Oktoberfest Wiesn-Bierpreise steigen besonders stark

Es ist die kräftigste Erhöhung seit Jahrzehnten: Die Mass Bier kostet auf der Wiesn dieses Jahr teilweise mehr als 11 Euro.

(Foto: Getty Images)

Satte 50 Cent mehr verlangen die meisten Wirte dieses Jahr - in den großen Festzelten wird die Mass damit erstmals mehr als 11 Euro kosten. Aber es gibt drei Ausnahmen.

Von Franz Kotteder

Das hat es lange nicht mehr gegeben: Wiesnwirte erhöhen ihre Preise für die Mass Bier nicht! Tatsächlich ist das in diesem Jahr gleich bei drei Zelten der Fall - allerdings nur bei den kleinen. Das Festzelt Zum Stiftl, das Wirtshaus im Schichtl und die Hühnerbraterei Ammer verlangen in diesem Jahr den gleichen Preis für die Mass wie 2017 - nämlich 10,70 Euro (Schichtl), 10,80 Euro (Ammer) und 10,90 Euro (Stiftl).

Diese drei sind allerdings die große Ausnahme, denn die anderen Wiesn-Zelte verlangen zum Teil erheblich mehr als im vergangenen Jahr für die Mass. Die Spanne reicht dabei von zehn Cent (Münchner Knödelei, jetzt 10,90 Euro) bis 60 Cent Erhöhung (Käfer Wiesn-Schänke, jetzt 11,50 Euro). Besonders hoch sind die Steigerungen bei den 14 großen Festhallen. Vier von ihnen verlangen jetzt 11,50 Euro für die Mass Festbier (Paulaner, Käfer, Löwenbräu, Marstall). Beim Schottenhamel kostet die Mass 11,40 Euro, weitere fünf haben den Preis auf 11,40 Euro erhöht (Armbrustschützenzelt, Bräurosl, Hackerzelt, Hofbräuhaus-Festzelt und Schützenzelt). Am wenigsten kostet das Bier im Augustinerzelt (11,10 Euro), in der Ochsenbraterei (11,20) und in der Fischer-Vroni (11,35).

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Dermaßen kräftig wie in diesem Jahr langen die Wiesnwirte normalerweise nicht hin. Üblicherweise steigen die Preise für die Mass Wiesnbier um etwa 30 Cent, knapp drei Prozent in der Regel. In diesem Jahr aber sind es satte 50 Cent. Als Grund dafür nennen die Wirte neben den üblichen Kostensteigerungen von Zulieferern und bei den Löhnen die neue Umsatzpacht, die in diesem Jahr noch einmal ein gutes Prozent höher ausfallen wird als im vergangenen Jahr. Da hatte sie die Stadt erstmals eingeführt, statt der bis dahin üblichen festen Standgebühren. Wegen der enorm gestiegenen Sicherheitskosten verlangte die Stadt nun 5,1 Prozent vom Umsatz der Wiesnwirte. In der Regel war das bereits das Doppelte der früheren Standgebühr. Weil das immer noch nicht reichte und die Wirte deutlich weniger Umsatz machten, als die Stadt geschätzt hatte, hat sie die Pacht bei den großen Zelten in diesem Jahr noch einmal um mehr als die Hälfte erhöht: 7,8 Prozent sollen sie 2018 zahlen.

Die kleinen Wirte kamen mit einem blauen Auge davon, sie müssen in diesem Jahr nur ein Prozent mehr, also 6,1 Prozent von ihrem Umsatz, als Pacht zahlen. Das ist auch der Grund, warum die kleinen Zelte mit eher moderaten Steigerungen antreten können. Ihr Sprecher Lorenz Stiftl sagt: "Wir wollen ein friedliches Miteinander und dass sich die Münchner die Wiesn noch gerne leisten. Deswegen haben wir versucht, die Bierpreise moderat zu halten." Das sei allerdings nur bedingt möglich gewesen, schließlich gebe es bei den einzelnen Zelten unterschiedliche Kostenstrukturen, und die gestiegene Pacht komme ja auch noch dazu.

Peter Inselkammer vom Armbrustschützenzelt, Sprecher der großen Wiesnwirte, nennt denn auch die Umsatzpacht als Hauptgrund für die Preiserhöhung: "Das sind noch einmal 53 Prozent mehr als 2017, das hat sich natürlich deutlich auf die Kalkulation ausgewirkt." Hinzu kämen noch leichte Preiserhöhungen für das Festbier bei den Brauereien und die üblichen Kostensteigerungen für den Zeltaufbau, bei Zulieferern und Lohnkosten. "Da haben alle unterschiedliche Vereinbarungen und Konditionen, die sich auf den Preis auswirken." Die Wirte, sagt er, wären gerne moderater geblieben: "Wir sehen ja auch, dass es bei unseren Gästen eine Schmerzgrenze gibt."

Nicht so leicht erklärlich sind die Preissteigerungen jedoch auf der Oiden Wiesn. Dort verlangt das Herzkasperlzelt 11,20 Euro (statt 10,70), das Festzelt Tradition 11,10 Euro (statt 10,65), obwohl beide Zelte gar nicht von der neuen Umsatzpacht betroffen sind und nach wie vor die festen Standgebühren zahlen. Das Volkssängerzelt auf der Oiden Wiesn verlangt wohl deshalb nur 25 Cent mehr als 2017, das Museumszelt lediglich 20 Cent.

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