Olympiapark München Spektakel für die Zukunft

Popkonzerte, Sportveranstaltungen und Spaß-Events: Trotz stabiler Auslastung schreibt der Olympiapark rote Zahlen. Die Betreiber wandeln auf einem schmalen Grat zwischen kommerziellen Veranstaltungen und der Bewahrung des olympischen Geists.

Von Kim Björn Becker

Irgendwas klemmt hier, aber so richtig. Mit Schwung versucht es der Arbeiter ein zweites Mal, doch abermals hakt die Konstruktion irgendwo im Gebälk. Also wieder zurück, noch mal von vorn. Das Spiel wiederholt sich einige Male, erst nach etlichen weiteren Anläufen hat er es geschafft. Wie ihm das gelungen ist, kann der Arbeiter nicht erzählen, dafür spricht er nicht gut genug Deutsch. Ist auch unwichtig. Hauptsache, es hat geklappt. Unterstützt von einem hydraulischen Hubwagen, der fünf Tonnen bewegen kann, hat er am Ende 49 neue Sitzplätze geschaffen.

49 Plätze. Ein ziemlich großes Stück Tribüne ist das. Die Olympiahalle muss schnell vorbereitet werden, zwei Konzerte der amerikanischen Sängerin Pink stehen an diesem Wochenende auf dem Spielplan. Im Vorverkauf haben die Karten zwischen 47 und 82 Euro gekostet, da kann man sich ausrechnen, was 49 Plätze mehr oder weniger finanziell für den Konzertveranstalter ausmachen. "Die Bestuhlung in der Mitte ist schon raus", sagt Andreas Heinitz, der Hallenwart. Bei Pink wollen einige eben doch lieber stehen als sitzen. Heinitz ist dafür verantwortlich, dass alles reibungslos funktioniert, er überwacht, wie die Arbeiter die großen Tribünenelemente ausklappen. Sieben davon stehen schon, weitere sieben sind noch zusammengefaltet. Da gibt es immer was zu tun.

Ein paar Hundert Meter entfernt steht Richard Schiller. Vom Ehrengastbereich aus beobachtet der Wart des Olympiastadions das bunte Treiben auf der Asphaltfläche in der Mitte. 14 Lastwagen stehen da, gut drei Dutzend Bühnenarbeiter laufen mit gelben und roten Warnwesten umher. Ein Ameisenhaufen. Die gigantische Bühne wird gerade aufgebaut, dabei entsteht ein eigentümliches Grundrauschen. Motorengeräusche und metallisches Hämmern verbinden sich und werden vom Wind durch das Stadion getragen. An diesem Samstag soll bereits Bon Jovi durch die Arena dröhnen.

Zwei Weltstars zugleich in München, beide im Olympiapark. Das gibt es auch nicht alle Tage. Das Konzert von Bon Jovi ist das erste Open-Air in diesem Jahr, es folgen Bruce Springsteen eine Woche später und Depeche Mode Anfang Juni. Wenn das Stadion voll ist, passen etwa 70 000 Besucher hinein. Die Münchner Verkehrsgesellschaft setzt dann Sonderzüge und Zusatzbusse ein, um diese Menschenmassen irgendwie zu bewegen.

Allein, so richtig voll ist das Olympiastadion derzeit selten. Bis 2005 fanden dort die Heimspiele des FC Bayern und des TSV 1860 statt, das bedeutete jedes Wochenende mehr oder weniger volles Haus. Nach dem Umzug des Fußballs in die Arena nach Fröttmaning müssen die Macher der Olympiapark München GmbH das Stadion irgendwie neu erfinden. Einer dieser Versuche war das Bemühen, es zur Rennstrecke für die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft (DTM) umzufunktionieren. Nach umstrittenen Rennen in den Jahren 2011 und 2012 wurde die auf drei Jahre angelegte Serie vorzeitig eingestellt. Zu laut waren die Boliden, zu ungeeignet die Strecke - und für einige ließ sich knatternder Motorsport so gar nicht mit dem viel beschworenen olympischen Geist verbinden. Der Geschäftsführer des Olympiaparks, Ralph Huber, hält die DTM noch immer für richtig.

"Es war kein Fehler", sagt er rückblickend. "Grenzwertig", nennt hingegen sein Stellvertreter Arno Hartung das Spektakel. Kritik kam seinerzeit auch von den Fahrern, die auf dem engen Parcours viel zu vorsichtig fahren mussten. "Wenn die Fahrer sagen, hier fahren wir lieber etwas langsamer, dann bricht einem so eine Äußerung das Genick", sagt Hartung. Seine Lehre aus dem gescheiterten DTM-Versuch: "Man kann nicht jede Weltmeisterschaft auf ein Bonsaiformat runterdrücken."

Die Betreiber des Olympiaparks stehen seit einiger Zeit vor einer schwierigen Herausforderung. Zum einen sind es die Münchner seit den Olympischen Spielen 1972 gewohnt, Veranstaltungen auf höchstem Niveau geboten zu bekommen. "Verwöhnt", nennt Hartung das Publikum gar. Das Problem: Nicht alle Großveranstaltungen rechnen sich auch für den Betreiber der jeweiligen Anlage. Vor einiger Zeit hatte man sich beim Olympiapark beispielsweise mit dem Gedanken getragen, sich um eine Universiade - Olympische Spiele für Studenten - zu bewerben.