Oktoberfest "Sie ist die Chefin im Ring"

Angie Ehegartner hat viele Stammgäste in der Hühnerbraterei Poschner - und einen Chef, den sie schon kannte, als er noch ein kleiner Junge war (im Bild links, rechts Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt).

(Foto: Robert Haas)

Angie Ehegartner bedient seit 50 Jahren in der Hühnerbraterei Poschner. Die Stammgäste erzählen nur Gutes von ihr - manch einer wollte sie sogar heiraten.

Von Franz Kotteder

"Setzt Euch bitte da rüber, hier hat die Brauerei reserviert!" Es ist gar nicht so einfach, ein Interview mit der Jubilarin zu führen, denn die ist wirklich gut beschäftigt. Und das seit mittlerweile 50 Jahren, denn Angie Ehegartner, 76, bedient seit 1967 in der Hühnerbraterei Poschner ihre Gäste. Am Donnerstagmittag - ausgerechnet im Mittagstrubel, wird sie sich gedacht haben - wurde sie dafür von der Hacker-Pschorr-Brauerei geehrt.

"Sie ist die Chefin im Ring", sagt Berni Luff, der die Hühnerbraterei in zweiter Generation betreibt. Das ist ein bisschen ironisch gemeint, "denn eigentlich sind wir ja hier eine einzige Familie". Mit Hierarchien kommt man da nicht weit, schließlich kennt man sich seit Ewigkeiten: "Die Angie war ja schon da, als ich noch ein kleiner Bub war."

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Überhaupt ist die Hühnerbraterei fast schon eine Art Hobby für die Luffs, die eigentlich einen Fleisch- und Wurstwarengroßhandel haben: Die Hühnerbraterei steht nur auf dem Oktoberfest und reist nicht herum, und das seit gut 80 Jahren, "mit Ausnahme des einen, unsinnigen Jahres, in dem wir nicht herdurften". 2015 hatte Poschner pausieren müssen, weil die Hühnerbraterei in der Bewertung weniger Punkte als der Konkurrent Goldener Hahn bekommen hatte.

Dass Ehegartner ihren Job "mit Leidenschaft und Herzblut" betreibt, wie Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt sagt, das ist unverkennbar, weniger jedoch, dass sie "die Chefs vom Poschner sauber rumkommandiert", wie er scherzhaft ergänzt. Kann so schlimm nicht sein, denn Chef Berni Luff schwärmt sowieso von Angie, ähnlich wie ihre Stammgäste, die nur Bestes von ihr erzählen. "Die Angie ist immer nett und immer freundlich", sagt zum Beispiel Dorle Rainer, "und deshalb komme ich auch seit 30 Jahren immer hierher."

Seit 50 Jahren als Bedienung auf der Wiesn: Angie Ehegartner

(Foto: Robert Haas)

Vor 30 Jahren gab es auch einmal einen Herren, erzählt Angie Ehegartner später, der fast jeden Tag zum Poschner kam und ihr dann prompt einen Heiratsantrag machte. "Der wäre schon eine gute Partie gewesen", sagt sie, "aber ich hatte ja schon einen Mann." Überhaupt hat es in der Zeit eine ganze Menge Heiratsanträge gegeben für sie, meint sie, aber: wie gesagt!

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Vor 55 Jahren kam sie aus ihrer Heimat, dem Bayerischen Wald, nach München und arbeitete als Sekretärin in einer Druckerei. Eine Bekannte erzählte ihr irgendwann von einer freien Stelle beim Poschner, und so begann das alles. "Damals gab es noch Biermadeln und Bierbuam", erzählt sie, heute schleppen die Männer die schweren Krüge, und die Frauen bringen das Essen.

Ehegartner ist für 52 Plätze zuständig, am Tag sind es wohl gut an die 600 Enten und 800 Hendl, die sie aus der Küche trägt. Für die Wiesn selbst hat sie da keine Zeit mehr. In den 50 Jahren hat sie es nur einmal ins Riesenrad geschafft, "zusammen mit meiner Chefin, der Frau Poschner. Das war an einem Tag, an dem einmal ganz wenig los war."

Angie Ehegartner hat es schon lieber, wenn viel los ist, keine Frage. Und offenbar legt sie auch gerne weite Strecken zurück: Früher ist sie Radrennen gefahren, erzählt sie, noch immer ist sie mit dem Mountainbike unterwegs, an die 3500 Kilometer im Jahr. "Künftig mit dem E-Bike", sagt sie und lacht, "ich werde im November 77, da darf man das!"

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