Von Von Dominik Hutter

Von Grafing nach München und anschließend von Club zu Club - Am Freitag startet der Party-Bus: eine Bar auf vier Rädern mit DJ, Türsteher und einem Freigetränk inklusive.

Einfach nervig, das Nachtleben aus Peripherie-Perspektive: Letzte oder erste S-Bahn? Genug Geld fürs Überland-Taxi? Oder noch ein weiterer Club zwischendurch? Wie dorthin kommen? Und in allen Fällen eine ewige und entsprechend öde Heimfahrt durch die nächtlichen Vororte.

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Unterwegs weiterfeiern, das wäre es. Die Fahrtzeit an der Bar verbringen. Musik. Es war eine typische Spätabend-Idee, die Stephanie Deutschmann und Andreas Leutschacher da im Mai hatten.

Nur dass sie plötzlich konkret wurde. "Eine Woche später hatten wir den Bus", berichtet Leutschacher. Ein alter Gelenkbus vom Flughafen Riem, 18 Meter lang und über Annonce gekauft.

Am kommenden Freitag geht das umgebaute Party-Gefährt erstmals auf Tour. Ganz offiziell im Liniendienst von Grafing/Ebersberg nach München - und dort dann, ausgerüstet mit Bar und DJ, von Club zu Club. Bis es um fünf Uhr früh zurückgeht in die Peripherie.

Halt an mehr als 30 Clubs

Parkcafé, Keller, Harry Klein, Nachtwerk, Funky Kitchen - mehr als 30 Münchner Clubs liegen entlang der Tour von Fahrer Willi, der künftig mittwochs bis einschließlich samstags sowie vor Feiertagen seine Runden durch die nächtliche Stadt dreht.

Start ist jeweils um 21.45 Uhr am Grafinger Marktplatz, dann geht es über Ebersberg und die Bundesstraße 304 nach München hinein. Weitere Stopps in Trudering, um 22.38 Uhr Ankunft an der Kultfabrik und anschließend unermüdlich und stundenlang von Club zu Club.

Der Fahrpreis beträgt 15 Euro - ein Freigetränk an der Bus-Bar sowie der Eintritt in zwei beliebige Clubs inklusive. Nach Mitternacht wird es günstiger, dann gibt es auch Einzeltickets für Kurztrips innerhalb der Stadt.

Türsteher, Barkeeper und DJ sind mit an Bord

Mit an Bord: ein Türsteher, zwei Barkeeper und der DJ. Um 5.08 Uhr, streng nach Fahrplan (Mittwoch und Donnerstag schon um 2.36 Uhr), geht es von der Kultfabrik zurück auf die B 304 und nach Ebersberg/Grafing.

Das Bus-Innere ist in Heimwerker-Manier entstanden. Leutschacher, der von Beruf Schreiner ist, hat in monatelanger Arbeit zusammen mit Partnerin Stephanie Deutschmann eine Bar sowie diverse Sitzgelegenheiten festgeschraubt.

Danach ging es zum Tüv. "Sechs Stunden", berichtet Deutschmann, war der Prüfer mit dem Senior-Gefährt beschäftigt - an Tag eins. Tag zwei endete dann nach drei Stunden mit dem gewünschten Eintrag in den Fahrzeugschein. Dann musste noch die Genehmigung für den Linienbetrieb eingeholt werden - sonst darf niemand am Tresen stehen während der Fahrt.

"Jetzt ist alles ganz korrekt." Zulassung für maximal 120 Personen, Sitz- und Stehplätze, Stopps an MVG-Haltestellen. Dort hängt dann auch, ganz vorschriftsgemäß, ein Fahrplan für den Partybus. Leutschacher geht davon aus, dass viele Gäste gar nicht mehr aussteigen, sondern einfach die nächtliche Tour durch die Stadt genießen. Mit einem kühlen Drink in der Hand, versteht sich.

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(SZ vom 10.11.2004)