Olympiapark Der Kampf um die drei Linden

Der Bezirksausschuss ist von dem neuen Erinnerungsort für die Opfer des Olympia-Attentats angetan, appelliert nun aber an die Planer, möglichst alle Bäume rings um die Baustelle am Kolehmainenweg zu erhalten

Von Nicole Graner, Olympiapark

Die Geschichte um die Planung des neuen Erinnerungsortes für die Opfer des Olympia-Attentats im Lindenhain ist eine lange. Und man könnte sie durchaus mit einer Sonatensatzform vergleichen. Die Einleitung, die den Wunsch nach einem dritten Gedenkort in Gesprächen mit dem Generalkonsul des Staates Israel, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) überhaupt formulierte; dann die "Exposition", die mit verschiedenen Standorten wie dem Connollyberg aufwartete und zum "Hauptthema" hinführte: der langen, heftigen Diskussion um die Frage nach der Notwendigkeit eines dritten Gedenkortes, um den richtigen Standort und um die richtige Bürgerbeteiligung - die Wünsche der Anwohner im Olympiadorf, der Studenten und der Bebauungsgegner des Olympiaparks.

Und natürlich um den richtigen architektonischen Entwurf. Nach der Kompromisslösung im Lindenhain und der Grundsteinlegung im November vergangenen Jahres ist die Durchführung nahe: Schon im Herbst dieses Jahres soll der Erinnerungsort eingeweiht werden.

Doch da gibt es die "Reprise" - in der wird das Hauptthema noch einmal aufgegriffen. Die Betonung liegt im Falle des Erinnerungsortes im Olympiapark auf noch einmal. Lokalpolitiker haben sie komponiert. Denn in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Milbertshofen-Am Hart, in der das Bauprojekt am Kolehmainenweg abgesegnet wurde, gab es doch noch Redebedarf - noch immer also polarisiert der Erinnerungsort.

Alte, schöne Linden: Sie stehen noch dort, wo der neue Olympia-Erinnerungsort gebaut werden wird.

(Foto: Catherina Hess)

Leo Meyer-Giesow (Freie Wähler/ÖDP) lobt sowohl den Kompromiss-Standort als auch, dass nun die Wünsche der Bürger weitgehend berücksichtigt worden seien. Und David Klebs (CSU) freut sich, dass es nun endlich ein Mahnmal gebe, das groß genug für ein würdiges Gedenken sei. Sorgen habe er sich gemacht, dass man sich im "Kleinkram" verzetteln würde. Ein Nein zum Erinnerungsort hätte der Stadt München international Schaden zugefügt. Und auch Stadträtin Jutta Koller (Grüne) würdigte, dass die Gespräche nach den langen Diskussionen am Ende gut verlaufen seien. "Schön" sehe, so Erich Tomsche (CSU), der Entwurf des Architektenbüros Brückner & Brückner aus.

Kritikpunkt eins, darin war sich das Gremium einig, sei die Art und Weise gewesen, wie die Planung des Erinnerungsortes seitens der bayerischen Staatsregierung kommuniziert worden sei. "Wir wären, gerade weil es einfach mehrere Meinungen zu so einem Projekt gibt, vorher gerne mehr in die Planungen und Gespräche einbezogen worden. Das war nicht unbedingt eine schöne Sache", ärgert sich SPD-Fraktionssprecherin Susanne Schneider-Geyer. "Mir hat der Anfang der Debatte nicht gefallen", betont auch Jutta Koller noch einmal.

Drei Linden müssten gefällt werden, damit der Entwurf (Visualisierung: Brückner&Brückner) umgesetzt werden kann.

Kritikpunkt zwei: Nach wie vor, so glaubt Wolfram Mattern (SPD), sei die Mehrheit des Olympiadorfes auch nicht mit dem Kompromiss-Standort einverstanden. Es gehe immer noch darum , dass der Olympiapark mit dem dritten Gedenkort wieder weiter zugebaut würde. Mehrheit hin, Mehrheit her. Das Oly-Dorf habe in der Sache kein Mitspracherecht, erklärt Tomsche. Das Gelände gehöre nicht dem Olympiadorf.

Genug der Reprise. Der Erinnerungsort wird kommen. Auch mit dem "Segen" des Bezirksausschusses. Dennoch äußerte der BA noch eine Empfehlung, vor allem an die Architekten. SPD, Freie Wähler/ÖDP und Grüne wollen die alten Linden retten, die dem Ort am Kolehmainenweg schließlich den Namen gibt.

Geht es nach den Planern, sollen drei der großen Linden gefällt werden. Wer den Platz kennt, leidet durchaus mit bei dem Gedanken. So alt und ehrwürdig stehen sie am Platz. Sie wirken so unverrückbar. Daher fordert Leo Meyer-Giesow die Planer auf, die Bäume nicht zu fällen, sondern zu "verpflanzen". Es sei zwar versprochen worden, neue Bäume anzupflanzen: Bäume in der Größe von einer Baumschule zu kaufen, sei , so Meyer-Giesow, wesentlich teurer. Doch das mit dem Verpflanzen dürfte keine leichte Sache sein. Große Lindenbäume dürften schon so manchem Landschaftsgärtner Probleme bereitet haben. Sie sind, wie auch Susanne Schneider-Geyer erklärt, "Herzwurzler". Und diese reichen manchmal recht weit ins Erdreich. "Ich wage zu bezweifeln, dass eine Verpflanzung klappen könnte", sagt die SPD-Fraktionssprecherin. Die Bäume zu erhalten und andere bei den Bauarbeiten nicht zu verletzen, müsse das Ziel sein. Diese Wünsche dürften, betrachtet man die Zeichnungen der Planungen genau, die ja einen tiefen Einschnitt brauchen, um die Planungen überhaupt umzusetzen, kaum in Erfüllung gehen. Auch wenn es schade wäre um die Linden im Lindenhain.

Bleibt zu hoffen, dass es am Ende des langen "Sonatensatzes" auch zur Coda kommt. Mit einer Botschaft, die auch in den Grundsteinurkunden verankert ist: Geschichte lebendig zu erhalten - auch eine schmerzvolle.