Oktoberfest-Attentat 1980 Neue Spuren in die rechte Szene

Bereits einen Tag nach dem Attentat sagten inhaftierte Mitglieder der neonazistischen Deutschen Aktionsgruppen aus, dass jener Lembke zahlreiche Waffen lagere und es einen Zusammenhang zum Wiesnattentat geben könnte. Nach vergeblicher Absuche wurden erst ein Jahr später bei dem Rechtsradikalen durch Zufall tatsächlich Sprengstoff und andere Kampfstoffe entdeckt. Lembke kündigte an, Hintermänner zu benennen, am Morgen der Befragung fand man ihn erhängt in einer Zelle. Die Ermittler in Bayern rührten trotz der Erkenntnisse keinen Finger. Dietrich hat Hinweise, dass Lembke ein V-Mann war.

In den Spurenakten stehen auch Informationen zu einer Gruppe um den damaligen Neonazi Odfried Hepp, mit dem Köhler Kontakt hatte - die Spur wurde aber nie weiterverfolgt. Attentäter Köhler hatte auch Kontakte zur rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann, die ebenfalls heruntergespielt und nicht nachhaltig ermittelt wurden. Den Beleg dafür liefern 80 Ordner, die das Landeskriminalamt vor etwa vier Jahren im Zuge einer sogenannten Routineabgabe an das Hauptstaatsarchiv übergab. Wie sich herausstellte, enthalten die Akten Informationen über Kontakte und Vergehen der Wehrsportgruppe. "Sie sind aber nie systematisch untersucht worden", kritisiert Dietrich.

Schreckensbilder, die zweifeln lassen

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Das Hauptstaatsarchiv selbst bewertet die Ordner als so brisant, dass es die Unterlagen den Akten des Tatkomplexes Oktoberfestattentat zuordnen will. In einem Schreiben an Dietrich vom 13. Juni 2014 räumt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zudem erstmals ein, dass in den ihm unterstellten Behörden noch nicht ausgewertete Akten zum Attentat und der Wehrsportgruppe lagern.

Schließlich geben verschiedene Asservate Rätsel auf. In den Aschenbechern von Köhlers Auto, das 200 Meter vom Tatort entfernt parkte, fanden Ermittler 47 Zigarettenkippen sechs verschiedener Sorten. "Selbst wenn Köhler verschiedene Marken rauchte, so wohl kaum auf der Rückbank und teilweise mit oder ohne Filter", sagt Dietrich. Heute würden die Kippen dank neuer Labormethoden wohl Aufschluss geben über Mitfahrer und Kontakte Köhlers. Die Zigaretten wurden 1997 aber zusammen mit anderen Asservaten vernichtet, unter anderem mit Fragmenten einer bei der Explosion abgetrennten Hand. Dietrich sagt, dass die Hand nie zugeordnet werden konnte. "Wenn jemand eine Hand verliert und sich nicht meldet, spricht das ebenfalls gegen die Einzeltäterthese."

Der Anwalt erzählt, dass sich außer Ramin A. noch andere Opfer bei ihm gemeldet haben, die von ihm vertreten werden und mögliche Mittäter ausfindig machen wollen. Auch der Münchner Stadtrat und der Bayerische Landtag fordern eine Wiederaufnahme der Ermittlungen. Dietrich will den Antrag noch vor dem Jahrestag am 26. September einreichen. "Warum kann man das Verfahren nicht einfach wieder eröffnen und schauen, was herauskommt?", fragt der Anwalt. "Wenn sich nichts ergibt, kann man es ja leicht wieder einstellen."