Perlach Tauschgarten mit Saatgutbox

Am Lorenz-Hagen-Weg eröffnet der Verein Ergon einen Ort der Umweltbildung

Von Hubert Grundner, Perlach

Es soll ein Ort der Teilhabe sein, ein Garten, der gemeinsam gestaltet wird und sich ständig verändert, ein Ort, an dem eine kooperative Stadtgesellschaft gedeihen kann. Ein Ort der Umweltbildung, des gemeinsamen Lernens, des Tauschens und des Teilens. Ebenso ein Ort der Naturerfahrung und des Saatguterhalts. Vor allem aber, so die Vorstellung der Initiatoren, soll es ein Ort sein, an dem eine auf Nachhaltigkeit gegründete Gesellschaft entstehen kann. Die Rede ist von dem "Tauschgarten mit Saatgutbox", den "Ergon", der "Verein für zukunftsfähiges Tun", in Perlach einrichten will. Laut Ankündigung ist es "ein kulturelles Experiment im öffentlichen Raum", das der Bevölkerung die Möglichkeit biete, aktiv an der Gestaltung und Entwicklung des Tauschgartens mitzuwirken. Dabei dürfen Pflanzen oder Setzlinge gebracht und gegen andere getauscht werden.

In diesen Tagen wird ein solcher Tauschgarten in Perlach hinter der Kirche St. Michael am Lorenz-Hagen-Weg aufgebaut. "Sollte der Tauschgarten wie erhofft funktionieren, fungiert er als Plattform für den sozialen Austausch und kann Generationen verbinden", versprechen die Organisatoren. In den Tauschgarten integriert ist zudem eine sogenannte Saatgutbox. Darin soll selbst geerntetes und samenfestes Saatgut zur Verfügung gestellt werden. "Jeder darf Saatguttüten hineinlegen, herausnehmen oder beides", heißt es dazu von Seiten des Vereins. Mit der Saatgutbox solle ein Bewusstsein geschaffen werden für die hohe Bedeutung eines frei zugänglichen und samenfesten Saatguts sowie des Saatguterhalts. Insbesondere altes und seltenes Saatgut solle auf diese Weise wieder in Umlauf gebracht werden. Samenfestes Saatgut zeichne sich dadurch aus, dass es sich im Gegensatz zu sogenannten Hybridsamen nachbauen lasse. Hybridsamen aber zwingen Landwirte jedes Jahr aufs Neue, Saatgut zu kaufen, da ein Nachbau nicht möglich ist. "Auch die Sortenvielfalt geht damit verloren", warnen die Ergon-Mitglieder.

Ihnen zufolge entspringt die Idee des Tauschgartens mit Saatgutbox der Stadtgarten-Bewegung. Mit den urbanen Gärten werde ein Experimentierraum für ein gutes Leben ohne Konsumzwang in der Stadt geschaffen. Der Tauschgarten wolle damit auch zum Entdecken der Gärtner-Möglichkeiten auf kleinem Raum, wie zum Beispiel auf einem Stadtbalkon, beitragen. Urbane Gärten sind für die Grün-Aktivisten ein Ort der kulturellen, sozialen und generationenübergreifenden Vielfalt und Begegnung. Zudem werde, wie sie versprechen, ein Ort für Umweltbildung geschaffen, der für hochwertige Lebensmittel sensibilisiert und einen Beitrag für mehr Lebensqualität und Umweltgerechtigkeit leistet.

Der Tauschgarten am Lorenz-Hagen-Weg in Perlach, hinter der Kirche St. Michael, wird am kommenden Samstag, 22. April, mit einer Auftaktveranstaltung eröffnet; Beginn ist um 15 Uhr. Dabei wollen die Verantwortlichen auch das Konzept des Projekts erläutern. Zugleich unterstützen dessen Sponsoren die Eröffnung mit einer Brotzeit- sowie einer Getränkespende für die Besucher.