Obikes Leihräder aus Fernost drängen nach München

Wer eines der neuen Obikes in der Stadt ausleihen will, muss zuerst eine Kaution von 79 Euro hinterlegen.

(Foto: Robert Haas)

"Obikes" aus Singapur, "Donkey Republic" aus Dänemark: Ausländische Anbieter von Leihrädern werden in München mit Skepsis gesehen - nicht nur von Datenschützern.

Von Andreas Schubert

Was Bikesharing angeht, liegt München in Deutschland weit vorn. Allein die MVG hat derzeit 1200 Räder im Angebot und will sogar noch auf 3200 erweitern. Die Bahn bietet über ihre Konzerntochter Call a Bike 1200 Räder an. Und jetzt drängt auch noch die Konkurrenz aus dem Ausland auf den Markt.

Seit Anfang August ist der Anbieter Obike aus Singapur in München am Start. 350 der grau-gelben Räder stehen mittlerweile in der Stadt herum. Das System ist ähnlich wie bei Call a Bike stationslos, heißt: Man mietet das Fahrrad per App an und stellt es dann irgendwo im Geschäftsgebiet ab. Das freie Abstellen funktioniert zwar auch mit MVG-Rädern. Wer das Rad aber an einer Station abgibt, erhält bis zu zehn Freiminuten.

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In Zürich ärgern sie sich schon über die Obikes

Ein weiterer Anbieter, allerdings mit einem anderen System, ist das dänische Startup "Donkey Republic", das mit lokalen Betreibern zusammenarbeitet. 100 sogenannte Donkey-Bikes gibt es seit Mai in der Stadt, sie gehören der Münchner Firma Lederhosen-Express. Die Räder werden ebenfalls per App ausgeliehen. Feste Stationen wie bei der MVG gibt es zwar nicht, dennoch muss man sie an bestimmten Orten, sogenannten "Hubs", zurückgeben. Das soll nach Auskunft von Donkey Republic verhindern, dass die ganze Stadt mit Rädern zugestellt wird.

Genau das ist in anderen Städten schon passiert, wo vor allem die Anbieter aus Fernost die Städte mit Rädern fluten. In Zürich zum Beispiel sind speziell die Obikes ein Ärgernis, weil sie überall im Stadtgebiet herumstehen oder, wie lokale Medien vermuten, ungenutzt die öffentlichen Fahrradständer blockieren. In Amsterdam werden gleich mehrere Anbieter aus den gleichen Gründen kritisiert.

Auch in München gibt es laut Florian Paul, dem Radverkehrsbeauftragten der Stadt, noch weitere Anfragen von mindestens vier Unternehmen aus Fernost. Und Obike habe bereits angekündigt, noch mehr Räder im Stadtgebiet zu verteilen, wie viele genau, sei noch offen und lasse sich schwer einschätzen, sagt Paul. Die Stadt habe derzeit keinerlei rechtliche Handhabe, um das Geschäft zu verbieten. Es könnte also sein, dass demnächst auch andere Unternehmen wie Mobike oder Yobike ihre Velos auf die Straße stellen und die Räder dann ungenutzt herumstehen.

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"Wir sehen das kritisch und werden die Entwicklung beobachten", so der Radbeauftragte. Grundsätzlich sei ein Fahrradverleih ja etwas Positives. Doch ob es den Verleihern wirklich nur um eine saubere Mobilität geht, daran zweifeln Kritiker. Sie befürchten, dass vor allem die Daten der Nutzer abgegriffen werden sollen.

Ob die neuen Obikes nun tatsächlich von den Münchnern angenommen werden, muss sich noch zeigen. Denn vor der ersten Fahrt mit dem Mietrad werden erst einmal 79 Euro Kaution fällig. Dafür bekommt man dann ein Gefährt ohne Gangschaltung. Und bei Problemen bleibt den Kunden nur der Kontakt per E-Mail. Eine telefonische Hotline oder irgendeine Adresse, an die man sich wenden kann, ist - anders als bei der hiesigen Konkurrenz - auf der Homepage von Obike bisher nicht zu finden.

Vom Geschäftsgebaren der Konkurrenz distanziert sich Maximilian Zwez vom Lederhosen-Express ausdrücklich. Auch er warnt davor, dass irgendwann die ganze Stadt mit billigen Leihrädern zugestellt sein könnte. Seine 100 Donkey-Bikes, die übrigens richtige Räder mit Gangschaltung sind, dürften bei der Masse da nicht weiter auffallen.