Olympiabewerbung 2022 Lobby-Arbeit für Olympia

Höher, schneller, weiter. Die Spiele in London haben gerade begonnen, Rekorde, Eklats und Pannen inklusive. Im Deutschen Haus in London aber sammelt München schon Stimmen für eine eigene Bewerbung 2022. Scheitern könnte das vor allem am Geld.

Von Christian Krügelund Katja Riedel

Der Abend steht ganz im Zeichen von Olympia 1972 - in Wahrheit dürfte es aber vor allem um Olympia 2022 gehen: Im Deutschen Haus in London stellt sich am heutigen Donnerstag die Sportstadt München vor. Hinter den Kulissen wird es aber vor allem die Stimmung in der Sportszene für eine zweite Olympia-Bewerbung sondiert - um damit den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Zugzwang zu bringen.

Das Deutsche Haus, das im Museum of London in den Docklands vorübergehend eingerichtet ist, soll Treffpunkt für Sportler, Journalisten und Funktionäre sein, vor allem aber auch der Rahmen für lukrative Sponsorengeschäfte. Deshalb präsentieren sich dort im Laufe der Spiele die deutschen Großstädte, in der Hoffnung, sportliche Großereignisse an Land zu ziehen.

Beim Münchner Abend geht es vor allem um die Erinnerung an die Spiele von 1972: Die Goldmedaillengewinner Klaus Wolfermann, Ulrike Meyfarth und Heide Ecker-Rosendahl werden den Geist der Spiele heraufbeschwören. Anreisen werden aber auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) und Olympiapark-Chef Ralph Huber. Letzterer gilt als klarer Befürworter einer weiteren Olympia-Bewerbung Münchens.

Das Thema Kandidatur werde die Delegation heute in London nicht offiziell ansprechen, heißt aus der Olympiapark GmbH. "Doch niemand hat etwas dagegen, wenn es doch zum Thema wird." Bürgermeisterin Strobl sagt, es gehe an diesem Abend darum, München auch als Standort für andere Events im Gespräch zu halten. Und das Event Olympia? "Wir werden sorgfältig registrieren, welche Signale wir in London bekommen werden", sagt Strobl.

Die Signale des DOSB sind bislang eindeutig: Der Sportbund hatte zuletzt in einem Brief an die Stadt klar gemacht, dass er eine Entscheidung erst für den Herbst 2013 für sinnvoll erachtet. Dann ist nach Bundestags- und Landtagswahlen die politische Gemengelage klar, dann weiß DOSB-Präsident Thomas Bach, ob er an die Spitze des IOC gewählt worden ist und deutsche Olympia-Ambitionen eine Chance haben.

Den ersten Schritt Richtung Olympia will die Stadtspitze daher nicht machen. "Wir werden das Votum des DOSB 2013 abwarten", sagt Strobl. Dahinter steckt politisches wie wirtschaftliches Kalkül: Oberbürgermeister Christian Ude will München nur dann antreten lassen, wenn es auch die volle Unterstützung des Sports hat, auch der mächtigen Sommersportverbände. Von denen liebäugeln aber einige mit einer Berliner oder Hamburger Kandidatur für Sommerspiele.

Ein gelungener Münchner Abend heute in London könnte klarstellen, welche deutsche Stadt den ersten Anspruch auf Olympia hat. Es gibt auch Zweifel, ob die Wirtschaft ein Projekt München 2022 unterstützen würde. Ude berichtete jüngst von zähen Gesprächen während der 2018er-Bewerbung, die er mit Finanzvorständen großer Unternehmen geführt habe. Diese seien überrascht gewesen, dass sie ein Projekt finanzieren sollten, das bereits angeschoben sei.

Bis zu 30 Millionen Euro müsste eine neue Bewerbungsgesellschaft investieren, sagte Ude, von mindestens 25 Millionen Euro spricht man auch im DOSB. Für das Budget 2018 waren 33 Millionen Euro kalkuliert. Die Stadt schoss mehr als drei Millionen Euro zu.

Wirtschaftsminister Zeil, der Ministerpräsident Seehofer in London vertritt, dürfte dafür werben, dass die Sache nicht am Geld scheitert. Das Beispiel Olympia 1972 zeige: "Mutige Infrastrukturprojekte zahlen sich aus", so Zeil zur SZ. Wenn sich Stadt und DOSB einigen und die Bürger in einem Entscheid auch Ja zu Olympia sagen, "würde ich eine Bewerbung befürworten". Die Spiele brächten "München und dem Freistaat langfristig Imagegewinn, Standortvorteile und Arbeitsplätze."