Oktoberfest Warum Bürgermeister Schmid das Ponyreiten nicht verbieten will

In Dachau hat der Stadtrat das Ponyreiten auf dem Volksfest inzwischen verboten, in München wird munter debattiert.

(Foto: Toni Heigl)
  • Der Arbeits- und Wirtschaftsausschuss des Münchner Stadtrats debattiert über das Thema Ponyreiten auf städtischen Veranstaltungen.
  • Die SPD will ein Verbot, CSU-Bürgermeister Schmid hält alle Auflagen für erfüllt und sperrt sich dagegen.
  • Das Münchner Veterinäramt hat bei seinen Kontrollen in den vergangenen Jahren keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt.
Von Dominik Hutter

Für kleine Kinder ist es ein Riesenspaß, für Tierschützer dagegen der blanke Horror: Ponyreiten auf dem Oktoberfest und der Auer Dult. Stunde um Stunde immer im Kreis, dazu permanentes Volksfestgedudel - geht es nach der Rathaus-SPD, werden die Tiere im eigenen Interesse so schnell wie möglich von den städtischen Veranstaltungen verbannt. Das Thema steht an diesem Dienstag auf der Tagesordnung des Arbeits- und Wirtschaftsausschusses, in dem heftige Debatten zu erwarten sind.

Denn der zuständige Referent, Bürgermeister Josef Schmid (CSU), sieht alle Belange des Tierschutzes gewährleistet und will deshalb auf ein Verbot verzichten. Reitbahnen seien mittlerweile eine der wenigen Möglichkeiten, bei denen Stadtkinder direkten Kontakt zu Tieren haben können. Dieses Argument freilich ist unter Tierliebhabern umstritten. Kinder erhielten auf der Reitbahn ein völlig falsches Bild von Pferden, die eigentlich Fluchttiere seien, warnt Judith Brettmeister vom Münchner Tierschutzverein.

Abgehalftert

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Kein Mehrwert für die Volksfest-Besucher

Für die Tiere selbst sei der ständige Kreisverkehr eine "Riesenkatastrophe". Grünen-Stadträtin Katrin Habenschaden kann keinen "Mehrwert" für kleine Münchner erkennen. "Es gibt keinerlei Interaktion", hat die Mutter zweier Kinder beobachtet. Es sei einfach nur "ärgerlich", dass Schmid die kleinen Manegen weiterhin erlauben will. Selbst wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden: "Das ist keine artgerechte Tätigkeit", so Habenschaden. Letztlich handle es sich um "Tierquälerei ohne Not".

Auch die SPD hatte in ihrem Verbotsantrag vom vergangenen November die "permanente Lärmbeschallung und das stupide Im-Kreis-Gehen" kritisiert. Die einseitige Belastung der Beine führe zu Schäden am Skelett der Ponys. Zudem könnten laute Musik, Besucherlärm und die zuckenden Lichter der Karussells Stress und Panik auslösen. Die Sozialdemokraten wollen Schmid deshalb auflaufen lassen und an ihrem Verbotsantrag festhalten - mit Rücksicht auf die Schausteller aber erst von 2018 an. Der Bündnispartner CSU hingegen will vor einer abschließenden Entscheidung erst noch ein tierärztliches Gutachten bei der Universität in Auftrag geben.

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Die Debatte wird bundesweit geführt

Die Debatte über Ponyreitbahnen wird schon seit einiger Zeit bundesweit geführt. Für den Stuttgarter Wasen haben die örtlichen Grünen ein Verbot beantragt, in Hamburg sammelten Tierschützer 13 000 Unterschriften. Der Dachauer Stadtrat hat bereits beschlossen, beim Volksfest 2016 keine Ponyreitbahn mehr zu genehmigen. In München läuft eine Online-Petition - mit bislang gut 31 000 Unterstützern.

Das Münchner Veterinäramt hat bei seinen Kontrollen in den vergangenen Jahren allerdings keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt. Im Vergleich zu anderweitig genutzten Pferden seien "keine speziellen gesundheitlichen Probleme" der Wiesn- und Dult-Ponys erkennbar, so die Behörde, auf deren Expertise sich die Argumentation des Wirtschaftsreferats stützt. Auch starken Stress, etwa durch Lärm, habe man nicht diagnostiziert. Die Tiere zeigten typische Reaktionen und litten nicht unter häufigen Krankheiten.

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Dem Verbot könnten weitere folgen

Auf Wunsch der CSU-Stadtratsfraktion hat das Veterinäramt zudem untersucht, was denn mit den Ponys im Falle eines Verbots geschähe. Grundsätzlich in Frage kämen ein Verkauf oder aber der Gnadenhof, so die Behörde. Eine Tötung komme nur in Frage, wenn ein Tierarzt eine schwere Krankheit diagnostiziert oder aber wenn ein sonstiger vernünftiger Grund vorliegt - wozu auch die Übergabe an den Pferdemetzger gehört. Dies komme aber wegen der arzneimittelrechtlichen Bestimmungen bei einem Teil der Tiere nicht in Frage.

Schmid fürchtet zudem, dass einem Pony-Verbot weitere Vetos folgen könnten: bei den Pferdekutschen im Englischen Garten etwa, für die Wiesn-Bierkutschen, im Tierpark Hellabrunn oder bei der Pferdeshow Apassionata.