Erst vor zwei Tagen schien die Affäre um Joachim Haedke und gekaufte CSU-Mitglieder ausgestanden zu sein. Doch nachdem seine Mentorin Monika Hohlmeier unter Druck geraten ist, steht auch Haedkes politische Zukunft wieder in den Sternen.

Elisabeth Schosser sagte nur ein einziges Wort, das aber laut: "Schafsscheiß", entfuhr es der Parteiseniorin, kaum hatte sie die Glastür aufgerissen, hinter der sie und die anderen Mitglieder des CSU-Bezirksvorstands sich am Montag sechs Stunden über die Affäre um gekaufte Mitglieder und über Sanktionen gegen den gerichtlich als Drahtzieher des Skandals bloßgestellten Landtagsabgeordneten Joachim Haedke gerauft hatten. Fünf Jahre Ämterverbot war am Ende herausgekommen, ein Ausschlussverfahren hatten auch die zahlreichen Haedke-Gegner im Vorstand nicht beantragt.

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Doch nur zwei Tage später ist Haedkes Zukunft in der Partei wieder gefährdeter den je. Seine Mentorin Monika Hohlmeier ist vom Münchner CSU-Vorsitz zurückgetreten, er selbst steht unter dem Vorwurf, dem Parteivorstand angelogen zu haben. Sein ehemaliger Schützling, der wegen Fälschung von Mitgliedsanträgen verurteilte Maximilian J., hat eidesstattliche Versicherungen auch von Zeugen vorgelegt, nach denen Haedkes Behauptung schlicht nicht wahr ist, er habe J.'s Antwalt Steffen Ufer weder bezahlt noch bezahlen lassen. Haedke selber kündigte zwar an, strafrechtlich wie zivilrechtlich gegen seinen Mitgliedseinkäufer J. vorzugehen: "Ich lasse mir jetzt auch nicht mehr alles gefallen", sagt er trotzig.

Das will die Parteibasis wohl auch nicht mehr: "Die Leute wollen ihn raus haben", gibt CSU-Schatzmeisterin Ilse Nagel wider, was sie "auf jeder Versammlung" höre. Bereits am Montag, als sich die CSU-Granden zum 50. Geburtstag des Stadtrates Johann Stadler im Rathaus versammelten, wurden "wir von unseren Mitgliedern wüst beschimpft", sagt ein Vorständler. "Für Haedke", sagt Parteivize Aribert Wolf, "lässt sich aber keiner gerne prügeln."

So mehren sich die Stimmen, die Haedkes Rausschmiss fordern. Der Bundestagsabgeordnete Matthias Sehling sagte der SZ, für jene, die am Mitgliederkauf beteiligt gewesen seien, dürfe es keinen Platz mehr in der CSU geben: "Es ist sinnvoll, dass eine deutlicher Trennungsstrich gezogen wird." Sehlings Fraktionskollege Herbert Frankenhauser deutete ebenfalls an, dass er für einen Rauswurf von Haedke ist. "Ich habe nie verstanden, warum gegen Haedke kein Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden ist", sagte er. "Viel zu langsam und inkonsequent" sei die Parteiführung bisher vorgegangen, zürnt der einflussreiche Stadtrat Helmut Pfundstein, "obwohl jedem, der denken kann, klar sein musste, was da lief.." Auch der Landtagsabgeordnete Thomas Zimmermann sieht seinen Kollegen kurz vor dem Ausschluss: "Wenn er gelogen hat, war's das." War's das? "Ihn zu halten, hält die Partei nicht unbeschadet aus", glaubt ein Vorständler. Haedke sei "zum Symbol der Affäre" geworden: "Wenn wir ihn nicht rausschmeißen, ist die Reinigung missglückt."

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(SZ vom 22.07.2004)