Aber auch die Glücksmomente sind groß, beim Verarbeiten der Beute etwa. Phase eins: das Kaufen. Mittlerweile hat sich jeder Kiosk-Betreiber und Tankwart daran gewöhnt, dass die Sticker-Kunden nicht mehr nur bis zum Tresen reichen, sondern oft den Benz volltanken und noch ein Paar Tütchen dazukaufen. Phase zwei: Das vorsichtige Zerreißen der Papierummantelung; das ist aufregend, weil jeder zum einen schon einmal vor Gier zu schnell gerissen und somit einem Kicker die Frisur ramponiert hat, und weil zum anderen sofort zu sehen ist, ob das erste der fünf Bildchen ein funkelndes Wappen ist. Phase drei: das Durchschauen der Sticker, Phase vier: das zärtliche Biegen der Aufkleberecke, bis die Schutzfolie absteht, der ganz eigene Geruch des Klebstoffs, das perfekte Einpassen des Bildes gefolgt von liebevollem Glattstreichens und einem kurzen Blick des Glücks auf die Doppelseite - wieder einer mehr.
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Ein Rap-artiger Sound ertönt auf dem Schulhof. Ein Mitschüler schaut den Doppelten-Stapel von Mehdi durch: "Habichhabichhabichhabich." So klingt die inoffizielle Panini-Hymne in Deutschland seit 1974, als die ersten Sticker hierzulande verkauft wurden. Statt zu klopfen wurden damals die Sticker noch im Duell geworfen. Wessen Bild am weitesten flog, der durfte alle geworfenen behalten. Statt mit feuchten Händen wurde mit gezinkten, also mehrfach übereinander geklebten Stickern, geschummelt. Die fliegen weiter. Und ein Maradona war damals zehn Bertholds wert.
Frisuren und Namen ändern sich mit der Zeit. Was Wappen hieß, nennt sich jetzt "Glitzer". Und es gibt mittlerweile mehr Bildchen pro Album, denn wo früher die unbekannten Teams mit einer Seite Vorlieb nehmen mussten und zwei Spieler auf einem Sticker abgedruckt waren, bekommen jetzt selbst Exoten wie Honduras eine eigene Doppelseite.
Aber nach wie vor wirkt beim Sammeln der gleiche Effekt wie beim Puzzlen: Spaß macht nur der Weg zum Ziel. Wer das Album voll hat, verliert die Lust. Er kann dann ein paar Mal die von den aufgeklebten Bildern herrlich schwer gewordenen Albumseiten durchblättern, aber das war's. Kein tauschen, handeln, tricksen mehr. Keine Kommunikation mehr mit Gleichgesinnten. "Hier sammeln jetzt Kinder zusammen, die sonst nichts miteinander zu tun haben", sagt Grundschulrektorin Veronika Schäffer.
75 Millionen Tüten sind bisher von Panini für Deutschland gedruckt worden, mancher Kiosk muss nach vier Wochen nachbestellen, die erste Schule in München hat das Sammeln schon verboten. Am Pfanzeltplatz ist es noch erlaubt, erst wenn auch im Unterricht getauscht wird, gibt es Sanktionen. Und aufhören wird das Klopfen wohl erst nach dem WM-Finale, oder? "In den letzten Jahren war das schlagartig aus, wenn die Deutschen rausgeflogen sind", sagt Schäffer. Vielleicht ist das ja am 3. Juli der Fall, da könnte Deutschland im Viertelfinale gegen Argentinien spielen und Messi die deutschen Kicker aus dem Turnier schießen. Wäre kein Wunder, denn den können ja nur zehn Lahms aufhalten.
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(SZ vom 26.05.2010/wib)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
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