Obermenzing Russisch-orthodoxes Kloster ist Ziel von Brandstiftern

Idyllisch gelegen bei Schloss Blutenburg ist das russisch-orthodoxe Kloster.

(Foto: Czeguhn / oh)
  • Auf dem Gelände eines russisch-orthodoxen Klosters nahe der Blutenburg haben Unbekannte nun schon wiederholt Feuer gelegt.
  • Hinter der Serie von Zündeleien vermuten die Mönche Jugendliche.
  • Nun erwägt die Gemeinschaft sogar einen Umzug.
Von Jutta Czeguhn

Mönchsdiakon Hiob scheint ein unaufgeregter Mensch zu sein. Als der 35-Jährige, der mit weltlichem Namen John Bandmann heißt, von dem Vorfall am vergangenen Samstag erzählt, bleibt er sehr sachlich, obwohl er und seine acht Mitbrüder im russisch-orthodoxen Kloster zum Heiligen Hiob von Počaev eigentlich sehr besorgt sind. Seit geraumer Zeit ist das Zuhause von Erzbischof Mark und seinen Mönchen Ziel von Brandstiftern. Nun also gab es erneut Feuer auf dem Klostergelände nahe von Schloss Blutenburg, das dritte binnen weniger Wochen.

Kurz nach 23 Uhr sei es am Samstag gewesen, schildert der junge Mann mit dem langen Bart, der das schwarze Alltagsgewand seines Ordens trägt. Die Mönche hätten sich noch nicht zur Nachruhe begeben. "Die Restmüll-Tonne auf dem Carport stand in Flammen, wieder sind die Holzbretter der Außenwand teilweise durchgebrannt, der Metallzaun ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Unsere Nachbarn haben die Polizei verständigt, die freundlicherweise unsere Fahrräder und unseren Autoanhänger retten konnten", berichtet er. Die Feuerwehr sei gegen 23.30 Uhr zur Stelle gewesen.

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"Ehrlich gesagt, fühlen wir uns machtlos und ratlos", sagt Mönch Hiob, der seit zwölf Jahren im Obermenzinger Kloster lebt. Vor etwa fünf Wochen sei jemand über den Zaun des Carports geklettert, habe die große Papiertonne über den Zaun gehoben und auf den nahen Parkwiesen abgebrannt.

Drei Wochen sei es her, da hätten sich offenbar dieselben "Spaßvögel" damit begnügt, den Müll aus der Papiertonne zu entwenden und im Park anzuzünden. Der jüngste Vorfall aber mit dem Feuer direkt auf dem Klostergelände sei kein Spaß mehr. "Hier ist alles miteinander verbunden", sagt der Mönch und deutet auf die Holzschuppen und Unterstände, darunter ein alter Zirkuswagen, die sich dem abgezäunten Mülltonnen-Platz und dem Carport anschließen.

Dort stehen auch die drei Autos der Bruderschaft. "Erst jetzt ist uns richtig klar geworden, dass wir hier gezielt angegriffen wurden und dass die Angreifer auch einen Großbrand auf unserem Grundstück hinnehmen würden." Hiob hofft, dass die Polizei, die nach dem Brand am Samstag nun Ermittlungen aufgenommen hat und verstärkt Streife in der Gegend fahren will, die Täter ermitteln wird.

Auch wenn die Brandstifter offensichtlich das Kloster im Visier haben, sieht Bruder Hiob keine Hinweise "auf eine politische oder sonstige Motivation". Hinter der Serie von Zündeleien vermutet er Jugendliche, die den Mönchen seit geraumer Zeit ihr kontemplatives Leben ziemlich schwer machen.

In dem russisch-orthodoxen Kloster leben Mönchs- diakon Hiob und seine Mitbrüder.

(Foto: Czeguhn/ oh)

Begonnen habe alles vor etwa fünf Jahren: Besonders in den warmen Monaten würden sich Jugendliche auf den Wiesen am Weiher der Blutenburg abends und nachts zum Feiern treffen. Hiob berichtet von Partys, großen Flashmobs, von lauter Musik aus Bluetooth-Speakern, von leeren Flaschen, Glasscherben und viel Müll nach solchen Feier-Nächten, auch im Park hätten Abfallbehälter schon gebrannt. "Wir haben trotz allem nicht einmal die Polizei gerufen", sagt Bruder Hiob.

Für die neun Mönche und Abt Mark sei der Lärm in den Abend und Nachstunden mittlerweile zermürbend, unerträglich geworden. Schließlich lebe man den Ordensregeln gemäß in einem strengen Tagesrhythmus, was unter anderem einen Gottesdienst vor Morgengrauen um vier Uhr bedeute.

"Schlaf ist etwas sehr Wertvolles für uns, weil wir wenig davon abbekommen", sagt Mönchsdiakon Hiob. Die Ordensbrüder könnten sich gegen den Lärm auch nicht schützen. "Unsere Zellen liegen alle im Obergeschoss des Altbaus, da schallt es über die Bäume und Sträucher direkt durch unsere alten Fenster", erzählt der gebürtige Berliner. "Die Situation ist so belastend geworden, dass wir inzwischen nach einer Alternative suchen, auch wenn wir das eigentlich nicht wollen."

Dass die russisch-orthodoxen Klosterbrüder Obermenzing das alte Gemäuer nach 71 Jahren aufgeben könnten, ist schwer vorstellbar. Doch scheint es nach den Schilderungen von Mönch Hiob nicht in erster Linie der Partylärm zu sein, der die Gemeinschaft zu diesem Schritt bewegen könnte. "Wir haben große Platzprobleme, und das schon seit Langem. Wir würden gerne an der Stelle der Holzunterstände einen Festbau errichten, um uns auch architektonisch abzuschirmen", sagt er.

Man habe sich von einem Architekten auch schon Pläne fertigen lassen. Doch scheitere bislang alles an der Landeshauptstadt, der Schlösser- und Seenverwaltung als unmittelbarem Nachbarn und am Freistaat, dem das seit einem Jahr unter Denkmalschutz stehende Gebäude gehört. Und der sich, auch wenn der Mönch das so direkt nicht ausspricht, nicht sonderlich um den Bau schert: "Unser Dach ist seit fünfzig Jahren nicht erneuert, sondern nur kosmetisch geflickt worden. Immerhin regnet es nun nicht mehr rein."

Mönchsdiakon Hiob - das ist womöglich die Ironie der Geschichte mit der Brandstiftung - hofft nun nicht nur, dass die Täter gefasst werden. "Ich hoffe auch, dass wir für unsere Situation hier mehr Aufmerksamkeit bekommen."

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