Polizei Falsche Handwerker betrügen Senioren mit Wasser-Trick

Kaum ein Tag vergeht, an dem die Täter nicht zuschlagen. Der Polizei bereitet ihre Masche massive Probleme.

Von Susi Wimmer

Sind es zwei Serientäter, die mal in Handwerkerklamotten, mal in zivil auftreten? Oder ist es eine gut organisierte Bande, die derzeit unterwegs ist und als vermeintliche Handwerker getarnt Senioren bestiehlt? Die Polizei hat derzeit ein massives Problem mit den sogenannten falschen Handwerkern, kaum ein Tag vergeht, ohne dass es neue Meldungen von weiteren Opfern gibt. Auffällig ist, dass die Täter jetzt offenbar hochbetagte Rentner ins Visier nehmen. Die jüngsten Opfer waren alle mehr als 90 Jahre alt.

Ob Neuperlach, Moosach, Schwabing, Fürstenried, oder jüngst Laim und Thalkirchen: Das Phänomen der falschen Handwerker zieht sich über das ganze Stadtgebiet. Sie gehen Einfamilienhäuser an, aber auch Wohnungen in großen Mietgebäuden. Meist klingelt ein Mann an der Haustüre und gibt sich als Wasserwerker aus. Er müsse den Wasserzähler prüfen, sagt er, oder aber wegen einer Rohrverstopfung den Wasserablauf testen. In einem Fall ging der vermeintliche Handwerker wortlos an seinem Opfer vorbei ins Bad und drehte einfach alle Wasserhähne auf.

Wie die Täter vorgehen

Ob die Täter die Senioren vorher auf der Straße ausspähen und ihnen bis nach Hause folgen, ob sie auf gut Glück an den Türen klingeln oder nach Opfern mit althergebrachten Namen suchen, das weiß auch die Polizei noch nicht. Die letzte Frau, die auf den falschen Handwerker hereinfiel, war eine 90 Jahre alte Münchnerin. Die sah am Samstag aus dem Fenster ihrer Wohnung an der Urbanstraße, als ein fremder Mann vorbeiging und sie grüßte. Kurz darauf stand er vor ihrer Haustüre und klingelte.

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Als sie öffnete, marschierte er schnurstracks ins Bad und behauptete, die alten Leitungen wären verstopft. Er drehte die Brause auf und ließ die 90-Jährige den Duschkopf halten. Dann ging er. Nach einiger Zeit bekam die Frau Angst und rief ihre Enkelin an, die im Nachbarhaus wohnt. Sie kam und die beiden Frauen stellten fest, dass der Fremde die Wohnung durchwühlt hatte. Entwendet hatte er offenbar nichts.

Auch im Fall einer 91 Jahre alten Frau, die am Freitag an der Sandrartstraße von einem Betrüger heimgesucht wurde, ging der Täter leer aus. Der Mann hatte sich im Bad so vor die Rentnerin gestellt, dass ihr die Sicht auf die Eingangstüre versperrt war. In den meisten Fällen agieren die Täter so, dass einer die Senioren im Bad ablenkt, und währenddessen ein zweiter in die Wohnung schleicht und nach Geld oder Schmuck sucht.