Oktoberfest 2015 Wer eine Lizenz für die Wiesn bekommt

Aus is und gar is: Die Hühnerbraterei Poschner mit ihren 350 Plätzen war mehr als 80 Jahre lang auf dem Oktoberfest vertreten.

(Foto: Poschner)
  • Der Stadtrat hat über die Zulassungen für die Wiesn 2015 entschieden.
  • Die Hühnerbraterei Poschner hat keine Lizenz bekommen, das Schützenzelt bekommt ein anderes Format.
  • An Stelle der Hühnerbraterei kommt Josef Able zum Zug, der ältere Bruder von Siegfried Able.
Von Franz Kotteder

Die Hühnerbraterei Poschner ist nach mehr als 80 Jahren nicht mehr auf der Wiesn vertreten, und das Schützenzelt wird zugleich kleiner und größer. Das sind dann aber auch schon die wesentlichen Überraschungen bei der Zulassung für die Wiesn 2015. Am Dienstag diskutierte der Stadtratsausschuss für Arbeit und Wirtschaft in nichtöffentlicher Sitzung eine Dreiviertelstunde lang über die Bewerbungen für das diesjährige Oktoberfest. In den großen Bierzelten bleibt alles unverändert: Wer im vergangenen Jahr dort Wirt war, wird es auch in diesem Jahr sein. Das gilt auch für Siegfried Able, der 2014 zum ersten Mal mit seinem Marstall-Zelt anstelle des Hippodroms von Sepp Krätz auf dem Oktoberfest vertreten war.

Beschlossen wurde - dem Vernehmen nach gegen Stimmen aus den Reihen der Grünen - eine erhebliche Sitzplatzerweiterung für die Schützenfesthalle von Ludwig und Matthias Reinbold. Statt bisher 5500 Plätze soll sie künftig 7000 Plätze bekommen, gleichzeitig aber schmaler werden. Aus Sicherheitsgründen muss der Abstand zum Winzerer Fähndl nämlich größer werden. Besonders an den Wochenenden, wenn viele Besucher auf die Wiesn strömten, wurde es zwischen den beiden Zelten oft gefährlich eng.

Hühnerbraterei Poschner ist nicht mehr dabei

Eine einschneidende Veränderung gibt es auch bei den 20 kleinen Wiesnwirten. Hier ist es der Hühnerbraterei Poschner nicht gelungen, den Standplatz für ihr 35 Meter langes und zwölf Meter breites Zelt zu behalten. Pikante Wendung: An Stelle der Hühnerbraterei kommt Josef Able zum Zug, der ältere Bruder von Siegfried Able. Die beiden Brüder sind allerdings nicht besonders gut aufeinander zu sprechen.

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Bisher hatte Josef Able zusammen mit seiner Frau Claudia einen Spanferkel-Imbiss an der südwestlichen Ecke des Löwenbräuzeltes. Für ein größeres Zelt hatte er sich zusammen mit seinen Söhnen Daniel und Sebastian beworben, die derzeit die Schlosswirtschaft Oberschleißheim betreiben. Was genau geplant ist, will Sohn Daniel derzeit noch nicht verraten: "Wir haben von der Stadt ja noch keine Bestätigung, dass wir überhaupt zugelassen sind." Ihr Konzept wollen sie demnächst vorstellen.

1214 Bewerbungen um Standplätze

Inhaber Berni Luff von der Hühnerbraterei Poschner, die seit den Dreißigerjahren auf der Wiesn vertreten war, möchte zur Entscheidung des Stadtrats "derzeit keinen Kommentar" abgeben. Er wolle erst die offizielle Benachrichtigung durch die Stadt abwarten und dann über weitere Schritte entscheiden. Warum die Hühnerbraterei bei der Punktebewertung durch die städtische Bewertungskommission in diesem Jahr so schlecht abgeschnitten hat, drang aus der Sitzung nicht nach außen.

Insgesamt hatte der Wirtschaftsausschuss mehr als 1214 Bewerbungen um Standplätze auf dem Oktoberfest zu entscheiden, im Vorjahr waren es noch 1310 gewesen. Die Bandbreite reicht dabei vom großen Bierzelt bis zum Zuckerwattestand, von der Achterbahn bis zum Flohzirkus. 568 Bewerber werden in diesem Jahr zugelassen, im vergangenen Jahr war es noch einer mehr gewesen.

Ursprünglich hatte die FDP-Stadträtin Gabriele Neff eine Vertagung gefordert. Denn an diesem Mittwoch tagt beim Zweiten Bürgermeister Josef Schmid (CSU) ein interfraktioneller Arbeitskreis, der sich mit der Reservierungspraxis auf der Wiesn und dem künftigen Bewertungssystem für Bewerber befassen soll. Neff ließ sich davon überzeugen, dass die Entscheidung wegen der Aufbauphase nicht hinausgeschoben werden sollte.

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