Oktoberfest Wer einmal aufs Klo geht, muss immer wieder - stimmt das?

Wegweiser auf dem Oktoberfest für Menschen mit einem Bedürfnis und tiefen Fragen. Es scheint aber recht simpel: Was rein muss, muss auch wieder raus. Mehr oder weniger.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Diese Frage stellen Wiesnbesucher sich immer wieder. Ein Urologe klärt auf, was an diesem Bierzelt-Mythos dran ist.

Von Franziska Schwarz

Es gibt auf der Wiesn eine Regel: Brich niemals das Siegel!", behauptet der Münchner Lokal-Promi Harry G. Im Englischen ist sie bekannt unter "Don't break the seal" und besagt, dass man nach dem ersten Getränk so lange wie möglich mit dem Austreten warten sollte. Sonst komme der Harndrang anschließend umso öfter.

Die Wiesn-Besucher streiten darüber, ob der "Brich-das-Siegel-nicht"-Ratschlag stimmt. Das Magazin Vice gab Harry G kürzlich recht. Begründung: Die Blase könne sich bis zu einem gewissen Grad an den Harndrang anpassen, und im angeheiterten Zustand vergesse man sie überdies leichter. Doch nach dem ersten Toilettengang sei das nicht mehr möglich. Mit fünf Arealen im Gehirn seien die Rezeptoren in der Blase verbunden. Und wenn die Blase an einem Wiesn-Abend erstmal Aufmerksamkeit bekommen habe, lasse sie sich nicht mehr vergessen.

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Das ist Quatsch, sagt Holger Uhthoff, Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BDU). Wann man zum ersten Mal die Toilette aufsuche, habe keinerlei Effekt darauf, wie oft man später gehen müsse. Er empfiehlt sogar, mit dem Austreten nicht zu lange zu warten. "Im Extremfall kann das lange Warten, allerdings ausschließlich bei Männern, zur akuten Harnsperre führen - der Wiesn Besuch endet dann in der Urologischen Ambulanz zur Katheter-Einlage."

Ab 300 Milliliter Flüssigkeit in der Blase verspürt man Harndrang; ab 800 Milliliter werde es dann schon schwierig, die Toilette nicht aufzusuchen. "Trainieren" kann man die Blase nur bedingt. Bei einer vergrößerten Prostata kann die Blase zwar auf mehr als einen Liter Füllungsvermögen überdehnt sein, dieser Prozess läuft aber langfristig ab.

Was zumindest wissenschaftlich gesichert ist: Nach Alkoholkonsum drosselt das Gehirn vorübergehend den Ausstoß von Vasopressin, einem antidiuretischen Hormon, kurz ADH. Vasopressin sorgt dafür, dass die Nieren Flüssigkeit länger im Körper behalten. Bei weniger zirkulierendem ADH dagegen gelangt die Flüssigkeit schneller in die Blase, da stimmt auch Urologe Uhthoff zu. Wasser ist deshalb weniger harntreibend als die gleiche Menge Bier, oder anders gesagt, bei Bierkonsum produziert der Körper schneller Urin als sonst.

Kurz: Was in den Körper reinkommt, muss auch wieder raus, bei Alkohol noch dringender. Die Regel "Brich' das Siegel nicht" kann man also vergessen. Eine andere Wiesn-Regel von Harry G hingegen ist vielleicht schon eher belastbar: "Versuch' niemals, den Türsteher mit so einem mickrigen Zehner zu bestechen."

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