Stärker als die Wahrheit: Gerüchte gibt es schon seit den Kriegen der Antike, doch jede neue Kommunikationstechnologie beschleunigt ihren Umlauf.
Gerüchte sind laut Wahrigs deutschem Wörterbuch "umlaufende unverbürgte Nachrichten" und "weitverbreitetes Gerede". Das wäre natürlich auch eine Definition für den Klatsch. Der Unterschied liegt in der Angst, und die Angst ist es auch, die den Gerüchten eine solche Geschwindigkeit verleiht. "Wie ein Lauffeuer" verbreiten sich Gerüchte nach dem Sprachklischee. Und weil die moderne Kommunikationstechnik dem Gerücht seit jeher als Zunder diente, verbreiten sie sich heute schneller als je zuvor.
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"Wie ein Lauffeuer" verbreiten sich Gerüchte nach dem Sprachklischee. Durch Kommunikationskanäle wie Twitter verbreiten sie sich heute schneller als je zuvor. (© Foto: dpa)
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Deutlichstes Beispiel für die neuen Geschwindigkeiten von Gerüchten war die brutale Niederschlagung des zivilen Widerstands in Iran im Anschluss an die Wahlen im vergangenen Juni. Die sogenannte "Twitter Revolution", die es einer weltweiten Internetgemeinschaft ermöglichte, Zeitzeuge zu sein, war gleichzeitig ein Modellfall für die Mechanismen, die Gerüchten im Internet ein solches Gewicht geben.
Perfide Gerüchte
Da waren zunächst die offensichtlichen Falschmeldungen von der Verhaftung des Oppostionsführers Mussawi, die übertriebenen Zahlen der Demonstranten. Besonders perfide waren jedoch die Gerüchte, die ab dem dritten Tag der Unruhen in Umlauf kamen. Hubschrauber der Regierung seien über die Demonstrationen geflogen, sie hätten kochendes Wasser abgeschüttet, oder ätzende Chemikalien.
Nichts davon entsprach der Wahrheit. Es ist anzunehmen, dass Regierungskräfte diese Gerüchte in den Kurznachrichtendienst Twitter einspeisten, um Oppositionelle vom Demonstrieren abzuschrecken. Der technische Vorgang, der diese Gerüchte so beschleunigte, nennt sich "Retweet". Dabei kann jeder Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitters eine solche Kurnachricht oder einen Link mit einem Knopfdruck gleichzeitig an sein persönliches Netzwerk versenden und unter einem Kennwort in die Suchmaschine des Dienstes eingeben. Ein Großteil der Kommunikation über Twitter funktioniert inzwischen so und macht den Dienst zu einem potenten Multiplikator in der digitalen Welt.
Nun ist Twitter nur der momentan bekannteste von unzähligen Diensten und Techniken, mit denen man über Internet und Handy Nachrichten verbreiten kann. Auch liegen die Wurzeln eines jeden Gerüchts nach wie vor in den Ängsten der Menschen, die von Krisen und Kriegen nur geschürt werden. In Afrika beispielsweise, wo Internet und Twitter nur bei hauchdünnen Eliten verbreitet sind, verbreiten sich Gerüchte mit ähnlichen Folgen wie in den vernetzten Wohlstandsländern. Die Angst vor Hexen und Magiern hat dort zu Wellen von Lynchjustiz geführt, die sich über weite Teile des Kontinents verbreiten. Grund sind die abstrakten Wirtschaftskrisen des Kontinents.
Wie ein Virus
Auch unsere Wirtschaftskrise ist nur schwer nachvollziehbar. Da wirkt die Angst vor einer so nebulösen Bedrohung wie dem Terror geradezu handfest. Doch sie wurzelt eben nicht nur in den Anschlägen von New York, Barcelona und London. Die Drohungen erreichten uns im Netz, die Weiterverbreitung geschieht dort wie beschrieben fast automatisch.
Wie ein Virus breitet sie sich aus, ein Vergleich, der in der Werbebranche ein stehender Begriff ist. "Viral Videos"- virale Videos, die Menschen millionenfach weiterverbeiten, sind zumeist eher lustig, doch der Mechanismus ist der gleiche. Ohne einen Nachgedanken macht sich der Internetnutzer zum Boten einer oft komplexen Botschaft. Dann aber greift die Wirkung des Gerüchts, die es schon seit den Kriegen der Antike so verstärkt - Gerüchte, hat ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Biologie herausgefunden, sind stärker als die Wahrheit.
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(SZ vom 01.10.2009/pfau)
Großbrand in Altstadt von Coburg
Die neueste Antwort
Zunächst einmal muss man als Regierung Terrordrohungen ernst nehmen. Das muss dazu führen, dass Maßnahmen ergriffen werden, die im Falle eines Falles ausreichen, um ernsthaften Verhütungswillen glaubhaft vermitteln zu können. Deshalb ist erst einmal nur begrenzt etwas verwerflich daran, dass mit einer drastischen Personalaufstockung reagiert wurde.
Aber: Ein Mensch, der einen Anschlag plant und dabei in kauf nimmt, selbst ums Leben zu kommen, kann durch solche Maßnahmen nicht abgeschreckt werden - er kann im besten Falle gestoppt werden, wenn er sich in irgendeiner Form zu erkennen gibt.
Gerade bei einem Fest wie dem Oktoberfest kann man im Grunde nur durch einen Sicherheitsplacebo und gesundem Gottvertrauen voran schreiten oder eben alles abblasen. Dazwischen gibt es wenig. Die Bayern haben sich schon aus wirtschaftlichen Gründen, vor allem aber auch um nicht den Terroristen einen Erfolg zu gönnen, auf Gottvertrauen und Placebos gesetzt - das hätte ich vermutlich auch getan.
Wirklich sicher ist man allerdings nur, wenn man die relevanten Bereich meidet und auf die Benutzung von U- und S-Bahnen verzichtet, die in diese Richtung fahren. Ansonsten bleibt - sofern man persönlich diese Drohungen ernst nimmt - ein Restrisiko übrig. Allerdings ist ein Wiesenbesuch ja ohnehin risikobehaftet: Von absolut unerträglich stinkender Zeltluft bis hin zu fadem Bier, Erbrochenen und die merkwürdigsten Krankheiten kann man sich dort alles holen - und wenn man Pech hat, bekommt man noch eins auf die Nase, weil sich ein paar betrunkene Dimpfel prügeln.
Also... Wer hingeht riskiert was - und wenn's nur Geldverlust ist. Wer nicht hingeht versäumt nichts.