", so der Mediziner.

Während der leichte Rausch von denen, die ihn erleben, oft als positiv enthemmend beschrieben wird, endet der schwere Rausch für Menschen mit nicht-krankhaftem Trinkverhalten meist im Erbrechen. Nicht so bei starken Trinkern und Alkoholkranken. Bei diesen Menschen setze der schwere Rauschzustand erst "wesentlich später" ein, sagt Livak, erst bei 3,5 Promille und darüber. So könne es eben passieren, dass jemand keine rauschtypischen Symptome zeige, obwohl er mehr Alkohol getrunken hat, als andere überleben.

Bei den Polizisten hat der 61-Jährige jedenfalls für großes Erstaunen gesorgt. Mit älteren Geräten wäre die Messung des Wertes nicht einmal möglich gewesen - die endeten nämlich meist bei der Fünf-Promille-Grenze.

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