Oktoberfest Wie unerbittlich zum Oktoberfest abgeschleppt wird

Man könnte es mitgekriegt haben, dass in München zum Oktoberfest immer ganz unerbittlich abgeschleppt wird. Manche würden trotzdem gern kurz vorm Zelteingang parken.

(Foto: Robert Haas)

Mancher Autofahrer würde am liebsten kurz vor dem Zelteingang parken. Ganz schlechte Idee, findet Robert Rastofer, Disponent beim Abschleppdienst Eichenseher.

Interview von Franziska Schwarz

Zur Wiesn-Zeit haben die etwa hundert Mitarbeiter vom Abschleppdienst Eichenseher Urlaubssperre. "Damit die ganze Mannschaft da ist", sagt Robert Rastofer. Er ist Leiter der Disposition bei Eichenseher und seit 28 Jahren in dem Betrieb. Bis vor acht Jahren war er noch selbst Fahrer.

Normalerweise rückt der Dienst etwa 200 Mal am Tag aus, um vor allem falsch geparkte Fahrzeuge sicherzustellen - zur Oktoberfest-Zeit dann eher 300 Mal. Eichenseher ist als größter Abschleppdienst der Stadt zuständig für das Gebiet rund um die Festwiese, in einem Radius von etwa sieben Kilometern. Den Job vergibt die Polizei per öffentlicher Ausschreibung. Warum wird das Bierfest dennoch zum Autotreff? Ein Anruf.

Was Sie wissen müssen, wenn Sie abgeschleppt wurden

Wie viel kostet es? Wo steht das Auto jetzt? Und war es überhaupt rechtens? Von Toni Wölfl mehr ...

SZ.de: Wer fährt denn mit dem Auto zur Wiesn, auf der doch üblicherweise Alkohol konsumiert wird?

Robert Rastofer: Das kann ich mir seit 28 Jahren auch nicht so recht erklären. Ich vermute, das sind dann Menschen, die von ihrer Gruppe zum Autofahren abbestellt wurden. In den sternförmigen Zufahrtsstraßen zum Oktoberfest haben wir in der Zeit am meisten zu tun. Das Erstaunliche an unserer Statistik: Der Anteil der Falschparker mit Münchner Kennzeichen ist sehr hoch, er liegt etwa zwischen 60 und 70 Prozent.

Es parken also auch die Ortskundigen falsch?

Gut, wenn wir das sogenannte Italiener-Wochenende haben, da ist natürlich die Anzahl an abtransportierten Wohnmobilen größer als sonst. Aber meist sind es die Einheimischen.

Was für Modelle schleppen Sie am häufigsten ab?

Ich würde die meisten als durchschnittliche Autos bezeichnen. Natürlich haben wir auch immer Fälle, in denen Menschen mit ihrem Porsche quasi bis vor die Tür des Oktoberfests fahren. Einmal hatten wir einen Falschparker, dessen Auto gleich dreimal von der Wiesn entfernt wurde - an einem Tag. Das war ein recht schicker SUV. Ich weiß nicht, ob der Besitzer das Auto nach dem dritten Mal auch so schnell wieder abgeholt hat. Vielleicht war das auch ein Chauffeur. Die zentrale Verwahrstelle für die Autos ist im Münchner Osten.

Falschparken geht ja schon ins Geld.

Es beläuft sich meist auf 250 bis 300 Euro. Das beinhaltet aber auch das Bußgeld, die Verwaltungskosten, und die Kosten für die Verwahrung auf einem abgeschlossenen Gelände in Trudering. Für unseren Abschleppdienst selbst bekommen wir dabei etwa 120 Euro.

Was für Dramen spielen sich beim Abschleppen ab?

Am vergangenen Wochenende passierte mal wieder ein klassischer Fall: Mann und Frau waren jeweils mit ihrem Auto auf dem Fest und hatten falsch geparkt. Während des Trachtenzugs, bei dem die Straßen gesperrt sind. Sein Auto wurde nach Trudering abgeschleppt. Sie galt als "Leerfahrt", das heißt, sie kam noch während des Abschleppens zurück und ihr Auto wurde dann nicht entfernt. Natürlich stand für sie trotzdem eine Rechnung vom Polizeipräsidium an. Sie wollte die Rechnung unbedingt bei uns begleichen. Das ist uns leider nicht möglich. Wir hatten sie bestimmt zehn Mal am Telefon, und sie bot auch an, mehr zu bezahlen. Wahrscheinlich durfte sie aus irgendeinem Grund zu dieser Zeit nicht an diesem Ort sein, wegen eines Ehemanns oder Partners, und der Polizei-Brief sollte nicht bei ihr zuhause ankommen.

Gibt es ein typisches Falschverhalten zur Wiesn?

Naja, die Münchner Autofahrer haben manchmal die merkwürdige Angewohnheit, dass sie sich schon im Auto anstellen - während wir noch ein anderes Fahrzeug abschleppen. Da wird ja eine Parklücke frei, denken die sich wohl. Trotzdem eine schlechte Idee.

Wenn die Wiesn-Liebe einen zweiten Anlauf braucht

Heiligabend-Syndrom könnte man das Phänomen nennen - wenn man sich ein ganzes Jahr auf ein Event freut und der Funke nicht gleich überspringt. Kolumne von Laura Kaufmann mehr...