Olympiapark Hain des Friedens

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle und Israels Vizeaußenministerin Tzipi Hotovely unterzeichnen die Grundsteinurkunde für den neuen Erinnerungsort, der den Opfern des Olympia-Attentats gewidmet ist

Von Nicole Graner, Olympiapark

Nach langen Diskussionen um den Standort am Lindenhain, nach architektonischen und inhaltlichen Auseinandersetzungen um das Bauprojekt haben am Dienstag Bayerns Bildungs- und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) und Israels Vizeaußenministerin Tzipi Hotovely bei einem Festakt am Lindenhain die Grundsteinurkunden für den neuen Erinnerungsort an die Opfer des Olympia-Attentats 1972 unterzeichnet. Diese Urkunden, einige Euro und Schekel, eine israelische und die Süddeutsche Zeitung wurden in die Kupferrolle gelegt, die in das Fundament des Bauwerkes eingelassen wird, das - wenn alle baulichen Parameter stimmen - im Herbst 2016 eingeweiht werden soll.

Von einem "guten Tag" spricht Kultusminister Spaenle und von einem "bewegenden". So wie er an diesem Ort stehe, der auch den Blick auf die Häuser der Connollystraße und damit zum Ort des Geschehens freigebe, denke er an jenen Terroranschlag vom 5. und 6. September 1972. Er habe damals mit seiner Familie nicht allzu weit weg gewohnt und die Hubschrauber aufsteigen sehen. München sei, so beschreibt er in seiner Rede vor Gästen wie dem israelischen Generalkonsul Dan Shaham und dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, 1972 dankbar gewesen, sich als "akzeptiertes Mitglied der Völkerfamilie zu präsentieren". Der Terroranschlag sei ein bis heute "schmerzlicher Einschnitt in das Leben, in die fröhlichen Spiele von München und in die deutsche Geschichte gewesen. An all das wurde erinnert, wird erinnert und wird weiter erinnert werden". Nun also nach dem Klagebalken von Bildhauer Fritz Koenig und dem Gedenkstein an der Connollystraße 31 auch mit dem Erinnerungsort am Lindenhain.

Bald ein Ort des Erinnerns: Mit Blick auf das Olympiastadion gedenken die Gäste aus München und Israel der Attentatsopfer.

(Foto: Florian Peljak)

Israels Vizeaußenministerin Tzipi Hotovely macht deutlich, wie wichtig ein solcher Ort sei, der auch ein Zeichen gegen den Terrorismus ist. Terrorismus sei aber kein lokales Problem, kein israelisches Problem, sondern eines, das die ganze Welt in Atem halte. An einem "friedlichen Platz" wie dem Lindenhain stünden nun endlich die Toten des Attentats von 1972 im Mittelpunkt. Wichtigstes Ziel des neuen Erinnerungsortes war immer das würdige Gedenken an die Toten- und darin waren sich nicht nur beim Festakt, sondern auch vorher schon alle Beteiligten einig, die sich in Workshops und Diskussionen um den Standort und den historischen Inhalt Gedanken gemacht hatten und es noch tun. "Wir wollen den zwölf Opfern im Herzen des Olympiaparks endlich ein Gesicht geben." Hotovely verliest die Namen der Toten und vor der aufgestellten Bautafel für den Erinnerungsort ist dann eine Schweigeminute für die Attentatsopfer das erste Erinnern im Lindenhain und ein Symbol für gemeinsames Gedenken.

Den architektonischen Einschnitt in den Hügel des Lindenhains vergleicht Architekt Peter Brückner mit dem "Einschnitt, den das Attentat in die fröhlichen Spiele von 1972 gerissen" und im Leben hinterlassen habe. Mit dem Entwurf, der den Hügel einschneide, werde, so Brückner, etwas "weggenommen und gleichzeitig auch verwandelt". So wie bei den Spielen 1972: Diese gingen nach dem Attentat weiter, aber haben Spuren der Trauer in den Herzen so vieler Menschen zurückgelassen.

Kultusminister Spaenle, Vizeaußenministerin Tzipi Hotovely und Projektleiter Werner Karg (v. l.) befüllen die "Zeitkapsel" mit den Grundsteinurkunden.

(Foto: Florian Peljak)

Die Kosten für den Bau des Erinnerungsraumes werden sich etwa auf 1,75 Millionen Euro belaufen. Es beteiligen sich neben dem Freistaat die Bundesrepublik Deutschland, die Landeshauptstadt München, das Internationale Olympische Komitee, der Deutsche Sportbund und die Foundation for Global Sports Development.

"Möge der Erinnerungsort dazu beitragen, die Geschichte lebendig zu erhalten", steht in den beiden Grundsteinurkunden. Dieser Satz ist gleichzeitig auch der Wunsch des Projektleiters und des stellvertretenden Leiters der bayerischen Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, Werner Karg, der sich intensiv bemüht hat, das Projekt gerade auch in und durch Gespräche mit Bürgern und der Einwohner-Interessen-Gemeinschaft Olympisches Dorf sinnführend voranzubringen. Der Festakt scheint auch ein Neuanfang zu sein. Denn auch Kultusminister Spaenle betont, dass sich der intensive Dialog mit den Bürgern gelohnt habe. Dieser sei richtig und wichtig gewesen.