Von Lisa Sonnabend

Sport oder Gefahr? Viele Politiker drängten auf ein Verbot von Paintball - vergebens. In München hat nun die erste Anlage eröffnet. Ein Besuch.

Sandro geht in Deckung. Wie ein Soldat im Kriegseinsatz lehnt er sich erschöpft hinter einem Schutzwall zurück. Dann rappelt er sich wieder auf, visiert mit seinem Gewehrlauf den Gegner an - und schießt. Sandro trägt einen schweren, schwarzen Anzug, eine Schutzmaske bedeckt sein Gesicht, die Patronenhülsen hat er auf den Rücken gebunden. Er sieht bedrohlich aus.

Paintball, Garching

Geometrische Körper statt Kriegsszenario: Sandro beim Paintballspielen. (© Foto: Sonnabend)

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Doch statt in einer rauen Kriegsregion kämpft Sandro in einer Halle zwischen aufblasbaren Hindernissen, statt scharfer Munition kommen Farbpatronen aus seinem Gewehrlauf. Sandro ist Paintballer.

Beim Paintball geht es darum, den Gegenspieler mit Hilfe von Luftdruckwaffen mit Farbmunition zu treffen. Markierte Spieler müssen das Spielfeld verlassen. An diesem Abend spielt er in der ersten Paintballanlage Münchens, die vor zwei Wochen in Garching eröffnet hat.

Auch Steffen Köhler ist hier. Der 27-Jährige ist seit sieben Jahren aktiv, eine Zeit lang hat er sogar Bundesliga gespielt. "Paintball ist Extremsport", sagt Köhler, während er vor Trainingsbeginn in der Halle noch schnell einen Kaffee trinkt. "Man braucht Kraft, muss schnell sein, aber auch geistige Beweglichkeit und Teamfähigkeit sind wichtig." Allein die Ausrüstung, die sechs Kilo wiegt, zu tragen, treibt vielen in der Halle den Schweiß ins Gesicht.

Viele Politiker sehen dies jedoch anders. Sie schätzen Paintball nicht als Sport ein, sondern als Gefahr. Nach dem Amoklauf in Winnenden im März wollten Politiker im Zuge einer Verschärfung des Waffenrechts Paintball verbieten. CDU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sprach von einer "Simulation des Tötens".

Paintballer Köhler denkt jedoch: "Ein Verbot würde nur dazu führen, dass der Sport nicht mehr kontrollierbar ist. Dann würden viele Spieler illegal im Wald weitermachen - und das würde böse enden." Ein Verbot hält er für abwegig. "Sonst müsste man ja auch Boxen oder Fechten verbieten", winkt er ab.

Stefan Stadler und Pascal Kloster nahmen die Sache mit dem Verbot dagegen ernster. Sie sind die Betreiber der Anlage in Garching. "Wir hatten endlich eine geeignete Halle gefunden und warteten eigentlich nur noch auf eine Genehmigung vom Gemeinderat", sagt Stadler. "Doch dann drohte plötzlich das Verbot." Zwei Wochen habe er nicht mehr ruhig schlafen können. Die Halle hätten sie in jedem Fall eröffnet - im schlimmsten Fall eben nur für ein halbes Jahr.

Doch Stadler und Kloster konnten aufatmen. Die Passage über Paintball in dem angestrebten schärferen Waffengesetz wurde herausgestrichen, das Verbot ist nun vom Tisch - vorerst zumindest.

Paintball spielen ist nur auf privatem Gelände erlaubt, und nur dann, wenn sichergestellt ist, dass die Patronen das Feld nicht verlassen und Unbeteiligte verletzen können. Die Gewehre in der Öffentlichkeit bei sich zu führen, ist ohne Waffenschein verboten. In Garching schirmt ein Netz die Felder ab, Spieler dürfen es nur betreten, wenn sie Schutzkleidung tragen. Mitmachen dürfen nur Personen ab 18 Jahren.

In Deutschland gibt es mehr als 200 Paintball-Anlagen mit etwa 20.000 aktiven Spielern. In anderen Ländern wie USA und England ist Paintball weiter verbreitet. Der Sport wird dort als Teamstärkungsmaßnahme in Firmen eingesetzt, wichtige Spiele werden im Fernsehen übertragen.

Der Gemeinderat Garching genehmigte im Juni die Anlage einstimmig. Nur einer räumte im Vorfeld Bedenken an - allerdings lediglich, weil er ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Gegend fürchtete.

Die Halle liegt außerhalb des Ortskerns in einem eintönigen Gewerbegebiet. Stadler und Kloster haben die Halle bewusst mit aufblasbaren, geometrischen Körpern eingerichtet, die nicht an Kriegsszenarien, sondern eher an eine Hüpfburg für Kinder erinnern. In der Anlage in Garching haben schon Junggesellen ihren Abschied gefeiert, Tanzstudentinnen vom Prinzregententheater gegeneinander gespielt und Mitarbeiter auf den Chef gezielt.

An diesem Abend sind 15 Spieler in der Halle in Garching. Die Vereinsspieler vom MV Paintball drehen gerade ihre Runden: Aufwärmtraining. Auf dem Feld nebenan umkreisen sich vier Maskierte. Wenn die Spieler abdrücken, rattert es bedrohlich wie bei einem Maschinengewehr. Einer ruft: "Game over!" Ein Kämpfer mit bunten Farbklecksen verlässt den Platz.

Am Rand des Feldes liegt die verschossene Munition auf dem Boden. Ein Haufen Patronen - lustig bunt. Blau, lila, orange - nur rote Kugeln findet man nirgends. "Falls doch einmal einer verletzt wird und blutet, könnte man fälschlicherweise denken, es handle sich nur um einen Farbfleck", erklärt Stadler. Außerdem würde Rot zu sehr ans Töten erinnern.

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(sueddeutsche.de/pfau)