Of Monsters And Men in München Eine Band, die glücklich macht

Verspielter Folk-Pop aus Island: Of Monsters And Men treten mit ihrem ersten Album ein zweites Mal vor ausverkauftem Haus in München auf. Ihre Songs sind wuchtig, doch die Band gibt sich sympathisch schüchtern.

Von Thierry Backes

Als die kanadische Band Arcade Fire einmal in der Münchner Tonhalle spielte, brachte sie eine drei Meter hohe, 17 Pfeifen zählende Orgel mit. Das zeugte von dem Wunsch, die sakrale Stimmung ihres Albums Neon Bible so gefühlsecht wie möglich auf die Bühne zu transportieren, aber auch von einer gewissen Schwermut. Und so viele Parallelen es zwischen Arcade Fire und der isländischen Formation Of Monsters And Men auch geben mag, eines ist sicher: Die Schwermut geht der Band aus Reykjavík völlig ab.

Of Monsters And Men steht für Offenherzigkeit, für Frohmut. Wäre Arcade Fire ein depressiver Teenager, dann wäre Of Monsters And Men dessen vielleicht naive, auf jeden Fall aber fröhliche kleine Schwester. Man kann das etwa an den Seifenblasen ablesen, die ein Zuschauer gegen Ende des Konzerts im ausverkauften Kesselhaus in die Luft pustet. Oder an dem Haushaltsgummi, mit dem Sängerin Nanna Bryndís Hilmarsdóttir irgendwann auf ihren Duettpartner Ragnar Þórhallsson schießt. Oder einfach an der Musik: Der melodiöse Folk-Pop von Of Monsters And Men kommt mitunter zwar so hymnisch und so pathetisch daher wie der Indierock von Arcade Fire, er klingt aber eben auch viel leichter, verträumter.

Die Band startet mit dem kraftvollen Dirty Paws in den Abend, und schon zu Beginn wird klar, was man gerne überhört, wenn man die rosafarbene CD des Debüt-Albums My Head Is An Animal einlegt: Der dynamische Sound von Of Monsters And Men wird maßgeblich geprägt von Arnar Rósenkranz Hilmarsson am Schlagzeug. Der Mann, der auf der Bühne Klamotten mit bunten Indianerfransen trägt, treibt die Songs an, das gilt nicht zuletzt für die ruhigeren Nummern wie From Finner oder Lakehouse. Er ist es auch, der das Publikum immer wieder zum Mitklatschen anheizt, das gelingt mal mehr, mal weniger gut.

Egal! Denn es ist einfach schwer, diese Band nicht zu mögen, seien einzelne Songs auch noch so radioaffin. Gerade die beiden Sänger, Hilmarsdóttir und Þórhallsson, treten bescheiden auf, sympathisch schüchtern, er in Melone und Jeanshemd, sie in einem schlichten schwarzen Top. Hilmarsdóttirs zerbrechliche Stimme erinnert mal an Kate Nash, mal an die Casady-Schwestern von Coco Rosie (etwa bei Love Love Love) und harmoniert wunderbar mit dem weichen Organ Þórhallssons, zum Beispiel bei King And Lionheart, dem schönsten Stück des Abends.

Bei dem Song zeigt sich auch das ganze Potenzial der Band, die es versteht, Akkordeon und Trompete in ihre Arrangements so geschickt einzubauen, dass man sie erst gar nicht wahrnimmt. Zwei Instrumente übrigens, die Arcade Fire auch oft und gerne einsetzen.

Gut 70 Minuten stehen die Isländer am Sonntagabend auf der Bühne, für mehr reichen die zwölf Songs von My Head Is An Animal nicht. In den vergangenen Monaten waren sie ständig auf Tour, in den Vereinigten Staaten, in Europa und in Australien, da blieb nur die Zeit, noch schnell ein Cover vom Yeah-Yeah-Yeahs-Stück Skeletons einzustudieren. Es passt hervorragend ins Programm, das Of Monsters And Men bemerkenswert klug aufgebaut haben. Es endet mit viel Drive, dem Welthit Little Talks und Six Feet.

Für die Zugabe hat die Band sich das ruhige Sloom und das poetische Yellow Light aufgespart, mit dem Ziel, die Leute glückselig nach Hause zu schicken. Es ist ihnen gelungen.