Von Von Birgit Lutz-Temsch

Von Freitag an kann im Olympiapark Ski gefahren werden. Wir haben schon mal vorgewedelt. Ergebnis: Der Biss ins Weiß ist auf der Ski-Rampe im Olympiapark genauso kalt und nass wie mitten in den Alpen.

Schwer und pappig fühlt sich der Schnee an. Das geliehene Snowboard will sich nicht so recht drehen in dem sulzigen Untergrund. Recht ungelenk eiert man so den knapp zur Hälfte beschneiten Abhang hinunter. Skurril ist zudem der Blick: Statt auf schneebedeckte Hänge und Baumwipfel schauen die wackeren Abfahrer auf der einen Seite auf den Olympiasee und auf der anderen auf Wohnblöcke.

Anzeige

Die ersten Schwünge sind eine eher mühsame Sache. Ganz aufgewühlt ist die Piste noch von den Baggern, die den Schnee auf der Holzrampe verteilen. Und bis sich ein kleines bisschen Gefühl für den Schnee und die Ausrüstung eingestellt hat, ist die Abfahrt auch schon vorbei - ziemlich jämmerlich bleibt man stecken in dem ersten Stückchen, wo es etwas flacher wird, und plumpst ins Nasse. Wenn die Unterlage so klebrig bleibt, sind die angekündigten Schutzwälle vor dem See reiner Schnickschnack - so weit kommt in dem Pappschnee sowieso kaum einer.

Aber es soll besser werden, sagen die Organisatoren - wenn es kälter wird. Am kommenden Freitag öffnet die Salomon-Winterwelt, bis Februar sollen die Wintersportler auf der 110 Meter langen Piste am Coubertinplatz Ski fahren können. Bis zu einer Temperatur von 15 Grad plus ist die Schneeproduktion mittels großer Zylinder möglich, an denen sich Eiskristalle bilden. Wie die Schnee-Konsistenz bei 15 Grad sein wird, mag man sich nach dem ersten sulzigen Hinabrutschen bei weitaus geringeren Temperaturen allerdings gar nicht mehr vorstellen.

Zum eigens produzierten Schnee kommt noch der Abrieb aus der Olympia-Eishalle - eine kosten- und energiesparende Verwertung der Eiskristalle, wie Wilfrid Spronk, Geschäftsführer der Olympiapark GmbH, sagt. Der Aufbau der künstlichen Piste sei reibungslos verlaufen, auch mit der Schneeproduktion sei man im Plan. "Wir wünschen uns, dass viele Münchner, und vor allem Kinder, den Wintersport ganz neu für sich entdecken", erklärt Spronk.

Neben der Rampe steht bereits die Salomon-Station, in der Ausrüstung verliehen wird, ein Stück weiter die Skihütte der Gastronomie Haberl, die ein echtes Après-Ski-Feeling vermitteln soll. Eine Schirmbar wird noch aufgebaut.

Jeden Freitag sollen Veranstaltungen rund um die Piste zusätzlich Besucher in den Park führen: zum Beispiel die Ausscheidung zur 5. Blondinen-WM am 28.November, ein Nikolaustag am 5. Dezember oder ein Cross-Golf-Turnier am 12.Dezember. Einige Kindergärten hätten sich bereits für einen Ausflug in die Skiwelt angemeldet, auch mehrere Unternehmen hätten Interesse an Veranstaltungen für ihre Mitarbeiter oder Kunden, so die Organisatoren.

Die Pisten-Pläne stoßen jedoch nicht nur auf positives Echo: Die Münchner Stadträtin Mechthild von Walter (ÖDP) hat Ende Oktober im Stadtrat den Antrag gestellt, die Piste im Park künftig zu verbieten, da sie "weder ökonomisch noch ökologisch zu verantworten" sei. Zu groß sei der Energieaufwand, eine künstliche Skiwelt nicht das richtige Signal in Zeiten des Klimawandels.

Spronk reagiert gelassen auf diesen Antrag. Die ÖDP-Stadträtin stütze sich auf falsche Zahlen. "Wenn man die Piste hier verbieten will, müsste man auch sämtliche Eislaufflächen Münchens verbieten - und darüber denkt doch niemand ernsthaft nach", sagt Spronk. Die Aufgabe der Olympiapark GmbH sei es, den Park nach der Entscheidung, das Olympiastadion nicht umzubauen, weiter als Erholungs- und Erlebnisgebiet zu erhalten. Mit der Skipiste komme man lediglich dieser Aufgabe auf ungewöhnliche Weise nach.

Geöffnet hat die Winterwelt von Montag bis Freitag von 13 bis 22 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 10 Uhr an. Das Tagesticket für Kinder kostet vier, für Erwachsene zwölf Euro.

Leser empfehlen