Von S. Handel

399 Euro pro Person für einen Tisch inklusive zwei Maß Bier: Noch mehr als 300 Tage bis zum Oktoberfest 2010 - und es kursieren bereits unseriöse Angebote.

Es sind noch mehr als 300 Tage, bis das nächste Oktoberfest anfängt, die Jubiläums-Wiesn: 200 Jahre alt wird das Fest 2010. Und obwohl die Festwirte Reservierungen erst entgegennehmen, wenn sie - wie in jedem Jahr - von der Stadt ihre Zulassung bekommen haben, werden schon jetzt im Internet Tische angeboten, zumeist deutlich teurer als auf dem offiziellen Weg.

"Vorsicht: Augen auf-, Geldbeutel zuhalten!" Noch 300 Tage bis zur Wiesn, doch der Ärger ist schon groß. (© Foto: ahed)

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Die Nachrichtenagentur dpa veröffentlichte jetzt eine Online-Offerte: pro Person 399 Euro inklusive zwei Maß Bier. Reist also eine Gesellschaft von acht Menschen nach München und bucht das zusätzlich angebotene Hotel gleich mit - 249 Euro das Doppelzimmer -, kommt der Wiesnabend schnell mal auf schlappe 4200 Euro.

In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters heißt es: "Unsere Preise differieren zum Teil erheblich von den aufgedruckten Originalpreisen, da die Karten erst über diverse Zwischenhändler zu uns gelangen, die jeweils wiederum eigene Aufschläge vereinnahmen."

Das ist in zweierlei Hinsicht richtig. Tatsächlich ist der Preis deutlich höher als bei der Direktreservierung über die Wiesnwirte. Dort, in den großen Zelten, zahlt der Gast 25 bis 30 Euro und bekommt zu den zwei Maß noch ein halbes Hendl. Und: Es ist auf offiziellem Weg nicht möglich, Reservierungen zum Weiterverkauf zu erwerben. "Das würde unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen widersprechen", sagt Thomas Vollmer, Junior-Chef im Augustiner-Zelt.

Vollmer hat auf der gerade vergangenen Wiesn einen Selbstversuch gemacht und über einen Scheinkäufer Reservierungen bei einem Anbieter geordert. Die Angelegenheit muss höchst konspirativ abgelaufen sein: mit geheimnisvollen Telefonnummern, die am Tag des Wiesn-Besuchs anzurufen seien, denn der Gast erhält nicht, wie bei einer offiziellen Reservierung, ein Einlassbändchen, sondern nur einen so genannten Voucher, der dann am Zelt gegen das Bändchen eingetauscht werden soll.

Weil aber das Zelt an dem fraglichen Tag wegen Überfüllung geschlossen war und der Voucher allein nicht zum Einlass berechtigt, stand Vollmers Mitarbeiter ziemlich dumm da - und wäre im Ernstfall mehr als 200 Euro losgewesen - wohlgemerkt ohne Wiesnzeltbesuch. Beschweren beim Festwirt wäre auch nicht gegangen - denn die Vertragsbedingungen verbieten es dem Kunden, mit der Festleitung Kontakt aufzunehmen.

Vollmer kann sich das Geschäftsmodell nur so erklären, dass Privatpersonen ihre Reservierungen an den Anbieter weiterverkaufen. "Da reserviert einer für zehn Personen, dann kommen nur acht, also verkauft er zwei." Dazu passt auch, dass der Anbieter nicht dafür garantiert, dass alle Plätze beieinander liegen. "Wenn dann eine Gesellschaft von acht Leuten kommt, sitzen die über die ganze Wiesn verteilt", sagt Thomas Vollmer.

Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl findet starke Worte für das maßlos überteuerte Angebot: "Das ist Abzocke im juristischen Niemandsland", schimpft sie. Sie rät den Wiesn-Besuchern: "Vorsicht: Augen auf-, Geldbeutel zuhalten!" Vor allem aber weist Weishäupl auf eines hin: Dass nämlich von den 1,5 Millionen Plätzen, die auf der Wiesn an 16 Tagen bereitstehen, fast die Hälfte, an die 700.000 also, von den Wirten nicht verkauft und nicht reserviert werden dürfen.

"Man muss halt als Münchner zu den richtigen Zeiten gehen", sagt Weishäupl. "Von Sonntagabend bis Donnerstagabend zum Beispiel findet man immer einen Platz." Dass es aber voraussichtlich auch zur Jubiläumswiesn im kommenden Jahr Menschen geben wird, die fast 400 Euro für einen Platz bezahlen, kommentiert sie lapidar: "Mei. Das ist Marktwirtschaft."

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(SZ vom 10.11.2009)