Pasing Bilder aus Tönen und Farben

Der Maler Martin Blumöhr und Percussionist Christian Felix Benning werden mit Förderpreisen des Vereins "Pasinger Mariensäule"ausgezeichnet. Kulturpreisträger ist in diesem Jahr das Laienkammerorchester "Die Zarge"

Von Jutta Czeguhn, Pasing

Da werden sich zwei einiges zu erzählen haben. Der eine, Martin Blumöhr, hat im alten Eisenbahntunnel am Hermann-Hesse-Weg monatelang Farben gemischt. Er hörte das Wasser des Würmkanals gluckern, sah Enten vorbeischwimmen. Den Passanten entlockte Blumöhr auf seine zugewandte Art Geschichten und fügte sie dann Meter um Meter in sein riesiges Pasing-Panorama an der rauen Betonwand ein. Eine herrliche und zuweilen höllisch zugige Lüftlkulisse war das für den jungen Pasinger Maler.

Dem anderen, Christian Felix Benning, diente die 90 Meter lange Röhre als Konzertsaal, denn die Akustik ist dort ziemlich sensationell. Am 16. September trommelte der Percussionist, Jahrgang 1995, auf einer Bühne mitten im Kanal, Blumöhrs Mauerkunstwerk quasi im Blick. Am Samstag, 10. Dezember, werden beide Künstler im Pasinger Rathaussaal mit Förderpreisen ausgezeichnet, die der Verein "Pasinger Mariensäule" vergibt. Kulturpreisträger ist in diesem Jahr das Laienkammerorchester "Die Zarge".

Seit dem Jahre 1978 vergibt der Verein im Zweijahresturnus Kunst- und Kulturpreise. Die Förderpreise werden von der Stiftung "Bayerische Einigung" finanziert, dotiert sind diese Auszeichnungen mit jeweils 1500 Euro. Zudem dürfen die Preisträger nach der Verleihung im Rathaussaal auch Medaillen mit nach Hause nehmen. 2014 war die Musikkabarettgruppe "Couplet-AG" Gewinner des Kulturpreises. Vorgeschlagen und von einer Jury bewertet werden in der Regel Künstler, die entweder aus dem Münchner Westen stammen oder dort zum Kulturleben beitragen.

Das Laienorchester "Die Zarge", benannt nach dem schwungvoll geformten Seitenteil eines Streichinstruments, kann mit gewisser Berechtigung als ein Pasinger Klanggewächs gelten. Immerhin gehört Christian Marek, der viele Jahre die Pasinger Oselschule leitete, als Bratscher zu den Gründungsmitgliedern des Orchesters und ist heute Vorsitzender des dazugehörigen Vereins. 1975, damals war der mittlerweile pensionierte Schulleiter noch Lehramtsstudent an der Pädagogischen Hochschule, formierte sich das Kammerorchester. Heute kümmert sich Marek um alle organisatorischen Belange der Zarge, deren Mitglieder die Freude am Musizieren verbindet. Und das in Bernhard Tluck, einem emeritierten Professor der Hochschule für Musik Nürnberg/Augsburg, einen musikalischen Leiter hat, der mit Feinsinn an der hohen künstlerischen Qualität dieses Amateur-Orchesters arbeitet. Auf diese Weise erspielte sich die Zarge zahlreiche Auszeichnungen wie etwa den Ersten Preis im Laienorchesterwettbewerb des Bayerischen Musikrates. Und längst füllt das Ensemble auch prominente Münchner Spielstätten wie den Carl-Orff-Saal im Gasteig, wo es an Silvester, 17 Uhr, mit dem Pianisten Aurelius Braun als Solisten konzertiert.

Den Weg eines Profimusikers eingeschlagen hat Schlagzeuger Christian Felix Benning; den Entschluss dazu fasste er schon im Alter von sieben Jahren. Mittlerweile ist er Student an der Hochschule für Musik und Theater in München und arbeitet als Solist oder mit Orchestern. Wie etwa der in Pasing ansässigen Bayerischen Philharmonie an diesem Dienstag, 6. Dezember, und Mittwoch, 7. Dezember, jeweils von 20 Uhr an in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz, in der Bachs Weihnachtsoratorium zur Aufführung kommt.

Den Entschluss, von der Kunst zu leben, verfolgt Benning ebenso konsequent wie sein Ko-Preisträger Martin Blumöhr. Für den war das 2014 fertiggestellte Pasing-Panorama - noch immer zu bewundern unter www.tunnelblick.martin-blumoehr.de - eine Art Türöffner für weitere Aufträge. Mittlerweile sind seine raumgreifenden Wandarbeiten auch in anderen Teilen der Stadt zu sehen. Martin Blumöhrs aktuelles Projekt, die Wandgestaltung des Tunnels an der Dom-Pedro-Straße, ist wieder sehr viertelbezogen. Sein Ziel ist es, "Erlebnisse, Gedanken, Erinnerungen und Wünsche zum Stadtteil ineinander zu verweben".

Wie sehr ihm diese künstlerische Gedächtnisarbeit im Pasinger Tunnel gelungen ist, zeigt sich an einem winzigen Ausschnitt in diesem überbordenden Wimmelbild: Zu erkennen ist die Pasinger Mariensäule, das Jesuskind trägt ein Köfferchen, und auch die Madonna hat ihr Wandererbündel zum Aufbruch in die Restauratoren-Werkstatt geschnürt. Fast hätte man diese Pasinger Episode schon wieder vergessen, denn heute, im Jahr 2016, sitzen Mutter und Sohn längst wieder mit neuer Blattgold-Haut auf ihrer Säule.

Die Verleihung der Kunst- und Kulturpreise 2016 findet am Samstag, 10. Dezember, von 10.30 Uhr an im Saal des Pasinger Rathauses statt.