Odeonsplatz Pegida-Demo in München geht in Pfeifkonzert unter

Etwa 600 Gegendemonstranten sind nach Polizeiangaben zum Pegida-Aufmarsch gekommen - zu Ausschreitungen kam es jedoch nicht.

(Foto: dpa)
  • Etwa 600 Menschen haben am Montagabend lautstark gegen eine Versammlung von etwa 400 Pegida-Anhängern demonstriert.
  • Etwa 500 Polizeibeamte sicherten Anfangs- und Schlusskundgebung sowie den Umzug durch die Münchner Innenstadt.
  • Den Pegida-Anhängern stellte sich das Bündnis "München ist bunt" entgegen, auch die Antifa organisierte einen Protestzug - es blieb weitgehend friedlich.
Von Thomas Anlauf, Nina Bovensiepen und Susi Wimmer

Die Polizei war gewarnt. Nicht nur der brutale Auftritt von Hunderten Hooligans und Rechtsradikalen in Köln, wo Beamte am Samstag mit Wasserwerfern gegen die Randalierer einschritten, hat die Sicherheitsbehörden vor dem Pegida-Aufmarsch in München alarmiert. Die Polizei sprach im Vorfeld von einer "kitzligen Angelegenheit". Sie warnte auf Facebook, die Einsatzkräfte "mit Tritten und Schlägen zu verletzen", sei "inakzeptabel" und setze die Beamten "unter Handlungszwang". Die Nerven vor dem Pegida-Aufmarsch am Montagabend auf dem Odeonsplatz waren angespannt. Und angespannt sollte die Stimmung bleiben. Auch, weil es der erste Münchner Pegida-Abend ist, nachdem die Vorfälle der Kölner Silvesternacht bekannt wurden.

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Gegen 19 Uhr beginnt die Kundgebung der Rechtspopulisten am Montagabend. Nach Angaben der Polizei haben sich bis zu 400 Pegidisten auf dem Odeonsplatz hinter doppelten Absperrgittern versammelt. Etwa 600 Gegendemonstranten umringen die Rechtspopulisten. Die Polizei ist mit 500 Einsatzkräften angerückt, überall stehen Polizeiwagen und versperren den Zugang zur Feldherrnhalle. Beamte in Kampfmontur bilden kleine Kreise, um alles im Auge behalten zu können.

Ein paar Nachzügler von Pegida wollen sich zu ihren Gesinnungsgenossen durcharbeiten, doch das wird schnell schwierig. "Hier geht es nicht rein", sagt ein Polizist, "nur wenn Sie über die Barrikade klettern." "I mog auf mei Demo!", entrüstet sich eine schwarzhaarige Pegidistin. Andere Pegida-Teilnehmer schreien Münchnerinnen an, ob sie wollten, dass ihnen das Gleiche passiere wie in Köln. Ein Redner verkündet per Lautsprecher, die Pegida-Gruppe habe Anzeige erstattet gegen Oberbürgermeister Dieter Reiter und KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle wegen Amtsmissbrauchs und Rechtsbeugung.

"Empört und aufgebracht" zeigt sich auch Micky Wenngatz, die Organisatorin von "München ist bunt". Die Polizei lasse die Gegendemonstranten nicht überall dort protestieren, wo sie es wollten, die Beamten hätten Demonstranten vom Odeonsplatz weggeschickt. "Der Platz gehört Pegida", habe ein Polizist zu ihnen gesagt. Tatsächlich sei es eine Auflage des Kreisverwaltungsreferats gewesen, dass "München ist bunt" nicht am Odeonsplatz, sondern am nahen Platz der Opfer des Nationalsozialismus ihre Plakate entrollt, heißt es dazu bei der Münchner Polizei.

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Mit Pfeifkonzerten, "Nieder mit Pegida"- und "Nazis raus"-Rufen sind die Gegendemonstranten auf dem Odeonsplatz dennoch um ein Vielfaches lauter und übertönen die Pegida-Kundgebung. Deren Redner ziehen immer wieder die Kölner Silvesternacht als abschreckendes Beispiel heran. Fünf Demonstranten werden vorläufig festgenommen - weswegen, das kann die Polizei am Montagabend noch nicht sagen.

25 bekannte Rechtsextremisten sollen sich unter die Pegida-Gruppe gemischt haben.

Unter Beobachtung

Grünen-Stadtrat Dominik Krause ist ein unentwegter Kämpfer gegen rechtsextreme Umtriebe wie die Pegida-Aufmärsche. Regelmäßig besucht er Demos gegen Nazis, eine seiner ersten bewog ihn, in die Politik zu gehen. Denn die Polizei, so hat er es erlebt, sei da auf die Falschen losgegangen. Sprich: die Gegner der Rechtsextremen. Seither setzt sich Krause nicht nur gegen Rassismus ein, er beobachtet auch genau die Arbeit der Polizei. Immer mit kritischem Blick, wie überzogen oder lasch sie gegen wen vorgeht. So auch kürzlich, als ein Pegida-Wortführer einen Fotografen wegen Körperverletzung angezeigt hatte, weil er ihn mit Blitzlicht abgelichtet hatte. Krause fragte offiziell, warum die Polizei eine solch skurrile Anzeige angenommen hat. Und weil er schon dabei war, legte er nicht gerade lasch nach. Ob Nazi-Gegner nun eine Sonnenbrille tragen müssten, weil sie auf Demos ständig von Sicherheitskräften fotografiert würden? Ob die Polizei "weitere kreative Vorschläge" habe, nur eine, nämlich seine Seite zu kriminalisieren? Ob sie aus Langeweile nicht mal die Nazis beobachten könnte? Die Antwort der Polizei: Sie müsse laut Gesetz jede Anzeige aufnehmen. Der Tenor im Übrigen: Hier gehe einer reichlich überzogen gegen die Falschen vor. Man kennt sich eben.

Heiner Effern

Die Beamten sind nicht nur am Odeonsplatz im Einsatz. Um 19.30 Uhr sperrt die Polizei den Maximiliansplatz, auf dem Altstadtring bildet sich sofort ein Rückstau. Eine Hundertschaft sichert die Brienner Straße, wo sich Dutzende Antifa-Aktivisten gruppiert haben. Als sich Pegida vom Odeonsplatz aus auf den Weg macht zu einem Marsch durch die Altstadt, kommt es zu einer Sitzblockade auf dem Oskar-von-Miller-Ring.

Einige Demonstranten wollen Pegida den Weg versperren. Als jedoch klar wird, dass die Rechtspopulisten eine andere Route wählen, durchbrechen die Blockierer eine Polizeikette und rennen los. Es wird viel geschubst, Polizeiknüppel kommen aber nicht zum Einsatz. Ein paar Demonstranten "haben sich selbst überrannt und dabei leicht verletzt", sagt ein Polizeisprecher. Zu schlimmeren Auseinandersetzungen sei es nicht gekommen. Auch ein direktes Zusammentreffen von Pegida und Antifa habe man verhindern können, so der Sprecher.