Von Tanja Rest

Die Münchner Party-Guerilla kann sich neuerdings zwischen zwei Nobelclubs entscheiden.

Fortsetzung

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Fröhlich, hemmungslos und dekadent (© Rumpf)

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"Einer hat sich mal als Chefdesigner von Armani ausgegeben, das war okay. Aber als derselbe Typ eine Woche später als Scheich wiederkam, hab' ich ihn in die Schlange zurückgeschickt."

Der Türmann grinst gutmütig, ein bisschen Schikane muss sein. Insgesamt verfolgt das Pacha aber eine eher moderate Türpolitik: Wer rein will und nicht ausgerechnet in selbst gebatikten Schlabberhosen aufläuft, wird gewöhnlich erhört.

Kurz nach zwei Uhr stehen dann 800 dicht gedrängte Leiber in ihrem Saft wie Heringe in Aspik, die ekstatische Balz hat ihren Siedepunkt erreicht, die Wodka-Pipeline läuft auf Hochtouren.

Constantin Wahl ist glücklich. "Wir haben die Messlatte wieder höher gelegt. Der Hype ums P1 ist doch völlig überzogen, die haben ihre Tür längst aufgeweicht und machen weiterhin auf cool. Mir kann keiner erzählen, dass dort gefeiert wird."

Jaulend vorm "Stüberl"

Die "härteste Tür Deutschlands" ist acht Taximinuten entfernt. Von der Straße aus betrachtet deutet nichts auf ihre Existenz hin - keine Leuchtreklame, kein Flyer-Verteiltrupp, keine Lichtsäule im Nachthimmel. Werbung macht, wer's nötig hat.

Das P1, im Jargon auch "Stüberl" genannt, hat andere Mittel. Haus der Kunst, Rückseite - manchmal kann man die Abgewiesenen schon jaulen hören, bevor man um die Ecke biegt.

"Immer die gleiche Scheiße hier!" Einem 31-jährigen Modellschnösel im weißen Versace-Zweiteiler brennt die Röte im Gesicht, Wut oder Scham; wahrscheinlich beides. "Da willst du mit ein paar Leuten Party machen, und die Hälfte kommt nicht rein!" Türsteher Keiwan nimmt ungerührt zur Kenntnis, dass der Leitwolf des Fünfer-Rudels "jeden Samstag 500 Euro" liegen lässt.

Na und. "Die zwei bleiben draußen." Der Versace-Mann schnaubt und wendet sich schulterzuckend an die Kumpels: "Wir seh'n uns dann Montag." An der Tür des P1 sollen schon Beziehungen zerbrochen sein.

In ist, wer drin ist. Im karg möblierten, kühles Understatement verströmenden Raum-Schlauch winden sich laszive Zwanzigjährige zu lupenreinem Club-House-Sound, vom männlichen Publikum an den Stehtischen schweigend belauert.

An der Klo-Bar wird eine schmalhüftige Lolita von Mixer Karim erst mit Küsschen begrüßt, dann von Frauenblicken gemeuchelt. Nebenan lehnt Oliver Kahn lässig an einer Säule, sieht aus wie vom Innenarchitekten hindesigned, und wird kein einziges Mal um ein Autogramm angebettelt. Die Blöße gibt sich hier keiner.

Stilettos für ein Monatsgehalt

Im Vergleich zum Pacha ist das P1 erwachsener, cooler, arroganter. Es gibt keine Vortänzer, keinen VIP-Eingang und keinen expliziten Reservierungsbereich - wer blöd genug ist, sich auf den Platz eines Stammgastes zu setzen, wird vom Barkeeper mit der Taschenlampe angestrahlt.

Die Getränkekarte ist die dreisteste der Stadt, mit Preisen von fünf Euro für das 0,25-Glas San Pellegrino bis hoch zu 1140 Euro für die Neunliter-Pulle Veuve Clicquot. Partygirls, die ihr Monatsgehalt in ein Paar Gucci-Stilettos investiert haben, brauchen schnellstmöglich einen Gönner. Der Rest hängt im Klo am Wasserhahn.

"Es ist ein Spiel, das jede Nacht von vorn anfängt. Werd ich eingeladen, gehör ich dazu - oder bleib ich draußen? Wer mit Tausendern wedelt, kommt oft grade deshalb nicht rein."

In einem spartanischen Hinterzimmer sitzt Geschäftsführer Klaus Gunschmann vor einem Wodka Lemon und vermittelt glaubhaft den Eindruck, dass ihn auf dieser Welt nichts aus der Ruhe bringt - schon gar nicht die aufgemotzte Party-Guerilla an der Rosenheimer.

"Okay, vor einem Jahr gab es diesen Neuigkeitseffekt, da sind sie alle mal rüber ins Pacha. Jetzt sind sie wieder hier. Das P1 ist unschlagbar."

Unschlagbar ist auf jeden Fall der Mythos. Mit einem Offizierskasino der US-Army im Haus der Kunst fing alles an: Weil die Amerikaner die Adresse Prinzregentenstraße 1 nicht über die Lippen brachten, sagten sie eben "P one".

Später bekam Feinkost-Erbe Michael Käfer das P1 von seinem Vater zum Examen geschenkt, obendrauf 50.000 Mark Startkapital. Seine beste PR-Maßnahme hat den Junior dann keinen Pfennig gekostet: die Tür.

Schampus für Puff Daddy

Als der Jetset erstmal mitgekriegt hatte, dass an der Pforte zum P1 sogar Ferrarifahrer scheitern können, wollten sie alle, alle rein.

Mick Jagger schleppte Mädels gruppenweise ab, Puff Daddy und seine Gang soffen Champagner für 22.000 Mark und prellten die Zeche. Helmut Berger pisste an die Bar, Albert von Monaco baggerte, Effe ohrfeigte.

Mit dem Umzug in den geräumigeren Westflügel ist die Tür allerdings durchlässiger geworden. Manche sagen, der Mythos bröckelt - und dann gebe es jetzt ja das Pacha.

Gunschmann winkt ab: "Vor zwei Wochen war Anastacia da, davor Rod Stewart und der König von Schweden. Das Pacha ist mir sowas von wurscht."

Hinter ihm an der Wand hängen die Umbaupläne. Am 14. August zieht der Club für vier Monate in den Museumstrakt im ersten Stock, unten werden die Wände eingerissen. Das P1 soll eine Lounge bekommen, die schon um 21 Uhr öffnet, eine bewirtschaftete Wohlfühl-Area für liquide Hedonisten.

Der eigentliche Club wird verkleinert - "und an der Tür werden wir die Schraube wieder anziehen".

Kurz vor fünf Uhr. Der P1-Geschäftsführer leert den Wodka Lemon und macht einen Rundgang über die noch immer gut besuchte Champagnerwiese, vorbei an zwei Blondinen mit bauneuen Silikonlippen, an ekstatisch beschleunigten House-Junkies sowie an Oliver Kahn, der in den vergangenen Stunden keine Cowboystiefelspitze von der Bar fortbewegt hat. Und längst einen Pacha-Schlüsselanhänger besitzt.

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