Was also spricht dagegen, einmal die üblichen Denkverbote beiseite zu schieben? Der Naturschutz jedenfalls ist nach Ansicht von Isar-Experten kein Problem: Der Fluss ist in der Stadt lediglich ein Landschaftsschutzgebiet, nicht mehr. Dem Bau neuer Gebäude stünde das nicht prinzipiell im Wege, meinen sie und verweisen darauf, dass Stadtbaurätin Elisabeth Merk gerade in einer Arbeitsgruppe ohnehin überlegen lasse, wie man den Raum an der innerstädtischen Isar weiterentwickeln könne.

Anzeige

Warum also nicht einen Konzertsaal dort bauen? Dieterle ist bewusst, dass er noch viel Überzeugungsarbeit leisten muss. Es sei natürlich, "dass es immer Einwände und Problem geben wird - egal bei welchem Standort." Er jedenfalls ist davon überzeugt, dass zu den Einsprüchen, die zu seiner Idee vorgebracht werden, auch sehr viel gute Gegenargumente gibt:

Dass der Bau zu groß und wuchtig sei? Keineswegs, sagt der Architekt und verweist auf die Querschnittspläne, wonach die Isarphilharmonie nicht einmal die Höhe der Bäume an der Muffathalle oder der Wohnhäuser am westlichen Isarufer erreichen würde.

Dass der Bau zu teuer sei? Das Gegenteil sei richtig, sagt Dieterle und verweist darauf, dass - anders als den meisten andere Standorten - viele Räumlichkeiten gar nicht gebaut werden müssten, weil es sie im Gasteig gibt. Er selber mag keine exakten Zahlen nennen. Aber mit 70 oder 80 Millionen Euro käme man vermutlich schon recht weit - mit einem ähnlich großen Betrag also, wie die von Ude favorisierte Sanierung des Gasteig kosten würde; an anderen Standorte würde ein neuer Saal schnell das Doppelte erfordern.

Dass München an dieser Stelle keine zusätzliche Bebauung verträgt? Das lasse sich historisch nicht belegen, sagt Dieterle, und zieht alte Fotos hervor, die zeigen: Vor acht Jahrzehnten war die Halbinsel, auf der heute der Vater-Rhein-Brunnen steht, komplett bebaut.

Und dass die Zufahrt und Anlieferung zur Isarphilharmonie schwierig sei? Auch das mag Dieterle nicht gelten lassen. Es gebe bereits asphaltierte Wege auf der Halbinsel mit dem Vater-Rhein-Brunnen. Ein Zuweg zum Saal werde sich da durchaus abzwacken lassen.

Auch der Bauplatz mitten im Fluss, sagt Dieterle, sei statisch gesehen kein Problem. Der Sockel, der "Footprint", wie er es nennt, würde eine Fläche von etwas zwanzig mal zwanzig Metern beanspruchen, der Eingriff in den Fluss selber wäre gering.

Dieterle jedenfalls glaubt, dass die Isarphilharmonie nicht nur die Konzertbesucher faszinieren würde, sondern auch mögliche Sponsoren: "Die Menschen wollen abgeholt werden. Sie wollen, dass es spannend ist - das gilt auch für die Investoren", meint er. Und spannend müsse so ein Bauprojekt auch sein, um mit dem neuen Konzertsaal weit über Bayern und Deutschland hinaus Wirkung zu erzielen: "Wenn man die Welt-Aufmerksamkeit erlangen will", sagt Dieterle, "muss man etwas schaffen, was sehr, sehr attraktiv ist."

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Ein Konzertsaal in der Isar
  2. Sie lesen jetzt Für die Welt-Aufmerksamkeit
Leser empfehlen 

(SZ vom 29.06.2011/benK)