Der Innenminister unterstrich auch noch einmal seine Forderung nach härterer Bestrafung volljähriger Straftäter: "Warum soll ein 18-jähriger, der einen Mord begeht, anders beurteilt werden als ein 23-jähriger Mörder? In allen anderen Lebensbereichen gilt für den 23-Jährigen das gleiche Recht wie für den 18-Jährigen. Wir fordern, dass eine Bestrafung nach dem Erwachsenenstrafrecht für 18-Jährige die Regel statt die Ausnahme wird."

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Auch Justizministerin Beate Merk wollte die Vorwürfe von Seiten der Grünen nicht auf sich sitzen lassen - sie zog es allerdings vor, einen versöhnlicheren Ton anzuschlagen: "Ein Leben ist mit rohen, grausamen Tritten ausgelöscht worden. Angesichts dieses furchtbaren Verbrechens sollten wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir darauf als Gesellschaft reagieren. Zumindest das sind wir dem Opfer und seinen Angehörigen schuldig", schrieb sie in einer Stellungnahme an sueddeutsche.de.

Ihre Parteikollegen legen nach Montags Äußerungen jedoch ganz offensichtlich keinen gesteigerten Wert mehr auf gemeinsames Nachdenken mit dem Grünen: CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte: "Das ist ein übles Foulspiel von Herrn Montag, das sich unter Demokraten verbieten sollte." Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk, nannte die Anwürfe des Grünen-Abgeordneten "eine mit Herrn Montags Übereifer im Wahlkampf nicht mehr zu entschuldigende Entgleisung".

Trotz aller Querelen

Jerzy Montag widerum antwortete auf Koschyks Kommentar mit einem offenen Brief - und legte noch einmal drauf: "Eine solche Tat macht für eine Weile ratlos und still, mir jedenfalls ging es so. Nicht so aber Politikerinnen und Politiker der CSU, namentlich der Innenminister Herrmann und die Justizministerin Merk. Das Blut war noch nicht verwischt am Tatort, so gut wie nichts war bekannt über den Verlauf der Auseinandersetzung und die Motive der Täter. Da ertönten von Seiten der CSU die Forderungen nach einer Videoüberwachung auf allen Bahnhöfen der Münchner U- und S-Bahn."

Merk und Herrmann hätten schreckliche und brutale Angriffe gegen die Gesundheit und das Leben von Menschen für die eigene politische Propaganda ausgenutzt. Und dann, am Ende des zweiseitigen Schreibens, ändert der Grüne den Tonfall abrupt: Er bietet Koschyk an, sich gemeinsam mit ihm für Jugendarbeit und eine bessere Ausstattung der Justiz einzusetzen und schließt: "Vielleicht fällt es Ihnen leichter, dieses Angebot zu bedenken, wenn ich es mit der Versicherung verbinde, dass ich weder Sie noch andere Funktionsträger der CSU persönlich herabsetzen oder beleidigen wollte."

Wenn Koschyk seine auf die Politik der CSU gemünzte Kritik in diesem Sinne missverstanden habe, bedauere Montag dies.

Trotz aller Querelen: Was Politiker quer durch alle Fraktionen teilen, ist die Hochachtung vor dem Mut des Opfers. Ministerpräsident Horst Seehofer teilte am Mittwoch mit, dass Dominik Brunner posthum der Bayerische Verdienstorden verliehen wird. "Wir trauern um ihn und werden sein Andenken auch öffentlich bewahren", sagte CSU-Chef Seehofer. "Das gesamte bayerische Kabinett verneigt sich mit Respekt und in Hochachtung vor dem Opfer von Solln." Sein Verhalten sei Vorbild für eine menschliche Gesellschaft, sein Tod Mahnung gegen Gleichgültigkeit, Brutalität und Gewalt.

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(sueddeutsche.de/sonn)