Partyzone Flußufer Die Isar - ein Scherbenhaufen

In lauen Sommernächten zieht das Partyvolk an das Münchner Isarufer. Zurück bleiben Scherben, Pizzakartons, Einweggrills und der Geruch von ranzigen Kneipen. Wie aus einem der schönsten Plätze der Stadt innerhalb weniger Stunden der hässlichste wird.

Von Philipp Crone

Er trifft nicht. Der junge Mann im schwarzen T-Shirt sitzt am Ufer der Isar, halb im Wasser steht ein Bierkasten mit leeren Flaschen. Die versucht der Mann mit Steinen zu treffen. Nach fünf vergeblichen Würfen will er aufstehen, aber das klappt nicht, zu viel Bier; er bleibt im weißen Kies sitzen und wirft weiter.

Wenn die Nächte in München lau sind, wird das Isarufer zur Partyzone.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Szenerie am Freitagabend gegen 21 Uhr auf dem Strand zwischen der Thalkirchner Brücke und dem Flauchersteg ist so bizarr, dass selbst der Kioskbetreiber, der seit 28 Jahren hier arbeitet, am nächsten Morgen sagen wird, dass er das noch nicht erlebt hat.

Und er habe schon viel erlebt. Etwa 1000 junge Leute haben sich im Laufe des Tages in den kleinen Buchten und auf den Inseln in der Isar verteilt. Sie trinken, grillen und grölen.

Passanten beugen sich über das Geländer des Flaucherstegs und sehen hinunter. Das wirkt so, als gehöre dieses Gebiet noch zum Zoo. Von oben, gut geschützt, kann der Besucher da eine besondere Spezies erleben, den betrunkenen Jungmünchner, der dieses Stück Natur zu seiner Feierzone erklärt hat.

Und dessen Hinterlassenschaften acht Mitarbeiter der Straßenreinigung am nächsten Morgen von sechs Uhr an mit Langzangen beseitigen. Große Scherben, Pizzakartons, Socken, Grillroste; nur Kartoffelsalat und kleine Scherben erwischen sie nicht, die rutschen zwischen die Steine.

Warum hinterlassen die Leute diesen Ort so, dass einer der schönsten Plätze der Stadt am nächsten Morgen der hässlichste ist? Ein Platz in der Natur, der nach ranziger Kneipe riecht.

An der Reichenbachbrücke liegen am Freitagabend ein paar Flaschen im Gras, aber hier geht es vergleichsweise zivilisiert zu. Alexander, 66, sammelt Leergut. Die Flaschensammler und das Feierabend-Publikum leben hier in einer Art Symbiose. Man gibt den Männern mit den klirrenden Plastiktüten sein Leergut mit.

Wir sind Mallorca!

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