Kneipe im Glockenbachviertel "Ochsengarten" Aus Liebe zum Leder

Klub für Kerle: Der Ochsengarten in der Müllerstraße hat seit Jahrzehnten einen bundesweiten Ruf in der Schwulenszene. Er war das erste Fetischlokal Deutschlands, Mottonächte gibt es auch heute noch.

Von Sabrina Ebitsch

Der Ochsengarten ist eine Trutzburg, wenn auch eine kleine, bewehrt mit schwarz verklebten Fensterscheiben und zwei dem traditionsreichen Namen angemessenen Hörnern, die er im Wappen oder vielmehr Logo trägt. Eine Enklave des angenehm Verschmuddelten ist er in der Müllerstraße inmitten von Bars mit Glasfronten und Apple Pie Martini und Agenturen und Nagelstudios.

Klub für Kerle

mehr...

Im Ochsengarten gibt es nichts mit Apfelaroma, keine leichten kleinen Gerichte und keine Panoramafenster. Es gibt gar kein Tageslicht. Im Ochsengarten gibt es eine Einrichtung, von der nicht einmal der Wirt weiß, wie alt sie ist, eine Holzverschalung an den Wänden, wie man sie aus Partykellern in Einfamilienhäusern kennt, und ein paar leicht oder vielmehr schwer mit Leder, aber nicht allzu viel davon, bekleidete, muskulöse Männer an den Wänden.

Die Plakate, auf denen die papiergewordenen Traummänner des Ochsengarten-Publikums zu sehen sind, stammen aus London, Chicago und Los Angeles, sind vergilbt und haben fast historischen Wert. Wie der Ochsengarten selbst, der mit 44 Jahren Deutschlands älteste Lederkneipe ist. Damals, erklärt Wirt Fridolin Steinhauser, habe es keine schwulen Reiseführer gegeben, da hat sich die Szene die Adressen und Plakate mit einschlägigen Lokalitäten um den halben Globus postalisch zukommen lasen.

Steinhauser sitzt in seiner Kneipe und sieht mit der Hornbrille, in seiner Cordhose und seinem Karohemd so ganz anders aus als die Männer an der Wand hinter ihm. Manchmal, erzählt er, werde er ja schon gefragt, was aus seiner Figur geworden sei. "Aber das ist 40 Jahre her." Steinhauser war fast von Anfang an im Ochsengarten dabei, zumindest seit seiner Neueröffnung als Lederkneipe, ist mit dem Laden und seiner Kundschaft alt geworden.

Bevor der Ochsengarten eine Nische füllte und zur Institution im Gärtnerplatzviertel und in der Schwulenszene wurde, war hier nicht mehr viel los. Einst als Biergarten für die Bauern und Händler gegründet, die hier Ochsen kauften und verkauften und der Wirtschaft ihren heute noch immer irgendwie passenden Namen gaben, war in den 1950er und 1960er Jahren ein Treffpunkt für die Damen, die auf dem Straßenstrich in der Müllerstraße ihr Geld verdienten.

Als im damaligen Rotlichtviertel allmählich das Licht ausging, übernahm die Bedienung Gusti die Wirtschaft von ihrem Chef - und hatte den richtigen Riecher: Sie machte aus der Wirtschaft einen Treffpunkt für die schwule Szene und damit eine kleine Revolution. Augusta Wirsing machte aus dem Ochsengarten das, was er heute ist.

"Das war schon eine Person, ein Unikum", sagt Steinhauser und lacht. Er wiederum stand jahrelang unter ihrer Ägide hinter der Bar. Nachdem er, aus einem kleinen Dorf im Allgäu kommend, hier eine neue Heimat gefunden hatte, sagte die Gusti zu ihm, wenn er eh schon jeden Abend hier sei, könne er auch arbeiten. Was Steinhauser dann auch tat, mit 24 fing er im Ochsengarten an. "Die Gusti ist meistens nur dagehockt, hat ihren Spaß gehabt und sich mit den Leuten unterhalten", sagt Steinhauser. Bedient haben er und andere junge Kerle, weil "das zieht natürlich".

Klub für Kerle

mehr...