Von Bernd Kastner

Am heutigen Montag geht es um die Zukunft der kriselnden Öko-Kette Basic: Ein Blick auf die Münchner Filialen und die expandierenden Konkurrenten.

Es hat sich Staub auf die Flaschen gelegt. Wer bestimmte Sorten von Bio-Bier oder Bio-Limo kaufen will, muss erst mal wischen, um den Staub nicht heim in seinen Kühlschrank zu tragen. Fragt der Kunde im Laden nach, warum das so ist, sagt man ihm wahlweise: Das liege an den Umbauarbeiten in der Filiale; oder am Großhändler, der die Getränke halt so anliefere. Vielleicht aber hat der Schmutz im Regal des Bio-Supermarktes noch einen weiteren Grund. Dass die Mitarbeiter nicht mehr hinterherkommen mit dem Putzen. Weil es inzwischen viel zu wenig Personal gibt in den Märkten von Basic, Deutschlands zweitgrößter Biomarkt-Kette.

Basic

Schwere Zeiten für eine Firma, die sich als Vorzeigeunternehmen versteht: In den Münchner Basic-Läden ist der Schwung des Aufbruchs längst verflogen. (© Foto: AP)

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Es ist keine Schüler-Aushilfe und kein geschasster Mitarbeiter, der diese Theorie vertritt, sondern ein Angestellter in Führungsposition. Einer, der, wie so viele seiner Kollegen, an Basic hängt und an die Idee glaubt, ganze Supermärkte nur mit Ökoware zu bestücken. Einer, der noch die guten Zeiten bei Basic erlebt hat. Jetzt, sagt er, durchleben sie alle die schlechten, und er fürchtet um die Werte bei Basic.

Am Wochenende musste die Aktiengesellschaft mit dem sonnengelben Image, fast genau zu ihrem zehnten Geburtstag, erstmals Filialen schließen: Hagen, Münster, Karlsruhe, und eine in Köln soll demnächst folgen. Dann sind es nur noch 22 Märkte, fünf davon in München. Für die Lebensmittelbranche ist das an sich nichts Ungewöhnliches, eine normale betriebswirtschaftliche Maßnahme, für Basic aber, das bislang nur im Wachsen geübt war, ist es eine Zäsur.

"Wir treten jetzt auf die Bremse", hatte Basic-Vorstand Josef Spanrunft im Juni im SZ-Interview verkündet. Ein Jahr zuvor war noch von 25 bis 50 Neueröffnungen die Rede, nun ging es ums nackte Überleben. Man musste Lieferanten um Stundung bitten, das Wort von der Insolvenz stand im Raum. Da blieb nur, Personal abzubauen, 850 Mitarbeiter waren es einmal; und Markteröffnungen zu verschieben. Wenig später, im August, war Spanrunft seinen Job los, auch der gesamte Aufsichtsrat wurde ausgewechselt. Jene Leute, die das Desaster mit dem Einstieg des Lidl-Eigners Schwarz zu verantworten hatten.

Der Neckarsulmer Konzern hatte 23 Prozent der Basic-Anteile übernommen, Anfang 2007 war das schon, die Öffentlichkeit erfuhr davon aber erst Mitte vergangenen Jahres. Viele Kunden boykottierten daraufhin die Bio-Märkte, spielten ihre so oft beschworene Macht aus und zwangen Basic und Schwarz zur Scheidung. In der Folge wurde intern viel schmutzige Wäsche gewaschen, noch immer ist der Vorwurf der Korruption gegen jenen Ex-Vorstand, der den Deal eingefädelt hatte, nicht vom Tisch. Die Schwarz-Anteile gingen an den Schweizer Finanz-Investor ASI, der nun mit rund 40 Prozent Hauptaktionär der Münchner Kette ist.

"Angst." Immer wieder gebraucht der leitende Basic-Angestellte, der Einblick in viele Bereiche der Firma hat, dieses Wort, um die Atmosphäre in der Belegschaft zu beschreiben: "Die Stimmung ist mehr als schlecht." Die Kündigungswelle sei noch nicht zu Ende, viele fürchteten um ihre Jobs. Der Stellenabbau führe zu großer Arbeitsüberlastung gerade in den Läden, wo die Kunden fachkundige Beratung erwarten: "Die Werte von Basic werden nicht mehr gelebt."

Tatsächlich? Hört man die Antworten aus Kreisen des Betriebsrats, könnte man meinen, es sei von einem anderen Betrieb die Rede. "Gut" sei die Stimmung, zumindest in München, es gebe "keine Unruhe", es werde wieder Personal eingestellt, und die Umsätze stiegen wieder an. "Ich kann nichts Negatives sagen", versichert der eine Mitarbeitervertreter. Und der andere, Mitglied im Gesamtbetriebsrat, gewinnt der Situation Positives ab: Die Verlust-Filialen seien identifiziert, die betroffenen Mitarbeiter rechtzeitig informiert worden, es gebe einen Sozialplan für sie, "man lässt sie nicht im Regen stehen".

Mit den neuen Chefs sei gut zusammenzuarbeiten, und jüngst habe man auch Betriebsvereinbarungen unterzeichnet, etwa zu den Überstunden. Das klingt so freundlich, dass sogar jener leitende Angestellte die Mitarbeitervertretung als "zahnlos" beschreibt. Mehr Mut wäre nötig, und wer weiß: Vielleicht habe sich der ein oder andere nur deshalb in den Betriebsrat wählen lassen, um Kündigungsschutz zu genießen.

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