Keine Rekorde, aber tolle Stimmung: Die Schausteller klagen über das schlechte Wetter, doch Wirte und Polizei sind überwiegend zufrieden. Das Oktoberfest geht nach 17 Tagen zu Ende.
Zwischen 6,1 und 6,2 Millionen Menschen besuchten an 17 Wiesntagen das Oktoberfest, das nach dem Willen der Stadt wieder etwas ruhiger und familienfreundlicher werden sollte.
Der Umsatz beim Bier ist leicht zurückgegangen, doch die Wirte sind zufrieden. (© Foto: Reuters)
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Weniger aufpeitschende Hits schon am Nachmittag, weniger Exzesse, dafür mehr traditionelle Blasmusik und vor allem strengere Kontrollen am Eingang zu den Zelten: So hatten sich die Organisatoren das Oktoberfest 2005 vorgestellt.
Nach Ansicht von Weishäupl sei die Stimmung trotzdem hervorragend gewesen, von einer "Flüster-Wiesn", über die in den ersten Tagen in Boulevardzeitungen berichtet worden war, könne keine Rede sein.
"In diesem Jahr haben die Bilder wieder gestimmt. Es ist schön, dass sich auch die ältere Generation wieder wohl fühlt auf dem Oktoberfest", bestätigte Oberbürgermeister Ude. "Eine Ballermann-Kopie oder die größte Techno-Party der Welt brauchen wir nicht."
Etwa sechs Millionen Liter Bier konsumierten die Besucher an den 17 Tagen, im vergangenen Jahr waren es 6,1 Millionen Maß an 16 Tagen gewesen - das macht einen Rückgang um fünf Prozent pro Tag. "Wir führen das auf das schlechte Wetter in der zweiten Woche zurück. Für die Biergärten war es einfach zu nass", erläutert Weishäupl.
Im Gegenzug meldeten die Wirte ein deutliches Umsatzplus beim Essen; einige Zelte konnten sich über zweistellige Steigerungen beim Verkauf von Hendl, Schweinshaxn oder Leberkäs freuen. Insgesamt verspeisten die Besucher 95 Ochsen, sechs mehr als im Vorjahr.
Besonders die Mittags-Wiesn mit ihren Vergünstigungen wurde stark frequentiert, und dass viele Münchner mit ihren Kindern unterwegs waren, lässt sich daran ablesen, dass mehr nichtalkoholische Getränke verkauft wurden. Weniger zufrieden waren die Schausteller, die unter dem Regen der zweiten Woche zu leiden hatten.
Auch wenn das internationale Medieninteresse so groß war wie noch nie und die Pressestelle des Oktoberfests knapp 3000 Journalistenanfragen beantworten musste, wurde die Wiesn mehrheitlich von Einheimischen besucht. Etwa 70 Prozent der Gäste stammten aus Bayern, und die Münchner selbst machten mit 60 Prozent die größte Gruppe aus, schätzt Weishäupl: "Das Oktoberfest ist kein reines Touristenspektakel." Nur 15 Prozent der Besucher reisen aus dem Ausland an.
Auch die Polizei zog gestern eine überwiegend positive Bilanz. Die etwa 300 Polizei- und Kriminalbeamten, die auf der Wiesn im Dienst waren, mussten an den ersten 16 Tagen 1825 Einsätze leisten. Gegenüber dem Vorjahr sei ein leichter Rückgang um zwei Prozent erkennbar, sagte Polizeisprecher Peter Reichl. "Die Maßnahmen der Stadt tragen zu einer spürbaren Entspannung bei."
Rückläufig war die Zahl der gemeldeten Delikte, sie liegt nun bei etwa 1400, während im Vorjahr noch 1690 Straftaten bekannt wurden. Allerdings habe es drei Vergewaltigungen gegeben, eine mehr als 2004. Handgreiflichkeiten endeten oft weniger brutal als im Vorjahr: Die Statistik weist 248 Körperverletzungen auf, davon 106 schwere Fälle.
Die bayerischen Beamten, die von italienischen Kollegen und Bundespolizisten unterstützt wurden, nahmen unter anderem 14 Straßenräuber und 32 Taschendiebe auf frischer Tat fest - auch eine Folge der zwölf Videokameras auf dem Festgelände.
(SZ vom 4.10.2005)
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