Öffentlicher Nahverkehr S-Bahn gehen die Züge aus

Bei der S-Bahn München fehlt es derzeit an fahrtüchtigen Zügen. Die Fahrgäste leiden unter engen Zügen und längeren Wartezeiten.

(Foto: Johannes Simon)

Immer wieder fallen bei der S-Bahn in München Züge aus. Der Zehn-Minuten-Takt ist oft nur Makulatur. Denn der Bahn fehlt es an fahrtüchtigen Zügen.

Von Christian Krügel

In den S-Bahnen wird es derzeit noch ein bisschen enger, ein Zehn-Minuten-Takt ist auch auf den stark frequentierten Linien oft nur noch Makulatur. Seit Tagen müssen Fahrgäste mit Zugausfällen leben. Der Grund: Der S-Bahn München GmbH fehlen derzeit genügend fahrtüchtige Züge. Die Verantwortlichen versprechen zwar, dass sich die Situation in den kommenden Wochen wieder entspannen werde; ein genaues Datum will aber keiner nennen.

238 Fahrzeuge hat die S-Bahn München eigentlich, 213 reichen in der Regel, um den Fahrplan inklusive Zehn-Minuten-Takt auf einigen Linien aufrechtzuerhalten. Doch so viele Züge sind derzeit bei Weitem nicht im Einsatz: 21 stehen überhaupt nicht zur Verfügung. Der Grund sei eine unglückliche Häufung von verschiedenen Pannen - und von Versäumnissen der Hersteller. So fehlen allein neun Züge immer noch, weil sie seit einem seltsamen Schaden an den Osterfeiertagen im Bahnhof Tutzing nicht repariert werden konnten. Damals waren 18 Züge, die dort abgestellt waren, durch Überspannungsschäden so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie aufwendig repariert werden müssen - ein Schaden, wie ihn die S-Bahn in mehr als 40 Jahren noch nicht erlebt hatte.

Der Zughersteller Bombardier hatte rasche Abhilfe zugesagt, doch offenbar das Versprechen nicht einlösen können. Sehr zum Unwillen von S-Bahn-Chef Bernhard Weisser: "Ich habe in der Führungsetage des Fahrzeugherstellers darauf gedrungen, die vereinbarten Liefertermine für die Ersatzteile zur Reparatur einzuhalten", sagte er der SZ. Bis wann die beschädigten Züge wieder fahren könnten, sei aber noch unklar.

Ein zweites Problem kostet die S-Bahn München derzeit acht Züge. In der Werkstatt in Steinhausen ist eine Messanlage ausgefallen, mit der turnusmäßige Rundlaufmessungen der Räder durchgeführt werden. Ohne diese Wartung dürfen die Züge nicht auf die Strecke. Da eine entsprechende Anlage in Pasing derzeit durch andere Aufträge der Deutschen Bahn komplett belegt ist, sollen die Münchner S-Bahn-Züge nun in Werkstätten in Nürnberg und Stuttgart gewartet werden. Zu allem Überfluss sind auch noch vier Züge so stark durch Wildunfälle und das Baggerunglück im Bahnhof Olching beschädigt, dass sie ebenfalls nicht fahren können. Ersatzzüge aus anderen Städten könnten nicht ohne Weiteres besorgt werden, denn es gebe schlichtweg keine freien Züge der passenden Baureihe, heißt es bei der S-Bahn.

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Die Folgen werden die Fahrgäste auch in den nächsten Tagen zu spüren bekommen. Auf manchen Verbindungen müssen öfters Kurzzüge eingesetzt werden, der Zehn-Minuten-Takt auf stark frequentierten Strecken wie der S 2 nach Dachau oder der S 8 nach Germering und S 3 nach Maisach wird auch in den nächsten Tagen immer wieder außer Kraft gesetzt werden. S-Bahn-Chef Weisser verspricht Abhilfe: "Ich habe die aktuell angespannte Fahrzeugsituation zur Chefsache gemacht. Die Engpässe werden in den nächsten Tagen sukzessive abgebaut." Weit häufiger als wegen Fahrzeugschäden müsse der Zehn-Minuten-Takt aber ohnehin deswegen ausfallen, weil nur so Störungen und Verspätungen im Gesamtnetz wieder ausgeglichen werden könnten.