Oktoberfest Billige Helfer

Die Bananen, wie die fahrbaren Rettungstragen im Volksmund heißen, werden in den kommenden vier Jahren womöglich von anderen gefahren.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Aicher Ambulanz könnte dieses Jahr erstmals seit 1885 das Bayerische Rote Kreuz als Sanitätsdienst auf der Wiesn ablösen. Das Privatunternehmen hat offenbar das günstigere Angebot vorgelegt

Von Franz Kotteder

Bisher trugen die Sanitäter der Wiesnwache das runde Zeichen mit dem roten Kreuz auf weißem Grund auf ihrer Einsatzkleidung. In diesem Jahr aber könnte das erstmals nach 133 Jahren anders sein. Denn derzeit sieht es so aus, als ob nicht das Rote Kreuz als Körperschaft des öffentlichen Rechts den Sanitätsdienst übertragen bekommt, sondern das Privatunternehmen Aicher Ambulanz. Wie die Bayerische Staatszeitung jetzt berichtet, scheint Aicher bei der öffentlichen Ausschreibung für die kommenden vier Jahre das günstigere Angebot vorgelegt zu haben. Seit 2011 muss der Sanitätsdienst europaweit ausgeschrieben werden.

1885 war der Münchner Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes auf dem Oktoberfest erstmals zugange. Seit damals hilft er den Feiernden - vor allem dann, wenn ihnen das Bier allzu sehr zu Kopf gestiegen ist, wenn sie sich aus welchen Gründen auch immer verletzt haben oder sonstwie ärztliche Hilfe benötigen. Um die 1000 meist ehrenamtliche Helfer sind während der 16 Wiesntage im Einsatz, außerdem noch 70 Ärzte. "Hervorragend ausgebildete und eingespielte Einsatzteams" sieht der Münchner Rotkreuz-Pressesprecher Martin Prankl am Werk, und außerdem: "Erfahrene Leitungs- und Führungskräfte bei ständig verbesserter technischer Ausstattung und eine perfekte Kommunikation mit Polizei und Feuerwehr machen unsere Stärke aus."

Allerdings ließ sich das Rote Kreuz seine Arbeit von der Stadt offenbar auch gut bezahlen. Wie viel, das möchte niemand verraten. Es dürfte sich jedenfalls um marktübliche Preise handeln, denn sonst könnte ein kommerzieller Anbieter wie Aicher wohl kaum mit dem Roten Kreuz konkurrieren. Aicher hatte sich bereits 2011 für damals noch drei Jahre beworben, den Zuschlag hatte die städtische Vergabestelle aber dem Roten Kreuz erteilt. 2014 war die Hilfsorganisation der einzige Bewerber für den nun auf vier Jahre erweiterten Zeitraum. Damals musste der Stadtrat befasst werden, weil das Angebot den von der Stadtverwaltung geschätzten Auftragswert um 20 Prozent überschritten hatte.

Und nun hat das Rote Kreuz erneut mit dem Konkurrenten Aicher zu tun. Die Ausschreibungsfrist läuft noch bis Ende der Woche, die städtische Vergabestelle äußert sich deshalb nicht zu einzelnen Bewerbungen. Das Rote Kreuz sagt, man wolle sich nicht an Spekulationen in einem laufenden Verfahren beteiligen, habe aber "mit einer schwarzen Null" kalkuliert. Sprecher Prankl: "Unser Ziel ist eine angemessene Wertschätzung für die Arbeit unserer überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter."

Die könnten nun auch bei Aicher anheuern, denn die Firma arbeitet ebenfalls mit saisonalen Helfern, wie sie in ihrer Pressemitteilung betont. An Erfahrung mit Großveranstaltungen stehe man dem Roten Kreuz nicht nach, schließlich arbeite man seit längerem mit der Messe München und dem Flughafen zusammen. Tradition wird jedenfalls bei der Vergabe keinerlei Rolle spielen. "Alleiniges Zuschlagskriterium ist der Preis", hieß es schon in der Stadtratsvorlage zur Ausschreibung für die kommenden vier Jahre bis 2021.