Von Claudia Wessel

Es war die kälteste Wiesn seit Jahren - die Wirte kommen bei sechs Millionen Besuchern dennoch auf ihre Kosten.

"Ich muss meine Jacke noch zumachen", sagt der Mann, über dem sich gerade der Sicherheitsbügel des "Frisbee" schließt. "Mir ist kalt." Doch leider ist es bereits zu spät, gegen den eisigen Fahrwind lässt sich nun nichts mehr machen. Da hilft nur noch Verdrängung, eine Kunst, die offenbar viele und vor allem junge Wiesngäste beherrschen.

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Pfüa Gott, Wiesn! Am Sonntag war der letzte Tag des 175. Oktoberfests. (© Foto: dpa)

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Die Tracht will schließlich gesehen werden, da gibt es keine Gnade. "Ich kann doch zum Dirndl keinen Wintermantel tragen", sagt etwa die junge Frau, die von ihrem Freund ermahnt wird, weil sie sich zu dünn angezogen hat an diesem Samstag, an dem sich ein Regenschauer an den nächsten reiht und die Sonne nur einmal um genau 15.02 Uhr für wenige Minuten aus den Wolken schaut.

Die Meinung der jungen Besucherin teilen offensichtlich 90 Prozent der Wiesngäste. Zum Dirndl gibt's allenfalls ein Strickjäckchen, zur Lederhosn am besten nur ein Hemd. Der Wille zum stilechten Feiern wiegt eben stärker als jeder noch so kalte Herbsteinbruch.

Das 175. Oktoberfest war tatsächlich das kälteste seit Jahrzehnten. "Ich habe noch nie eine so durchgängig kalte Wiesn erlebt", sagt Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl, und sie ist immerhin schon seit 1985 im Amt. Ein Tiefdruckgebiet über Südskandinavien sei Schuld an der Witterung gewesen, berichtet die Festleiterin, die in den vergangenen beiden Wochen täglich hoffnungsvoll den Wetterbericht studiert hat.

Doch gegen die "subpolare Meeresluft" konnte sich leider kein Altweibersommer durchsetzen. Erst am Sonntag, dem allerletzten Wiesntag, zeigte sich der Herbst von seiner goldenen Seite. "Für den Abbau haben wir dann ideales Wiesnwetter", spottete Wirte-Sprecher und Chef des Hackerzeltes, Toni Roiderer.

Mögen auch in den kommenden Tagen einige Menschen hier und in aller Welt ihren Wiesn-Schnupfen auskurieren müssen, für die Wirte hat sich auch das Oktoberfest 2008 gelohnt. In den Zelten jedenfalls war die Stimmung stets am Kochen, wie der Konsum von 6,6 Millionen Maß Bier verrät. Der Rückgang um 300000 Maß erklärt sich durch die im Regen verwaisten Biergärten.

Auch das Essen ließen sich die Glücklichen, die in den warmen Zelten Unterschlupf fanden, reichlich schmecken. So wurden genauso wie im vergangenen Jahr 104 Ochsen verspeist. Die Bilanz insgesamt betrachtet, ließen sich nur rund 200000 potentielle Wiesngänger von der Kälte abschrecken: Auch heuer kamen rund sechs Millionen Besucher auf die Theresienwiese, 2007 waren es 6,2 Millionen gewesen.

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