Oktoberfest 2016 "Eine Doppelhaushälfte sollt' scho übrig bleiben"

Auf dem Oktoberfest kostet die Mass Bier in den meisten Zelten nun 10,60 Euro. Die Wirte rechtfertigen das mit gestiegenen Kosten - und Selbstbewusstsein.

Von Franz Kotteder

Das Oktoberfest lebt auch von seinen Ritualen, und zu denen gehört die alljährliche Bierpreiserhöhung, die Mitte Juni verkündet wird. In diesem Jahr lautet die Höchstmarke: 10,70 Euro für die Mass Wiesnbier. So viel will man im kleinen Zelt Zur Bratwurst vom Gast haben. In fast allen anderen großen Zelten wird 10,60 Euro verlangt, am günstigsten sind die Augustiner-Festhalle mit 10,40 Euro, gefolgt von der Ochsenbraterei mit 10,45 Euro sowie dem Armbrustschützen- und dem Schottenhamel-Zelt mit jeweils 10,55 Euro. Statistisch gesehen ist also alles wie immer, die Preise steigen in den meisten Zelten um die 30 Cent fürs Festbier. Im Durchschnitt macht das 3,11 Prozent aus, im vergangenen Jahr waren es 3,17 Prozent.

Ansonsten gibt es schwankende Preise bei den Getränken. Für die Mass Weißbier zahlt man im Weinzelt, in dem es sonst kein Bier gibt, heuer satte 15,60 Euro, sonst kostet sie zwischen 11,40 Euro (Kalbsbraterei, Zur Bratwurst) und 14,80 Euro (Käfer). Derartige Preissteigerungen sind aber normal, sie vorherzusagen erfordern keinerlei prophetische Gaben. Aber natürlich freut sich - außer den Wirten - niemand darüber.

Die nicht so armen Wiesn-Wirte

Dass der Preis für die Mass von Jahr zu Jahr steigt, folgt anscheinend einem Naturgesetz. Es wäre gut, wenn die Kriterien für die Zulassung zur Wiesn ähnlich unangreifbar wären. Kommentar von Franz Kotteder mehr ...

Der fürs Oktoberfest zuständige Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) ließ am Donnerstag jedenfalls vorsichtshalber verlauten: "Fakt ist: Die Getränkepreise auf der Wiesn werden nicht von der Stadt gemacht. Ich bin über den Erhöhungs-Automatismus auch nicht glücklich."

Entspannter geht Toni Roiderer vom Hackerzelt, der Sprecher der Wiesnwirte, damit um. Er sagt das, was er traditionell immer sagt: "Die Frage lautet doch, wie wir es schaffen, so ein herrliches Bier zu einem so günstigen Preis anzubieten?" Und dann, wieder etwas ernster werdend: "Die Preise steigen halt wegen höherer Kosten von Zulieferern, gestiegene Löhne für das Personal beim Auf- und Abbau und beim Betrieb, wegen neuer Auflagen und durch höhere Sicherheitskosten."

Das ist nicht nur in den großen Festhallen so, sondern auch in den kleinen Wirtszelten und Hühnerbratereien. Bei denen gelten noch ein paar Besonderheiten. Werner Hochreiter von der Bratwurst erklärt, warum er ein Zehnerl mehr verlangt als andere: "Wir haben keine Biercontainer, sondern Holzfässer, da brauchen wir mehr Personal und mehr Schankkellner, das wirkt sich halt auf den Preis aus."

Ähnliches gelte für die Wildstuben, dort kostet die Mass aus dem Holzfass 10,65 Euro. Ansonsten bewegen sich die Bierpreise bei den kleinen Zelten zwischen 10,40 und 10,60 Euro. Kräftig hingelangt haben diesmal die Vinzenzmurr Metzgerstubn: 2015 waren sie mit exakt zehn Euro noch am günstigsten, jetzt verlangt man 60 Cent mehr.

Lorenz Stiftl, Sprecher der kleinen Wiesnwirte, erklärt die Preisschwankungen dadurch, dass in den großen Zelten oft die Brauereien investierten, nicht die einzelnen Wirte, außerdem durch höhere Aufbaukosten und einen gestiegenen Personalbedarf. Kleine Zelte treffe das härter, bei den großen mache es oft die Masse wieder wett: "Mit mehr Plätzen kann man effektiver arbeiten", sagt er und fügt lachend hinzu: "Wir hätten übrigens kein Problem damit, mehr Plätze zu bedienen."

Auch wenn so ein Zelt gewaltige Kosten mit sich bringt: Sorgen machen muss man sich um die Wirte auch wieder nicht. Roiderer geht selbstbewusst mit der Frage nach dem Einkommen eines Wiesnwirts um: "Ein Spieler vom FC Bayern ist auch nicht mit einem Drittligagehalt zufrieden." Ein anderer Wirt, der nicht genannt werden will, sagt zu seiner persönlichen Wiesn-Bilanz: "Eine Doppelhaushälfte sollt' scho übrig bleiben."

Entenbraterei prüft Klage

Anfang Mai gab die Stadt bekannt, wer 2016 auf die Wiesn darf: Der Traditionsbetrieb Entenbraterei Heimer war überraschend nach mehr als 30 Jahren nicht mehr dabei, ebenso wie der Fisch-Bäda. Dessen Inhaber Peter Lingnau trägt es mit Fassung: "Das liegt halt an der kleineren Wiesn, wegen des Landwirtschaftsfests." Er will die Entscheidung der Stadt nicht anfechten, anders als die Entenbraterei Heimer. Deren Inhaber Ignaz Schmid hat die auf Wirtschafts- und Kommunalrecht spezialisierte Wirtschaftskanzlei Gaßner Rechtsanwälte beauftragt, die Aussichten für eine Klage gegen die Nichtzulassung zu prüfen.

Der Rechtsanwalt Otto Gaßner hat sich der Sache angenommen und nun "detaillierte Akteneinsicht zu den Bewertungen und Entscheidungen für die Zulassung beziehungsweise Ablehnung zur Wiesn 2016" beantragt. Bei einem ersten Termin am vergangenen Dienstag habe man nur sehr unzureichende Auskünfte erhalten. Nun wolle man es genauer wissen und Klage einreichen, falls die Stadt keine überzeugenden Begründungen vorlegen könne.

Die Entenbraterei Heimer ist seit mehreren Jahrzehnten auf dem Oktoberfest vertreten und war heuer nicht zugelassen worden, da sie die erforderliche Punktzahl nicht erreicht hatte. Die Stadt entscheidet nach einem Punktekatalog, in der verschiedenste Kriterien abgefragt und bewertet werden, unter anderem auch die Volksfesterfahrung der Betreiber und die Attraktivität des Betriebs fürs Publikum. Im Jahr 2015 musste schon die Hühnerbraterei Poschner nach 80 Jahren auf der Wiesn überraschend ihren Standplatz räumen, sie ist in diesem Jahr aber wieder dabei. fjk