OB-Wahlkampf in München Jetzt ist Pfeffer drin

Sie ist das frische Gesicht der Grünen und steht für einen politischen Neuanfang in der Stadtpolitik: Sabine Nallinger. Die männlichen OB-Bewerber von den Konkurrenzparteien müssen sich nun auf einen anderen Wahlkampf einstellen.

Ein Kommentar von Peter Fahrenholz

Dankbarkeit ist in der Politik eine vergängliche Kategorie. Wer sich darauf verlässt, dass ihm bisher erworbene Verdienste auch künftig helfen, kann sich schwer täuschen. Das Tückische ist, dass niemand vorhersagen kann, wann Erfahrung plötzlich zum Ballast wird, weil sich die Leute einen Neuanfang wünschen oder einfach nur ein frisches Gesicht.

OB-Kandidatin der Grünen: Sabine Nallinger hat verständlicherweise gute Laune.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das hat jetzt Bürgermeister Hep Monatzeder erleben müssen, und es ist eine bittere Niederlage für ihn. Wer nach 16 Jahren in der Stadtspitze OB-Kandidat werden möchte und dann bei einer Urwahl nur auf 30 Prozent kommt, hat die Stimmung in seiner Partei offenkundig falsch eingeschätzt.

Die Grünen in München wollten nicht einfach die Ära Ude fortschreiben, sie wollten einen neuen Aufbruch und wohl auch einen Generationswechsel. Den haben sie mit der Kür von Sabine Nallinger jetzt eingeleitet. Dass Nallinger, bisher nur einfache Stadträtin, ein politisch weitgehend unbeschriebenes Blatt ist, muss dabei kein Nachteil sein, denn es bietet die Chance, frische Neugier auch bei denjenigen zu wecken, die vom üblichen politischen Betrieb angeödet sind.

Und dass die Grünen mit Nallinger eine Frau ins Rennen schicken, kann sich als großer Vorteil erweisen. Denn die Debatte um mehr Führungspositionen für Frauen ist eines der großen gesellschaftlichen Themen der nächsten Jahre.

In jedem Fall bringt die Kür Nallingers die Schlachtordnung für die OB-Wahl gehörig durcheinander. Vor allem SPD-Kandidat Dieter Reiter muss sich jetzt Gedanken machen. Mit einem OB-Kandidaten Monatzeder hätte er sich als das frische Gesicht von Rot-Grün präsentieren können, das geht jetzt nicht mehr. Und auch ein eher fades Wahlkampfgeplätscher dreier freundlicher Herren wird es nicht mehr geben.

Mit Nallingers Kandidatur kommt Pfeffer in den OB-Wahlkampf. Und das ist ganz gut so.