Petar Radenković wird 80 Bin i König

Petar Radenkovic in seiner Paraderolle beim TSV 1860 München.

(Foto: Archiv TSV München von 1860)

Er ist der ewige - und einzige - Popstar des Vereins: Petar Radenković, Meister-Torwart von 1860 München, wird 80. Zum Kultstar schaffte er es durch seine Paraden - und durch Auftritte abseits des Fußballplatzes.

Von Rudolf Neumaier

Für Menschen, die in den Siebzigern oder später geboren wurden, ist Petar Radenković eine Erscheinung. Mehr Legende als Realität. Eine Kultfigur aus einer komplett anderen, aus heutiger Sicht bizarren, unwirklichen Fußball-Welt, in der das Tragen von Torwarthandschuhen als tuntig galt. In dieser Welt stieß der TSV 1860 München in ein europäisches Pokalfinale vor und wurde Deutscher Meister. Nur wer das selbst erlebt hat, kann's glauben. Petar Radenković war ein Star. Ein Popstar sogar, der einzige, den die Löwen jemals hatten. Klar, dass alle Sechziger, jung und alt, feuchte Augen bekommen, wenn er herbeischwebt. Der Radi. Torwart der Meistermannschaft von 1966.

An diesem Mittwoch wird Radenković 80 Jahre alt. Den Radi kennen aus eigenem Erleben nicht nur die Opas und Onkel, die sich für Fußball interessierten. Auch Omas und Tanten entfährt bei seinem Anblick ein "Ah - er!", der Ausruf respektvollen Wiedererkennens. Das liegt daran, dass sich Petar Radenković neben seinem Torhüter-Beruf erfolgreich als Schlagersänger betätigte.

Selbst die Tante wippt mit

Stellt man seiner Tante einen Laptop vor die Nase und gibt auf Youtube Radenković ein, kommt weit oben ein Video, in dem Radi von Wim Thoelke im "Sportstudio" empfangen wird, flankiert von einer Blaskapelle. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Tante kopfwippend mitsummt, ist nicht gering. "Bin i Radi, bin i König, alles and're stört mi wenig, was die and'ren Leute sagen, ist mir gleich. Bin i Radi, jajaja, bin i König, jajaja, und das Spielfeld ist mein Königreich."

Der Kultstar der Sechziger: Petar 'Radi' Radenkovic feiert seinen 80. Geburtstag.

(Foto: Lukas Barth/dpa)

Mit dieser Nummer lag Radenković wochenlang auf Platz eins der Hitparade - vor den Beatles. Mit Roy Black ging er während der Fußball-Sommerpause auf Tournee. Radenković erzählte später mal, mit dem Song habe er mehr verdient als in seiner Eigenschaft als Profi-Fußballer. Er konnte sich schnell einen Mercedes leisten. Mit Autotelefon.

Sein damals ebenfalls erfolgreicher Schlager "Bisschen Glück in Liebe", dessen Text schön den operettenhaften Akzent des in Belgrad gebürtigen Jugoslawen zur Geltung brachte, ist heute vergessen. Aber "Bin i Radi" wird immer noch gespielt. Bei den Löwen jedenfalls. Und noch heute werden Torhüter mit ihm verglichen, wenn sie ihren Job einigermaßen passabel erledigen. Ein gewisser Franz Beckenbauer sagte einmal, Radenković zähle "bestimmt zu den besten Torhütern aller Zeiten".

Er wurde bestaunt für seine Rolle

Weltberühmt wurde Petar Radenković für seine unkonventionelle Interpretation der Torhüterrolle. Oft verließ er seinen Strafraum mit dem Ball am Fuß, manchmal drang er sogar in die gegnerische Spielfeldhälfte vor. Heute wirken diese Bilder wie Komik-Einlagen. Aber er meinte das ernst. Und er wurde bestaunt dafür.

Kultfigur - das sagt sich immer so leicht. Um es zu werden, muss man etwas Besonderes sein. Und Charme braucht es, vor allem.