Obersendling Zutaten für eine gute Zukunft

Bei einem Tag der offenen Tür zeigen die Mitarbeiterinnen des Condrobs-Frauenprojektes "Viva Clara" ihr Können. Sie erzählen dabei, wie positiv sich die professionelle Arbeit in dieser Großküche mit Catering-Service und Bistro auf ihr Leben auswirkt

Von Jürgen Wolfram, Obersendling

Wenn Frauen für längere Zeit beruflich aus der Bahn geraten, kann das viele Gründe haben. Häufig sind sie allein erziehend, nicht selten in Kombination mit häuslichen, gesundheitlichen oder psychischen Problemen. Miriam H. ist drauf und dran gewesen, ihr Leben durch Drogen zu verpfuschen. Doch dann hat sie mit Unterstützung des Condrobs-Frauenprojektes "Viva Clara" die Kurve gekriegt, und wie: Die 34 Jahre alte Mutter einer Tochter absolvierte von 2009 an eine Ausbildung zur Köchin, drehte eine Qualifizierungsrunde nach der anderen und leitet seit drei Jahren eine Großküche mit Catering-Service und Bistro. Ihr Team besteht aus zehn Leuten, vier davon fest angestellt. "Ich war am Boden und wollte etwas tun, ohne mich verstecken zu müssen", erinnert sich Miriam H. an persönlich schwierige Zeiten.

Die Rettung hieß "Viva Clara". Der Integrationsbetrieb ist unlängst aus dem Landkreis München an die Kistlerhofstraße in Obersendling umgezogen, wo er sich mit einem Studentenwohnheim und einer Unterkunft für jugendliche Flüchtlinge ein modernes Bürogebäude teilt. Mit einem Tag der offenen Tür präsentierte sich "Viva Clara" dort jetzt der Öffentlichkeit.

Es sind Geschichten wie die von Miriam H., die bei Fachleuten auf großen Respekt für das seit 1990 bestehende Frauenprojekt von Condrobs stoßen. Anette Farrenkopf, Geschäftsführerin des Jobcenters München, sprach in ihrem Grußwort von einem "Vorzeigeprojekt". Die Integration Langzeitarbeitsloser sei in ihrem Haus seit Jahren ein großes Thema: "Gelingen kann sie nur durch Ausbildung, Qualifikation und Arbeit." Also genau das, was "Viva Clara" nach dem Motto "Perspektiven zeigen durch Beschäftigung" bietet.

Auch die Worte des Bezirksausschuss-Vorsitzenden von Thalkirchen-Obersendling-Fürstenried-Forstenried-Solln, Ludwig Weidinger, dürften dazu beigetragen haben, dass "Viva Clara" sich im Südwesten der Stadt willkommen fühlt. "Wir sind stolz, ein derart spannendes Projekt in Obersendling zu haben", betonte Weidinger auch im Hinblick auf die modellhafte Gemeinschaft mit Studenten und Flüchtlingen. Klaus Fuhrmann, Geschäftsführer der Condrobs-Beschäftigungsgesellschaft, revanchierte sich mit einem Hinweis auf die erstklassige Ausstattung aller drei Projekte. Dies sei "ein Statement, dass Condrobs diese Arbeit wichtig ist". Günther Weingärtler vom städtischen Referat für Arbeit und Wirtschaft arrondierte die Eröffnung mit einem dezenten Hinweis auf das starke finanzielle Engagement der Stadt München für die Condrobs-Einrichtungen; das Geld sei gut angelegt.

Was bei den "Maßnahmen für Frauen, die in Not geraten sind", herauskommt, wenn "Viva Clara" sie bündelt, konnte beim Tag der offenen Tür besichtigt werden. In der modernen Küche und im Bistro mit seinen 40 Sitzplätzen bot die Truppe von Miriam H. feine Kostproben an. Danach wunderte sich niemand mehr, dass "Viva Clara" schon eine ganze Reihe von Kunden gewonnen hat, darunter soziale Einrichtungen, Schulen, Kindergärten und private Festveranstalter. Bis zu 500 Personen kann die neue Großküche mit regionalen und internationalen Gerichten verköstigen. Täglich wird nach einem besonders schonenden Verfahren frisch gekocht. Wobei auch Bio- und Fairtrade-Produkte Verwendung finden. Für den eiligen Gast gibt's Take-away-food. Das Bistro ist von 8 bis 17 Uhr geöffnet, Mittagessen gibt es von 11.30 bis 14.30 Uhr.

Unter den knapp 60 Einrichtungen von Condrobs, einem der größten überkonfessionellen Träger sozialer Hilfsangebote in Bayern, ist "Viva Clara" eine der ältesten und erfolgreichsten. Aktuell begleitet Condrobs mit rund 600 Mitarbeiterinnen pro Jahr insgesamt 12 000 Hilfesuchende. Eine Beschäftigungsgesellschaft gibt mehr als 100 Menschen mit Unterstützungsbedarf in und um München Arbeit. Neben der Gastronomie sind Recycling und Entsorgung Betätigungsfelder, um benachteiligte Menschen an gesellschaftliche Teilhabe, berufliche Reintegration und Rehabilitation heranzuführen. Zum Ernst solcher Ziele passte beim Tag der offenen Tür an der Kistlerhofstraße 144 eine Lesung mit Brigitte Hobmeier. Die Schauspielerin trug eine Erzählung von Marieluise Fleißer vor, die von einer robusten Wirtshausbedienung handelt. Die Botschaft könnte von "Viva Clara" stammen: Viel hängt von einem gesunden, weiblichen Selbstbewusstsein ab.