"Ziemlich stressig": Magdalena (17) und Dominik (20) feiern gerne in der Großstadt - dort leben möchten sie nicht.
Sie leben wirklich gern auf dem Land, Dominik Drobisch aus dem 600-Seelen-Dorf Eberfing bei Weilheim und die Feldafingerin Magdalena Lorenz. Sie lieben die Nähe zu den Bergen, zum Starnberger See. Aber weil Natur allein Jugendliche nicht glücklich macht und am Ort partymäßig so überhaupt nichts los ist, fahren der 20-jährige Zivi und die 17 Jahre alte Schülerin zum Feiern und Tanzen nach München.
Am See baden, in den Bergen die Natur genießen - das allein reicht den meisten Jugendlichen nicht aus. Zum feiern geht es in die Stadt. (© Foto: dpa)
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Was "Partypendler" allerdings unbedingt brauchen: Entweder Kumpels mit einem Auto oder eine gute Freundin in der Großstadt zum Übernachten oder Stehvermögen - um der ersten S-Bahn frühmorgens entgegen zu feiern.
"Ob was geboten ist bei uns für Jugendliche?" Auf die Frage hin muss Dominik Drobisch lachen. Am Dorf, in das er als 15-Jähriger mit seinen Eltern gezogen ist, gibt es eine Blaskapelle und Trachtler. Das war's. Im acht Kilometer entfernten Weilheim, das man gerade noch so mit dem Fahrrad anpeilen kann, erschöpfen sich die Vergnügungen in ein paar Kneipen beim Kickern oder Billardspielen.
"Mit 18 hat eigentlich jeder ein Auto, sonst bist du hier aufgeschmissen, und dann geht's ab nach München." Dominik und seine Freunde knobeln aus, wer fährt. Chauffeur sein ist begehrt. Denn der Fahrer bekommt nicht nur Benzingeld, sondern wird von den anderen den ganzen Abend in den Lokalen ausgehalten.
"Natürlich nur mit Nicht-Alkoholischem", beteuert Dominik. Unter der Woche fährt die Clique oft gleich nach der Arbeit los. Klassische Tour: Erst ins "Sausalitos", eine Bar in der Türkenstraße, dann zum Abtanzen in den Club "8-Seasons" an der Maximilianstraße oder ins "maxSuite" am Maximiliansplatz.
Die Freunde bevorzugen "gehobenere Schuppen, wo die Leute nicht so betrunken und aggressiv sind", sagt der Zivi, der seit zwei Monaten für den Starnberger Kreisjugendring arbeitet. Gefeiert wird etwa bis zwei Uhr, drei wird es aber, bis der letzte dann zu Hause abgeliefert ist.
"Die Eltern sehen es locker"
Am Wochenende darf es auch länger sein: "Die Eltern sehen es locker." Wer jemanden in der Stadt kennt, übernachtet dort.
"Dann den Samstag im Café verbringen, Geschäfte durchstöbern und abends wieder losziehen" - ja, Dominik genießt die Abstecher in die Stadt, findet das Großstadtleben aber auch "ziemlich stressig".
Wieder daheim atmet er durch beim Blick vom Balkon auf die Alpen und besucht gern mal einen Kumpel um die Ecke, der sich im Keller eine Bar eingebaut hat. Auch Spieleabende sind angesagt, Watten, Schafkopf, sogar das gute alte Mensch-ärgere-dich-nicht, momentan aber besonders Pokern.
Um Geld. Bis zu 20 Euro Einsatz pro Spiel, was Dominik aber "zu heftig" findet. Er ist sparsamer eingestellt. Für einen ganzen Ausgeh-Abend in München gibt er nicht mehr als 20 Euro aus.
Damit käme Magdalena Lorenz nicht hin. 40 bis 50 Euro sind schnell weg, wenn die Gymnasiastin mit Freundinnen durchs Münchner Nachtleben zieht. "Allein meine Streifenkarte für die S-Bahn kostet schon 10,50 Euro'', sagt die Schülerin aus Feldafing. Damit sie sich Eintritt und Getränke in Münchner Clubs leisten kann, füttert sie Tiere im Max-Planck-Institut in Seewiesen und jobbt als Zeitungsausträgerin.
300 Euro bekommt sie so im Monat zusammen, zusätzlich zu ihren 40 Euro Taschengeld, die für den Münchner Partyspaß nicht reichen würden.
Wenig anfangen kann Magdalena mit dem mageren nächtlichen S-Bahn-Service: "In den meisten Clubs geht es doch erst um 23 Uhr los - und um 0.30 Uhr fährt unter der Woche die letzte S-Bahn." Am Wochenende gibt es immerhin noch einen Spätzug um 2.30 Uhr.
Deshalb ist sie froh, dass sie am Wochenende manchmal bei einer Freundin am Kolumbusplatz übernachten kann. Die Mädchen hübschen sich dort auf, trinken zum Auftakt vor dem Spiegel einen Wodka-O(range) oder Malibu-Kirsch, weil die Cocktails in den Clubs "total teuer sind", und ziehen gegen 21 Uhr zur "Kultfabrik" am Ostbahnhof.
Die Nacht um die Ohren schlagen
Freitags ist das "Backstage" an der Donnersbergerbrücke beliebt bei Magdalena und ihren Freundinnen. Wer keine Bleibe mit Gästebett und Schlafsack hat, schlägt sich die Nacht um die Ohren bis zur ersten S-Bahn um halb sechs, notfalls dösend auf einer Bank am Bahnhof.
Klar, dass es den Mädchen aus dem Umland auch um Jungs geht: "In der Stadt lernt man eher welche kennen, die Auswahl ist einfach größer", findet Magdalena. Blöd sei nur, dass die meisten schon ziemlich betrunken seien, bis sie sich trauten, ein Mädchen anzusprechen.
Reizt es sie, nach dem Abi in die Stadt zu ziehen? Magdalena winkt ab. "Nur wenn ich zum Arbeiten oder Studieren hin muss." Die Lebensqualität sei auf dem Land einfach besser. Sie brauche den Garten, ihre Tiere, schöne Spaziergänge vor der Haustür. "Und in einer Sommernacht zuerst in Starnberg in eine Bar, dann an den See - das hat doch auch was."
(SZ vom 7.10.2006)
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