Öffentlicher Nahverkehr Terz um die Ticketpreise

Die Preise für den öffentlichen Nahverkehr werden wohl wieder steigen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Bahn fordert eine Erhöhung um 3,5 Prozent. Das bringt Oberbürgermeister Reiter so in Rage, dass er eine Forderung seines Stellvertreters Schmid aufgreift, über die er noch gespottet hatte.

Von Christian Krügel und Kassian Stroh

Wenn die Gesellschafter des MVV über eine Tariferhöhung sprechen, ist das immer ein bisschen so wie bei Tarifverhandlungen. Auf dem Tisch liegen anscheinend unvereinbare Forderungen, dann wird hin und her debattiert - und am Ende steht ein Kompromiss, eine Zahl irgendwo in der Mitte. "Das übliche Ritual", sagt einer, der seit vielen Jahren dabei ist, das aber in diesem Jahr unerwartet einen anderen Verlauf genommen hat. Am Freitag stritten die Beteiligten so sehr, dass sie sich am Ende vertagten. Die Heftigkeit der Auseinandersetzung hat auch Menschen überrascht, die das Ritual seit vielen Jahren mitmachen.

Am Freitag saßen also zusammen: die Vertreter der Stadt München und ihrer Verkehrsgesellschaft MVG, der umliegenden Landkreise, der Bahn, des Freistaats. Und wie im Nachhinein von Teilnehmern zu hören ist, lief das Treffen so ab: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter eröffnete die Versammlung und sprach von einer Spanne der möglichen Preiserhöhung von 1,6 bis 2,5 Prozent. Daraufhin meldete sich der Bahn-Vertreter, die Spanne reiche schon bis 3,5 Prozent - so viel an Erhöhung hatte nämlich die Bahn im Vorhinein gefordert.

Das ärgerte Reiter offenbar ziemlich: Also dann müsse man auch über die Nullrunde reden, die sein Stellvertreter Josef Schmid gewünscht hatte - die Spanne reiche also von null bis 3,5 Prozent. (Für die Nullrunden-Idee hatte Schmid im Frühjahr noch viel Häme geerntet, auch von Reiter - nicht zuletzt weil die städtische MVG ein Plus von 1,4 Prozent gefordert hatte.)

Der Streit, der daraufhin unter den MVV-Gesellschaftern entbrannte, war heftig. Und in der Rolle des Buhmanns fand sich offenbar die Bahn wieder. Am 29. September soll nun entschieden werden. Eine Lösung zeichnet sich laut Beteiligten bereits ab: Es werde wohl darauf hinauslaufen, dass der MVV seine Preise um im Schnitt 1,9 Prozent erhöhe, heißt es. Damit wären die von der MVG angeführten Lohnsteigerungen aufgefangen - und etwas Luft für weitere Investitionen. Der Freistaat könnte wohl mitziehen, die Bahn grummelt noch. Geeinigt hat man sich am Freitag nicht mehr, weil die Zeit fortgeschritten war und die Laune dahin. Und gerechnet soll auch noch mal werden.

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