Olympia: Vergabepraxis Die verkauften Spiele

Bei der Vergabe Olympischer Spiele kommt es nicht nur auf die Eignung der Kandidatenstadt an. Was zählt sind Sportpolitik und ökonomische Argumente. Zwei Gesetze gelten. Erstens: Der Favorit gewinnt fast nie. Zweitens: Der Ehrliche ist der Dumme.

Von Thomas Kistner

Mit praller Zuversicht war Salzburgs Bürgermeister nach Guatemala gereist, als das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Winterspiele-Ort von 2014 kürte. Der österreichische Kandidat bot Tradition und erstklassiges Know-how, die Rivalen hatten nur virtuelle Skistationen irgendwo in Südkorea oder an der Schwarzmeerküste vorzuweisen. Authentizität gegen Reißbrettspiele - was sollte da schiefgehen? Als Heinz Schaden dämmerte, wie das Spiel um die Spiele wirklich abläuft, war es zu spät.

Zwei Tage vor der Wahl trat er im Fitnessraum seines Hotels in die Pedale, schaute CNN und wurde nur in dieser Trainingsphase mit vier, fünf Werbespots der Konkurrenzstädte Sotschi und Pyeongchang konfrontiert. Dabei war Reklame so kurz vor der Kür verboten vom IOC. Nur die Salzburger hielten sich daran, an diese und andere Vorgaben, am Ende waren sie die Dummen.

Im Juli 2007 siegte in Guatemala die olympische Wirklichkeit. Drei Viertel der IOC-Mitglieder pfiffen auf Salzburg und genossen lieber die Marktschlacht zwischen Gazprom und Samsung: Hier die Oligarchen um Wladimir Putin, dort die Chaebols um Samsung-Chef Lee Kun Hee, der gleich selbst im IOC sitzt. Einmal mehr wurde Olympia versteigert, am Ende machte Sotschi das Rennen.

Rivale Salzburg erfreute sich zwar bester Benotungen, kurz vor der Kür aber flog Sotschi mit Frachtmaschinen einen Eislaufpalast nach Zentralamerika. Der lockte neben dem IOC-Hotel allabendlich mit prallem Nachtleben. Hilfreicher als der dünne Prüfbericht war für Sotschi auch, dass Putin am Abend vor der Wahl ein halbes Dutzend IOC-Leute zum Dinner lud - ein weiterer Bruch der Regeln. Aber Putin ist nicht der Typ, mit dem man sich anlegt. Nicht im Weltsport, den sein russisches Funktionärsnetz längst durchdrungen hat.

Winterspiele sind ein Spielball der Sportpolitik, sie stehen im Schatten des großen, wahren Olympiafestes: der Sommerspiele. Für die begeistert sich alle Welt und jeder im IOC; der Wintersport indes büßt schon auf dem Weg vom Alpenvorland zur Nordseeküste viel von seinen Reizen ein. Müßig, auf seine begrenzte Strahlkraft in tropischeren Regionen hinzuweisen.

Auch deshalb wurden die Winterspiele in dieser und den vergangenen zwei Dekaden schamlos verschachert. Gewiss gibt es Leute im IOC, die auf Benotungen achten, nur fallen die kaum ins Gewicht, insgesamt stimmen 110 Mitglieder ab. Und für die öffentlich so gern zitierten IOC-Prüfberichte gilt: Sie taugen nichts. Kaum einmal gewann ein Kandidat, der als Primus in die Wahl ging.

Kampf bis zur Zielgeraden

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