Öffentlicher Nahverkehr Neue Züge, besseres Wlan

Eine Lok am Münchner Hauptbahnhof.

(Foto: dpa)
  • Die Deutsche Bahn investiert bundesweit 700 Millionen Euro in neue Züge, Anzeigetafeln und besseres W-Lan.
  • Wieviel davon für acht sanierungsbedürftige Tunnelbahnhöfe im Großraum München verwendet wird, ist unklar.
  • Fünf betroffene Bahnhöfe liegen an der Stammstrecke in der Innenstadt, drei im MVV-Außenbereich.
Von Marco Völklein

Die Deutsche Bahn hat sich viel vorgenommen: 700 Millionen Euro will der Konzern in den kommenden Jahren unter anderem in neue Züge, besseres Wlan oder neue Anzeigen an den Bahnhöfen stecken. "Zukunft Bahn" nennt sich das Programm, das führende Manager ausgearbeitet haben und über das derzeit intern heftig diskutiert wird. Auch im Großraum München hat der Konzern Handlungsbedarf erkannt: So sollen die acht Tunnelbahnhöfe im MVV-Raum einer "Revitalisierung des Erscheinungsbilds" unterzogen werden, wie es in dem Zukunftsprogramm heißt. Viele Fahrgäste dürfte das freuen. Sie bemängeln seit Jahren, dass Deckenverkleidungen fehlen, Kabel herumbaumeln und hier und da auch einzelne Kacheln von den Wänden fallen.

Mittlerweile scheint dies auch den Bahnchefs in Berlin aufgefallen zu sein. In ihrem Zukunftspapier postulieren die Strategen jedenfalls, dass in den S-Bahn-Stationen von München, Stuttgart, Hamburg und Stuttgart die Wände, Decken und Böden mittlerweile "so überholungsbedürftig sind, dass eine Grundreinigung nicht mehr ausreicht". Bundesweit will die Bahn deshalb einen "dreistelligen Millionenbetrag" in die 31 Tiefbahnhöfe stecken. Wie viel davon in die acht Münchner Tunnelstationen fließt, lässt ein Konzernsprecher auf Nachfrage offen. Fünf Bahnhöfe liegen an der Stammstrecke in der Innenstadt, drei im MVV-Außenbereich: in Ismaning, in Unterföhring sowie am Flughafen.

So könnte der neue Hauptbahnhof in München aussehen

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Offen ist auch, wann die Bahn mit dem Aufhübschprogramm beginnen möchte. Der Bahnvorstand hatte das Zukunftsprogramm erst Mitte Dezember dem Aufsichtsrat präsentiert. Zum Teil habe man "die strategischen Überlegungen zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht auf die Regionen heruntergebrochen", erklärt der Bahnsprecher. Daher könne er konkrete Termine derzeit nicht nennen. Klar sei aber, dass für die Münchner Stationen eine "Modernisierung und Vereinheitlichung zum Beispiel von Wand- und Bodenbelägen, Beleuchtung oder Werbeflächen" vorgesehen sei. Mit der Umsetzung werde der Konzern "möglichst zeitnah" beginnen.

In Hamburg soll das modernste S-Bahn-System Europas entstehen

Allerdings lässt die Bahn schon seit einigen Jahren im Untergrund immer wieder werkeln. Auf Veranlassung des Eisenbahnbundesamts (EBA) wurden zuletzt Glasscheiben und spezielle Türen eingebaut, die bei einem Brand im Tiefbahnhof dafür sorgen sollen, dass der Rauch nicht bis in die Fluchttreppenhäuser vordringen kann. Ebenfalls auf Geheiß des EBA waren vor einigen Jahren die Deckenverkleidungen abgehängt worden. Bahnmanager hatten bereits mehrfach neue Deckenplatten in Aussicht gestellt. Bislang wurde dies aber nicht umgesetzt. Fahrgastvertreter hoffen, dass dies mit dem Zukunftsprogramm nun endlich geschieht.

Viel vor hat die Bahnspitze zudem mit dem Hamburger S-Bahn-Netz. Die Konzernlenker jedenfalls wollen das dortige Netz "zum modernsten S-Bahn-System Europas" aufrüsten, wie es in dem Strategiepapier heißt. Dort wird es neue Stellwerke geben, außerdem soll das moderne Zugleitsystem ETCS (steht für "European Train Control System") sowie eine neue Technik zur Überwachung von Weichen eingesetzt werden. Und was ist mit München? Was plant der Konzern an der Isar? Konkretes wie zu Hamburg findet sich in dem mehr als 60 Seiten dicken Papier nicht.

Vorbild Flughafen Dieses Kompliment wird Michael Kerkloh, den Chef des Münchner Flughafens, sicher freuen: Im vergangenen Jahr wurde der Airport im Erdinger Moos als "Fünf-Sterne-Flughafen" ausgezeichnet - weil er den Passagieren einen besonderen Komfort bietet. Seitdem platzt Kerkloh fast vor Stolz und zeigt immer wieder gerne die Trophäe her. Nun würdigt auch die Chefetage der Deutschen Bahn seine Anstrengungen: In ihrem Strategiepapier setzt sich die Konzernspitze das Ziel, dass sich "unsere großen Umstiegsbahnhöfe im Reisendenangebot und -komfort auch mit führenden Flughäfen wie München und Frankfurt messen können". mvö

"Die bestehenden Systeme der S-Bahn München sind bereits heute sehr leistungsfähig", erklärt der Bahnsprecher. Andere Elemente wie die neue Weichendiagnostik "werden auch in München zum Einsatz kommen". Einen Zeitpunkt nennt er nicht, auch nicht, wie viele Münchner Weichen damit ausgestattet werden. Bundesweit will der Konzern bis 2020 etwa 30 000 Weichen "auf den am stärksten genutzten Strecken" damit ausrüsten. Darüber hinaus werde auch der geplante zweite S-Bahn-Tunnel, sofern er denn kommt, mit der ETCS-Technik versehen. Und "eine Umrüstung der bestehenden Tunnelstammstrecke", sagt der Sprecher dann noch, "ist bis zum Jahr 2030 ebenfalls angedacht".