Oktoberfest 2011 Ein Name mit weichem Klang

Tausende Münchner haben abgestimmt, nun hat sich die Jury entschieden. Der Name für die Historische Wiesn steht fest.

Von Astrid Becker und Christian Mayer

Die Vorschläge reichten von "Gmiatlicher Wiesn", "Gründer-Wiesn", "Minga-Wiesn" bis hin zu "S'Wieserl". Am Ende entschied sich die Jury jedoch für den Namen "Oide Wiesn" - so wird also der historische Part des Oktoberfests künftig heißen. Aus tausenden Zuschriften hatte das Referat für Arbeit und Wirtschaft 16 Vorschläge ausgewählt, die es dann einem von ihm bestimmten Gremium vorlegte. Der Name stand schon einmal zur Diskussion, als im Stadtrat über die Dauereinrichtung der Historischen Wiesn abgestimmt wurde. "Oide Wiesn" - dieser Vorschlag kam von Wirtschaftsreferent Dieter Reiter selbst, insofern schließt sich nun der Kreis.

Die Details in der Planung für die künftige Oide Wiesn sind bekannt: So wird es dort zwar keine Pferderennen mehr geben, dafür aber wieder die historischen Fahrgeschäfte. Im Mittelpunkt des Ganzen steht das im Innenraum um rund 2000 Plätze vergrößerte historische Festzelt, in dem wie im Vorjahr auch wieder Brauchtumspflege betrieben werden soll. Auch der Eintritt für das bei den Münchnern so beliebte Spektakel wurde bereits festgelegt: auf drei Euro.

Nur zwei entscheidende Punkte blieben bisher offen: Die Frage, welches Bier dort ausgeschenkt wird - und wie der vom normalen Oktoberfest abgetrennte Teil denn nun heißen soll. Diese Entscheidung ist nun gefallen - in einer Art Bürgerbeteiligung über die Münchner Medien. Das letzte Wort aber hatte eine neunköpfige Jury, bestehend aus Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD), Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD), Ehren-Wiesnstadtrat Hermann Memmel, CSU-Fraktionschef Josef Schmid, Lydia Dietrich (Grüne), Gabi Neff (FDP), dem früheren Wiesn-Wirt Richard Süßmeier, Siegfried Bradl vom Förderverein Bairische Sprache sowie Georg Ried, Moderator beim Bayerischen Rundfunk.

Es gab intensive Diskussionen und mehrere Abstimmungsrunden. Das Ergebnis fiel dann mit sechs zu zwei Stimmen: "Oide Wiesn" - weil das Wörtchen "oid" im Bairischen positiv besetzt sei und so charmant klinge, wie es aus Jurykreisen heißt. Auf Platz zwei landete der Vorschlag "Gmiatliche Wiesn". Die Münchner hätten die neue Einrichtung mit den Traditionszelten und der ruhigeren Gangart aber auch gern "Königs-Wiesn", "Urwiesn" oder auch "Altmünchner Wiesn" getauft. Aber Ende setzten sich jedoch die Mehrheit der Bayern 1-Hörer mit ihrer "Oiden Wiesn" durch.

Nicht nur die Münchner Bevölkerung, auch die Lokalpolitik interessiert sich weiter brennend dafür, wie es auf dem südlichen Teil des Oktoberfests künftig weitergehen soll. Schließlich waren es die Bürger, die sich im Oktober 2010 mit einer Unterschriftensammlung an Oberbürgermeister Christian Ude und Wiesnchefin Gabriele Weishäupl gewandt hatten - mit der dringenden Bitte, die Historische Wiesn fortzuführen.

CSU-Fraktionschef Josef Schmid reklamierte den Erfolg des öffentlichen Wettbewerbs am Mittwoch gleich mal für sich - schließlich hatte die CSU dafür plädiert, die Bevölkerung an der Namensentscheidung zu beteiligen. Mit dem Resultat ist Schmid aber nur halb zufrieden. "Mir häten einige Vorschläge aus der Bevölkerung besser gefallen." "Alt-Münchner Wiesn" oder "Gmiatliche Wiesn" hätten "das Lebensgefühl auf dem historischen familiär geprägten Teil des Oktoberfests besser verkörpert", so die CSU, die sich aber immerhin der "demokratischen Mehrheitsentscheidung der Namensfindungskommission" beugen will.

Die oide Wiesn bleibt nun also die oide Wiesn: Diese mit großem Aufwand betriebene Abstimmung hätte auch einem Humoristen wie Karl Valentin gefallen. Auch die Münchner können zufrieden sein - es ist so, wie es war oder wie es sein sollte, auf dem Oktoberfest. Nur alle vier Jahre wird die oide Wiesn gar nicht aufgebaut - wenn das Zentrale Landwirtschaftsfest stattfindet. Für Nostalgie-Fahrgeschäfte und Altmünchner Gerichte ist dann kein Platz.

Schlimmer geht's nimmer!

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