Oktoberfest Messerstecherei auf der Wiesn: Millionärsfreundin steht vor Gericht

Vor dem Eingang zum Käferzelt spielte sich die Attacke ab. Dabei habe alles als "schöner, guter Abend" begonnen, sagt die Angeklagte.

(Foto: Getty)
  • Melanie M. hat im vergangenen Jahr auf der Wiesn einen Lkw-Fahrer niedergestochen.
  • Seit Montag muss sie sich vor dem Landgericht München I verantworten.
  • Die Frau sagt, sie habe sich bedroht gefühlt - und nur den Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela verteidigt.
Von Andreas Salch

Die Lebensgefährtin eines Hamburger Multimillionärs, die im vergangenen Jahr auf der Wiesn vor dem Käferzelt einen Lkw-Fahrer niedergestochen hat, muss sich seit diesem Montag vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die 34-jährige Melanie M. Anklage wegen versuchten Mordes erhoben.

Die mutmaßliche Tat geschah am 19. September, dem ersten Wiesn-Tag. Melanie M. feierte am Abend jenes Tages mit ihrem Verlobten sowie Freunden und Bekannten, darunter der ehemalige Fußball-Nationalspieler Patrick Owomoyela, im Käfer-Zelt. Die 34-Jährige soll erhebliche Mengen Alkohol getrunken haben. "Es war ein schöner, guter Abend, wir waren alle fröhlich", sagte Melanie M. bei ihrer Vernehmung durch den Vorsitzenden der 2. Strafkammer, Richter Norbert Riedmann.

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Er sei auf der Wiesn rassistisch beschimpft worden. In der Folge eskalierte der Streit vor dem Zelt - und eine Hamburgerin stach zu. mehr ...

Vor der Messerattacke allerdings war es gegen 1 Uhr zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung zwischen einem Freund des Lkw-Fahrers und Melanie M. gekommen. Auslöser sollen rassistische Äußerungen des Mannes gegenüber Patrick Owomoyela gewesen sein. Angeblich sagte er in Richtung des 36-jährigen Ex-Profis: "Sind die Flüchtlinge schon auf der Wiesn."

Owomoyelas Vater stammt aus Nigeria. Seine Mutter ist Deutsche. In dieser Situation soll sich Melanie M. in den Streit eingemischt haben. Die Situation beruhigte sich zwar. Doch vor dem Käfer-Zelt ging der Streit weiter. Der Freund des Lkw-Fahrers soll Patrick Owomoyela erneut als "Flüchtling" bezeichnet haben. Owomoyela schubste den Mann, so dass er zu Boden fiel.

"Der war auf Krawall gebürstet, vollkommen aggressiv"

Unter Tränen schilderte Melanie M. dem Gericht, wie der Lkw-Fahrer hierauf auf Patrick Owomoyela losgestürmt sei und ihn auf übelste Weise rassistisch beleidigt habe. "Hau ab aus Deutschland", soll er unter anderem zu dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler gesagt haben.

Der Lkw-Fahrer, der ebenfalls mehrere Maß Bier getrunken hatte, sei "vollkommen irre gewesen", so die Angeklagte. "Der war auf Krawall gebürstet, vollkommen aggressiv."

Als sie und Freunde Patrick Owomoyela von dem Lkw-Fahrer wegziehen wollten, seien sie von diesem ebenfalls übel beschimpft worden. Sie habe gedacht, so die 34-Jährige: "Der bringt mich um." Sie habe "totale Panik bekommen", so Melanie M. und habe versucht, den Lkw-Fahrer, der sie an der rechten Schulter gepackt habe, abzuwehren. "Doch er ließ nicht los."

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Melanie M. zog ein Klappmesser mit einer sieben bis acht Zentimeter langen Klinge aus ihrer Handtasche, die sie quer über der Brust trug. Warum sie ein Messer dabei gehabt habe, will Richter Riedmann wissen. Sie sei ein "ziemlich ängstlicher Typ", antwortete M.

Bei dem Angriff wurde die Milz des Lkw-Fahrers durchstochen

Laut den Ermittlungen soll der Lkw-Fahrer die Frau nicht mehr an der Schulter festgehalten haben, als diese ihn angriff. Die 34-Jährige traf ihr Opfer der Anklage zufolge mit einer "schneidenden Bewegung am Hals". Weit gravierender war jedoch ein angeblich mit Wucht ausgeführter Messerstoß in die linke Bauchseite des Lkw-Fahrers. Dabei wurde dessen Milz durchstochen. Der 34-Jährige verlor zwei Liter Blut. Bei einer Notoperation musste die Milz entfernt werden.

Nach der mutmaßlichen Messerattacke war Melanie M. geflüchtet. Ihr Klappmesser warf sie weg. "Ich war vollkommen fertig", sagte sie bei ihrer Vernehmung. Sie habe sich eingeredet, das nichts passiert sei. Schließlich fuhr sie mit ihrem Verlobten, der von der Auseinandersetzung mit dem Lkw-Fahrer nichts mitbekommen habe, ins P 1, um dort weiter zu feiern.

Einen Tag später erfuhr M., dass der Lkw-Fahrer mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Sie stellte sich der Polizei, kam aber wieder auf freien Fuß. Anfang Oktober vorigen Jahres erließ das Landgericht München I jedoch einen Haftbefehl. Der Lkw-Fahrer sagte vor Gericht, er habe nach wie vor Schmerzen. "Die psychischen Folgen sind aber schlimmer." Der Prozess dauert an.

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